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Mordversuch oder Notwehr? Millionärsfreundin Sandra N. vor dem Landgericht München I.

Tiefe Einblicke in zerrissene Seele

Blutiger Wiesn-Streit: Die dunkle Vergangenheit von Sandra N.

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München - Sandra N. hat auf der Wiesn im Streit einen Mann niedergestochen. Nun steht sie vor Gericht. Zwei Gutachter beurteilten am Mittwoch die Persönlichkeit der Messerstecherin.

Hat sie eiskalt zugestochen? Oder aus Angst, weil sie bedroht wurde? Noch immer gibt es keine eindeutigen Beweise zur Tat von Millionärs-Freundin Sandra N. (34, Name geändert). Sandra N. hatte im Streit auf der Wiesn einen Mann niedergestochen, der fast gestorben wäre. Vor Gericht behauptet sie: Es war Notwehr. Und weinte bitterlich an vielen Verhandlungstagen. Denn die Staatsanwaltschaft wirft ihr versuchten Mord vor – laut Anklage habe Sandra N. erst dann zugestochen, als Tom L. (Name geändert) sich vor dem Käferzelt schon entfernt hatte. 

Zwei Gutachter beurteilten am Mittwoch die Persönlichkeit der Messerstecherin. Es sind tiefe Einblicke in eine zerrissene Seele! Sandra N. ist Mutter von drei Kindern. Zu ihnen hegt sie eine „tiefe Liebe“ und einen überbehütenden Erziehungsstil, erklärte Susanne Lausch, Ärztliche Direktorin des Bezirkskrankenhaus Straubing. „Sie hält die Kinder von Risiken fern, sie selbst ist ängstlich und selbst­unsicher“, so die Psychiaterin. Und das hat Gründe: Denn die Vergangenheit von Sandra N. wirft dunkle Schatten.

Psychologe Andreas Haßkerl beschrieb die Millionärsfreundin als „gehemmte Persönlichkeit“. Tief in ihre Seele hätten sich Gewalterfahrungen in der Kindheit eingebrannt, etwa das Erleben von Ohnmacht gegenüber Aggressionen des Vaters. „Das waren einschneidende Erlebnisse.“ Bei der Tat auf der Wiesn kam es durch die gefühlte Bedrohung zu einer Reaktivierung dieses Traumas, so Haßkerl. Laut Susanne Lausch habe Sandra N. große Panik entwickelt. Und schließlich zugestochen! „Ich dachte, der bringt mich um“, begründete sie ihr Verhalten gegenüber der Gutachterin. Trotzdem wurde die verminderte Schuldfähigkeit ausgeschlossen! Das bedeutet: Sandra N. war bei klarem Bewusstsein. Denn sie hatte den pöbelnden Tom L. verfolgt, ihn beschimpft – und konnte nach den Stichen noch alle Details abrufen. Sandra N. gab zwar an, für sie wäre alles wie in einem Film abgelaufen. Für die Tat folgerte Psychiaterin Lausch aber knallhart: „Es war keine schwere Belastungsreaktion.“

Seit mehreren monaten dauert der Prozess um den Blutigen Wies-Streit schon an. Unter anderem musste auch die Ex-Fußballer Jens Lehmann und Patrick Owomoyela vor Gericht aussagen.

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