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Streitfall Ponyreiten: Soll es verboten werden?

Auf der Wiesn und Auer Dult

Stadtrat entscheidet über Pony-Reitverbot

München - Wird das Ponyreiten auf der Wiesn und den Auer Dulten künftig verboten? Die SPD-Stadtratsfraktion hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Verwaltung lehnt den Vorstoß ab. Heute entscheidet der Stadtrat. Es könnte spannend werden.

Ponyreiten auf Jahrmärkten und dem Oktoberfest gibt es seit Jahrzehnten. Doch die SPD will der Sache nun Einhalt gebieten. Grund: Der Spaß für Kinder sei nicht mit dem Tierschutz-Gedanken vereinbar. Die laute Musik, die Lichteffekte umliegender Fahrgeschäfte und Besucherlärm bedeuteten für die Pferde Stress, meint die SPD. Das stupide Trotten im Kreis könne zu schmerzhaften Gelenk- und Wirbelschäden führen. Zudem vermittele das Jahrmarkts-Angebot Kindern ein falsches Bild von Tieren, heißt es in dem SPD-Antrag: „Sie werden nicht als Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen, sondern eher als Gebrauchsgegenstand.“ Andere Städte wie Dachau hätten die Pony-Karussells verbannt. Die Münchner Familien, so die SPD, sollten auf der städtischen Homepage über artgerechtere Alternativangebote mit Pferden und Ponys informiert werden.

Die CSU hatte ebenfalls einen Antrag zu dem Thema gestellt, sich darin aber nicht so rigoros wie die SPD für ein Verbot ausgesprochen. So forderte die CSU von der Stadt, eine kritische Untersuchung bei der tierärztlichen Fakultät der LMU in Auftrag zu geben. Die Experten sollten darlegen, wie es um den Gesundheitszustand der Ponys in den Schaustellerbetrieben bestellt sei. Zudem solle die Verwaltung prüfen, welche Auswirkungen ein generelles und sofortiges Verbot des Ponyreitens für die Betreiber hätte.

Laut Verwaltung sinkt die Zahl der Pony-Reitbetriebe ständig. Zur Auer Dult bewerben sich nur noch zwei Unternehmen, von denen aus Platzgründen nur eines dem Stadtrat vorgeschlagen werden kann. Für die Wiesn 2016 hätten sich nur noch drei Betriebe um eine Zulassung für zwei Reitbahnen beworben. Ursachen seien die sinkenden Umsätze und die gesellschaftliche Diskussion.

Veterinäramt: Tierschutzvorgaben sind erfüllt

Laut Wirtschaftsreferat steht den Tieren genug Auslauffläche zur Verfügung. Auch die Mindestauslaufzeit von zwei Stunden pro Tag werde eingehalten. Das städtische Veterinäramt erklärt in seiner Stellungnahme, dass die auf Oktoberfest und Dulten zugelassenen Betriebe die Vorgaben des Tierschutzgesetzes erfüllten. Es seien auch keine speziellen gesundheitlichen Probleme im Vergleich zu anderweitig genutzten Pferden festgestellt worden, ebensowenig Verhaltensauffälligkeiten aufgrund des Lärms. Bürgerbeschwerden sind laut Behörde eher rückläufig. Das Wirtschaftsreferat erklärt: „Mittlerweile sind Reitbahnen eine der wenigen Möglichkeiten, bei denen Stadtkinder einen direkten Kontakt zu Tieren und dem Reiten auf einem Pferd oder Pony haben können.“

Die Behörde steht dem SPD-Antrag auch unter einem anderen Aspekt grundsätzlich skeptisch gegenüber: „Ein Verbot von Ponyreitbahnen käme einem Berufsverbot für die Betreiber nahe. Damit entfiele die wirtschaftliche Basis für die Reitbetriebe, die sich dann vermutlich von ihrem Personal und den Tieren trennen müssten.“ Die SPD hat unterdessen ihren Antrag modifiziert. Sie will den Betreibern von Ponykarussells eine Übergangsfrist bis Ende 2017 einräumen, damit diese sich beruflich umorientieren könnten. Weil die Frage zum Tierschutz vom Veterinäramt fachlich ausreichend beantwortet worden sei, hält es das Wirtschaftsreferat nicht für notwendig, eine zusätzliche Expertise der LMU einzuholen.

CSU: Verbot bedeutet Tod der Tiere, Ruin für die Betreiber

Darauf pocht die CSU aber nach wie vor. „Erstmal muss die Sachlage klar sein“, sagte CSU-Stadtrat Manuel Pretzl. Das Vorgehen der SPD nannte er „beliebig“. „Entweder es ist tierschutzwidrig, dann muss ich es gleich verbieten“, so Pretzl. „Oder eben nicht, dann bleibt es auf Dauer erlaubt.“ Pretzls Fraktionskollege Richard Quaas wird noch schärfer: Eine Tradition von über 200 Jahren würde beendet werden. Für die Tiere, so Quaas, würde es keine Verwendung mehr geben: „Die Vorgehensweise der SPD bedeutet, den Tod der Pferde billigend in Kauf zu nehmen und die Betreiberfamilien in den Ruin zu treiben.“ Die Grünen befürworten hingegen den SPD-Antrag. Die Verwaltung habe in ihrer Argumentation alle Einwände gegen das Ponyreiten einfach abgebügelt, erklärte Grünen-Stadträtin Katrin Habenschaden.

Klaus Vick

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