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Ohne Stammstrecke kein Express

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Erwin Huber will die Express-S-Bahn

München - Bayerns Verkehrsminister Zeil macht die zweite Stammstrecke zur Bedingung für eine Express-S-Bahn zwischen Stadt und Flughafen. Das dürfte beim heutigen Spitzentreffen zum Finanzierungsstreit des Milliardenprojekts für Diskussion sorgen.

Gut zehn Jahre ist es her, dass der damalige bayerische Verkehrsminister Otto Wiesheu (CSU) eine Express-S-Bahn zum Flughafen München angekündigt hat. Der Bau könne rasch und preiswert verwirklicht werden, hieß es damals. 2005 könne die Strecke fertig sein. Nur 20 Minuten sollte die Fahrt ins Erdinger Moos dauern. Seither hat sich nichts getan, im Gegenteil: Der jetzige Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) hält eine Verbesserung der Flughafenanbindung durch eine Express-S-Bahn auf der Linie 8 nur „im Zusammenspiel mit der zweiten Stammstrecke“ für möglich. Das geht aus einem Antwortschreiben an den Landtag hervor, das unserer Zeitung vorliegt.

Zum Hintergrund: Im Mai dieses Jahres hatten 13 CSU-Abgeordnete um die energischen Unterstützer einer Express-S-Bahn, Erwin Huber und Markus Blume, aber auch sechs FDP-Parlamentarier die Staatsregierung in einem Antrag aufgefordert, Ausbaumöglichkeiten der bestehenden Trasse zu prüfen.

Die Gutachter betrachten im Auftrag des Verkehrsministeriums zwei Varianten. Die kostengünstigere Version nennen die Ingenieure „Vorlaufbetrieb Flughafen-Express light“, sie ist ein Teilausbau. Mit einer Fahrzeit von 32 Minuten für die Strecke Hauptbahnhof-Flughafen würden im Vergleich zum aktuellen Fahrplan etwa acht Minuten eingespart. Die Ingenieure listen eine ganze Reihe von nötigen Infrastrukturmaßnahmen auf Kosten: 82 Millionen Euro. Eine Untertunnelung, wie sie die Stadt München auf eigene Rechnung bauen würde, ist laut Experten nicht realisierbar. Die zweite Variante wäre ein Vollausbau und mit 239 Millionen Euro deutlich teurer. Sie funktioniere nur in Kombination mit einer zweiten Stammstrecke und wird von Minister Zeil favorisiert - es seien „keine deutlichen Kostenvorteile eines leistungsfähigen Teilausbaus im Vergleich zum Vollausbau erkennbar“.

Express-S-Bahn-Befürworter reagierten unzufrieden. CSU-Verkehrsexperte Erwin Huber sprach von einer „Enttäuschung“ und kündigte an, unabhängig von der Staatsregierung auf „Ideensuche“ für eine günstigere Verbesserung der Anbindung mit einfacheren Mitteln zu gehen. Die geprüften Varianten seien viel zu teuer, zu perfektionistisch.

Parteikollege Martin Blume stößt ins selbe Horn: „Wir wollten eigentlich wissen, was man auf der heutigen Strecke an Verbesserungen kurzfristig umsetzen kann.“ Dazu gebe das Gutachten keine Auskunft. Mittel- und langfristig sei er für eine Tunnellösung im Münchner Osten, Vorrang habe aber eine schnelle Entlastung für Pendler. Martin Runge, Verkehrsexperte der Grünen, bezeichnete die Haltung des Verkehrsministers als „grotesk“. Hintergrund sei das unbedingte Festhalten am „Unsinnsprojekt zweite Stammstrecke“.

Doch das 2,2-Milliarden-Euro-Projekt steht seit Monaten auf der Kippe, weil sich Stadt und Freistaat um die Finanzierung streiten. Am heutigen Mittwoch setzten sich deshalb Ministerpräsident Horst Seehofer mit Zeil und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) an einen Tisch. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nimmt an dem Treffen nicht teil - allerdings auf eigenen Wunsch, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Nach einem Treffen mit Martin Zeil seien viele fachliche Fragen offen geblieben, die Ude vor einem politischen Gespräch klären wolle.

Dass Zeil für den Vollausbau ist, nahm Ude „mit Zustimmung und Erleichterung“ zur Kenntnis. Die „Light“-Variante, die einen oberirdischen Ausbau ohne Tunnel vorsehen würde, würde den Münchner Osten zerschneiden und den Bau von Wohngebäuden und Erholungsflächen verhindern, sagt Ude.

Während sich die Entscheidung über die Express-Verbindung zum Flughafen weiter verzögert, scheinen zwei andere Bahnprojekte konkret zu werden: Nach einem Treffen von Vertretern der Staatsregierung mit den Landräten aus Erding und Freising wurde bekannt, dass im Jahr 2012 der Planfeststellungsbeschluss für die Neufahrner Kurve erreicht werden soll. Zudem soll mit der Planung für den Erdinger Ringschluss begonnen werden.

Carina Lechner

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