Mario Schmidbauer will die Sportvereine einspannen. bod

CSU-Stadtrat im Merkur-Interview

"Ohne Bürgerentscheid ist Olympia 2022 gescheitert"

München - Die Münchner sollen so schnell wie möglich über eine Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2022 abstimmen - zumindest, wenn es nach CSU-Stadtrat Mario Schmidbauer geht.

Herr Schmidbauer, bis Januar wollen Sie 34 000 Unterschriften sammeln. Wann fangen Sie an?

Erst werden wir die Sache bei einer Pressekonferenz heute richtig vorstellen, dann legen wir los.

Wie wollen Sie die Unterschriften sammeln? Sie können das ja kaum alleine schaffen.

Ich werde mich selbst auf die Straße stellen, aber das wird natürlich nicht reichen. Unsere Initiative setzt vor allem auf die Sportvereine. Ein paar haben schon erklärt, dass sie mitmachen wollen. Zudem werden wir Infostände aufbauen und Listen in Geschäften auslegen.

Der Vorstoß kam selbst für Ihre eigene Fraktion überraschend. War das eine spontane Eingebung?

Nein. Man kann nicht einfach sagen: Morgen starte ich eine Bürgerinitiative. Das gärt in mir schon seit dem 25. Juli . . .

. . . als die CSU im Stadtrat gefordert hat, sofort alle Schritte für eine erneute Kandidatur einzuleiten. Sie haben dafür keine Mehrheit gefunden.

So ist es. Was der Oberbürgermeister damals verschwiegen hat, ist, dass die Fristen, die er gesetzt hat, einfach nicht ausreichen.

Deswegen drücken Sie jetzt aufs Tempo?

Ja! Am 14. November 2013 müssen die Nationalen Olympischen Komitees ihre Städte beim IOC benennen. Ude will erst ab September 2013 eine Entscheidung herbeiführen. Der DOSB (Deutsche Olympische Sportbund, die Red.) hat aber vorgegeben: Bevor eine Kandidatur geprüft wird, muss ein positiver Bürgerentscheid her und die Finanzierung sichergestellt sein. Die Herren Ude und Bach (DOSB-Präsident, die Red.) wollen das alles in nur zwei Monaten erledigen? Das zeigt doch ganz klar, dass sie kein ernsthaftes Interesse an einer erneuten Kandidatur haben.

Kritiker sagen, Ude bremst, weil er sich Ärger mit den Grünen ersparen will und Bach, weil er IOC-Präsident werden möchte.

So ist es! Das brauche ich doch gar nicht groß zu betonen - es stand ja so schon in der Zeitung. Ich mache das alles nicht aus parteitaktischen Gründen. Ich mache das als Privatperson, weil mir die Olympischen und die Paralympischen Spiele wirklich am Herzen liegen.

Warum privat? Kann einem Stadtrat der Sport nicht am Herzen liegen?

Doch, natürlich. Aber ich bin als Politiker gescheitert, im Stadtrat am 25. Juli. Es bleibt mir nur noch die Möglichkeit, als Bürger aufzutreten und als solcher meine Rechte in Anspruch zu nehmen. Es gibt demokratische Gepflogenheiten, daran halte ich mich. Eine private Initiative hat mit der Politik aber nichts zu tun.

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl meint, ein Bürgerentscheid mache keinen Sinn, so lange der DOSB nicht sagt, ob er eine Münchner Bewerbung will.

Da muss ich widersprechen. Beim letzten Mal hat man uns doch vorgeworfen, wir hätten eine Bewerbung von oben gestartet, ohne die Bevölkerung zu fragen. Jetzt machen wir es umgekehrt, fangen von unten an. Das wirft uns die SPD jetzt vor? Es ist doch Blödsinn zu sagen, wir würden damit Schaden anrichten.

Wird die CSU-Fraktion zusätzlich ein Ratsbegehren anstrengen.

Nein, darauf verzichten wir. Die Aussagen von Ude und den Grünen sind eindeutig. Der Antrag für ein Ratsbegehren würde zum jetzigen Zeitpunkt mit Sicherheit erneut abgelehnt werden.

Wie schätzen Sie die Stimmung ein? Bekommen Sie die Unterschriften? Und wenn ja, werden Sie den Entscheid gewinnen?

Fast 700 000 Münchner treiben Sport, es gibt hier 700 Vereine. Alle sportlichen Großereignisse waren riesige Erfolge. München ist eine Sportstadt. Die Bürger haben Lust darauf. Ich rechne fest mit einem positiven Votum.

Sollten Sie dennoch scheitern und es beim aktuellen Zeitplan bleiben - was wäre die Folge?

Das würde das Ende der Münchner Bewerbung für die Olympischen Spiele 2022 bedeuten.

Interview: Thomas Schmidt

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