Obamas Hoffnungsgeber

München - Der weltbekannte Street-Art-Künstler Shepard Fairey hat der Stadt ein 15 Mal 13 Meter großes Wandgemälde an der Landshuter Allee geschenkt.

Es war dieses eine Plakat, das Shepard Fairey (46) mit einem Schlag in der weltweiten Kunstszene berühmt machte: Im Jahr 2008 gewann Barack Obama die US-Präsidentschaftswahl. „Hope“ und „Change“, das waren die Schlagworte für die moderne Kampagne, welche erstmals auf die neuen Medien zugeschnitten war. Faireys Darstellung des schwarzen Senators ging um die Welt: Ein Porträt im Stile Andy Warhols, Obama in ikonographischer Pose, designt in den Nationalfarben rot, blau und weiß, darunter das Wort „Hope“, Hoffnung. Das Plakat verbreitete sich millionenfach in den sozialen Netzwerken der Welt und trug maßgeblich zur Apotheose Obamas bei.

Seit Sonntag kann man in München ein 15 Mal 13 Meter großes Wandgemälde Faireys sehen. Möglich machte dies Sebastian Pohl, Leiter des Münchner Kunstvereins „Positive Propaganda“ und langjähriger Freund Faireys. Die Fläche an der Landshuter Allee 54, die im Besitz der Landeshauptstadt ist, wurde dem Künstler nach mehreren Jahren Vorarbeit durch den Kunstverein mit Unterstützung von Bürgermeister Josef Schmid und dem Kulturreferat zur Verfügung gestellt. Am Sonntag weihten Fairey, Schmid und Pohl das Bild ein.

Lediglich zwei Tage haben der Streetart-Künstler und drei Helfer benötigt, um das Bild fertigzustellen, denn einen Großteil der Arbeit hatten sie schon im Atelier in Los Angeles erledigt. Dort waren die Schablonen entstanden, die die Künstler nun nur noch an der Mauer anlagen und von einer Hebebühne aus mit Graffiti-Farbe besprühen mussten. Thema des Werks ist die von großen Konzernen und Regierungen verursachte Umweltverschmutzung, der Turbokapitalismus und die Unterdrückung der Armen durch die Reichen. Ein Honorar verlangt Fairey für das Bild nicht.

Das Gebäude der Stadtwerke passt aus Sicht von Bürgermeister Schmid besonders gut, denn diese seien führend beim Thema erneuerbare Energien.

Sebastian Pohl und Shepard Fairey lernten einander 2003 in Berlin kennen und stehen seitdem in engem Austausch. Pohl kritisiert, dass der öffentliche Raum in München zunehmend privatisiert wird, eine künstlerische Entfaltung hier kaum noch möglich ist. Umso glücklicher ist er, dass sein Freund jetzt ein Ausrufezeichen im Street-Art-Genre setzt - auch wenn Fairey selbst das Etikett Street-Art-Künstler ablehnt. „Ich bin Künstler und Designer. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, ist die Straße einfach der beste Platz.“ Josef Schmid zeigte sich am Sonntag begeistert vom Werk des Kaliforniers. „Ich finde es sensationell, eine Ikone der Pop-Art hier zu haben. In der Hochglanz-Stadt des Geldes und der großen Unternehmen tut uns ein bisschen Coolness ganz gut.“ Den Kampf mit Berlin nehme man gerne auf, so Schmid, der auch zur Lage des Wandgemäldes eine Meinung parat hatte. „Es darf auch mal Landshuter Allee sein, nicht immer Maximilianstraße.“

Ulrich Lobinger

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