Obamas neuer Mann in München

München - Conrad Tribble (45) ist der neue Generalkonsul der USA in München. Seinen ersten Besuch bei einer Zeitung stattete er dem Münchner Merkur ab und verriet uns seine Hoffnungen für die amerikanisch-bayerischen Beziehungen, Afghanistan – und den FC Bayern.

Irgendwie hat es Conrad Tribble ja immer nach München gezogen. Schon damals, 1979, als er als Austauschschüler in einem winzigen Ort bei Cuxhaven landete. Von Fußball hatte er keine Ahnung – bis er im Fernsehen Sepp Maier sah. „Das war ein Charakter! Der Torhüter schlechthin!“ Es war um Tribble geschehen. Von da an war er glühender Bayern-Fan, der auch daheim in Los Angeles noch fieberhaft nach TV-Kanälen suchte, die deutschen Fußball zeigten.

Und so muss es sich fast wie Heimkehren angefühlt haben, als er 30 Jahre später endlich nach München kam: als neuer Generalkonsul – nach einem diplomatischen Umweg über Chile, Haiti und Irak. Eine seiner ersten Amtshandlungen: Natürlich ein Besuch beim Bayern-Heimspiel mit seinem 15-jährigen Sohn Colin. Auch bei den Sechzgern will er schon bald vorbeischauen.

So leidenschaftlich der quirlige Mann in perfektem Deutsch über Fußball fachsimpelt, so sehr bringt ihn auch sein neuer Job in Bayern ins Schwärmen. „Meine Aufgabe ist: rausgehen, Leute kennenlernen, reden, so viele Bayern wie nur möglich treffen.“ Amerikaner könnten es längst nicht mehr als selbstverständlich ansehen, dass die Menschen hierzulande eine wohlwollende Meinung über die USA haben. „Dafür müssen wir arbeiten.“ Schließlich wachse die junge Generation der Deutschen ohne die Erfahrung der Nachkriegszeit auf.

Freilich: Ernsthafte Sorgen über die bayerisch-amerikanischen Beziehungen macht er sich nicht – im Gegenteil: „Die wirtschaftliche Basis ist unheimlich gewachsen. Wenn man sieht, wie viele Jobs in den USA von bayerischen Firmen abhängen und umgekehrt: verblüffend.“ Früher hätten Amerikaner bei dem Wort Bayern nur ans Oktoberfest gedacht. „Heute denken sie immer noch an die Wiesn – aber auch zunehmend an ein fortschrittliches Technologieland.“

Es ist Tribble anzumerken, wie erleichtert er ist, mit seiner Familie in München zu sein. Er kommt geradewegs aus Bagdad – dort leitete er ein Wiederaufbauteam. Doch was er im Irak sah, macht ihm Mut. „Es hat sich viel verbessert. Die Iraker übernehmen Verantwortung für ihre Regierung, ihre Gesellschaft, ihr Leben.“ Noch vor drei Jahren habe jeder Anschlag die Frage aufgeworfen: Kann diese Gesellschaft überleben? „Heute stellt sich die Frage nicht mehr: Sie überlebt schon.“ Die Menschen ließen sich von der Gewalt nicht mehr abhalten, ihr Leben zu leben. „Und es kommen auch immer mehr Geschäftsleute ins Land.“

Ein Erfolg, wie er ihn sich auch für den Afghanistan-Einsatz herbeisehnt. Zu diesem Thema hat er eine klare Botschaft an die Bayern im Gepäck: „Das ist keine kurzfristige Aktion. In Afghanistan brauchen wir anhaltendes Engagement, nicht nur der USA sondern auch der Europäer.“ Was dort passiere, sei auch wichtig für die Sicherheit in Deutschland. „Das ist unsere Überzeugung – auch wenn ich weiß, dass das in der deutschen Bevölkerung kontrovers diskutiert wird.“

Doch wer Tribble zuhört, der ahnt: Sie werden keine echten Probleme miteinander haben – er und die deutsche Bevölkerung. Dafür ist Tribble, der zwei seiner vier Kinder zweisprachig auf deutsch und englisch erzieht, den Deutschen viel zu ähnlich. „Allein die Idee eines Biergartens fasziniert mich! Da habt ihr echt was Gutes erfunden.“ Jetzt müssten nur noch die Bayern siegen – dann hätte er auch Grund zum Anstoßen.

Johannes Patzig

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