S-Bahn-Chaos: Polizeieinsatz an der Hackerbrücke

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Der Lkw-Lieferverkehr soll bis 9 Uhr abgeschlossen sein. Erst dann dürfen Besucher aufs Festgelände.

Wird es heuer eine Angst-Wiesn?

Oktoberfest: So reagieren Stadt, Polizei und Wirte auf die Anschläge

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Nizza, Berlin, London – und nun Barcelona. Die Welt wird immer öfter von furchtbaren Lkw-Attentaten erschüttert. München hat im Vorfeld der Wiesn reagiert: Der Lieferverkehr mit Lastwagen muss abgewickelt sein, ehe die ersten Besucher aufs Oktoberfest strömen. Außerdem sind rund um die Wiesn mehr als 100 Poller und Betonelemente installiert.

München - Ob es nun mit der Angst vor Terror zu tun hat oder nicht? Ein Faktum ist unbestritten: Das Oktoberfest 2016 hatte mit 5,6 Millionen Festgästen nahezu die schwächste Besucherzahl seit dem Wiesn-Attentat 1980. Damals waren nur 5,1 Millionen Menschen gekommen. 2015 waren es noch 5,9. Wird es 2017 also erneut einen Einbruch bei den Besucherzahlen geben?

Lesen Sie auch zum Thema: Strengere Sicherheitsmaßnahmen auf Bayerns Volksfesten

Lkw und Besucher werden strikt getrennt

Stadt und Sicherheitsbehörden tun jedenfalls alles, um die Gefahr von Anschlägen zu minimieren. Marcus da Gloria Martins, Sprecher des Polizeipräsidiums München, sagt: „Wir sind wachsam, fühlen uns aber gut vorbereitet.“ Auf die Anschlagsform mit Lkw sei das Oktoberfest mit über 100 Pollern und Betonelementen rund um den Bavariaring gut gerüstet. Mehr als die vorgesehenen 600 Polizeibeamten werden laut Martins aufgrund der Ereignisse in Barcelona nicht eingesetzt: „Der entscheidende Faktor sind die technischen Sperren, nicht mehr Personal.“

Die Stadt hatte bereits nach den Lkw-Anschlägen von Nizza und Berlin ihr Sicherheitskonzept fürs Oktoberfest modifiziert. Der Anlieferverkehr wird strikt von den ersten Besuchern getrennt. Er darf nur noch bis 9 Uhr statt wie bisher 10 Uhr erfolgen. Die ersten Besucher dürfen ab 9 Uhr und nicht mehr ab 8 Uhr auf die Theresienwiese. Für den Lieferverkehr müssen sich alle Fahrzeuginsassen vorher beim Kreisverwaltungsreferat anmelden und einen Zufahrtskontrollbeleg beantragen. Nicht nur die Fahrer, wie bislang. Beim Zugang zur Theresienwiese müssen die Zulieferer den Ordnungskräften den Zufahrtskontrollbeleg und einen Ausweis zeigen. Die Lkw-Ladungen sollen stichprobenartig kontrolliert werden.

Änderungen beim Lieferverkehr - wegen der Sicherheit

Bürgermeister und Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) sagt, es sei nach den Terroranschlägen von Nizza und Berlin notwendig gewesen, dass die Stadt den veränderten Herausforderungen Rechnung trage. „Die furchtbaren Ereignisse in Barcelona haben das einmal wieder gezeigt.“ Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD) und er hätten daher entschieden, den Lieferverkehr mit Lastwagen nur bis 9 Uhr auf die Wiesn zu lassen. Darüber hinaus werde dieses Anschlagsmuster bereits seit 2009 mit der Errichtung der Poller im Sicherheitskonzept berücksichtigt. Um das Oktoberfest gibt es drei Sperr-Ringe, um so einen größtmöglichen Schutz vor unbefugten Fahrzeugen zu gewährleisten.

Die Stadt hatte im Vorjahr zudem die Umzäunung des Festgeländes, wesentlich mehr Sicherheitskräfte und Zugangskontrollen sowie ein Taschen- und Rucksackverbot beschlossen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte vor einigen Wochen überdies einen Ausbau der Video-Überwachung angekündigt. Laut Schmid finden Gespräche zur aktuellen Sicherheitslage und möglichen Auswirkungen auf das Oktoberfest grundsätzlich in regelmäßigen Abständen statt. Anfang September werde es auch Besprechungen mit Festwirten und Beschickern geben.

Auch Lärmschutz muss beachtet werden

Wirte und Zulieferer der Wiesn zeigen unterdessen Verständnis für die Entzerrung des Lieferverkehrs. Lorenz Stiftl, Sprecher der kleinen Wiesn-Wirte, sagt: „Die neue Sicherheitsmaßnahme ist sinnvoll. Gerade an den Samstagen kommen oft Jugendliche ganz in der Früh auf die Theresienwiese, die schon angetrunken sind.“ Siegfried Able, Wirt des Marstall, meint: „Was der Sicherheit dient, ist sinnvoll. So auch das Entzerren von Anlieferverkehr und ersten Besuchern. Für die Logistiker ist das aber nicht einfach: Sie dürfen aus Lärmschutzgründen ihre Laster oft nicht zu früh beladen, haben noch einen Fahrweg und auf der Theresienwiese dann weniger Zeit. Aber grundsätzlich habe ich Verständnis für die Maßnahme.“ Bernhard Klier, Geschäftsführer Spaten und Löwenbräu, erklärt: „Im Hinblick auf die Geschehnisse in der ganzen Welt ist die Entzerrung des Anlieferverkehrs und der ersten Besucher sicher sinnvoll. Für uns als Anlieferer wird es teilweise nötig sein, dass wir früher beginnen.“ An den Anfangszeiten für die Zulieferer hat sich grundsätzlich nichts geändert. Ab 1.30 Uhr geht’s los.

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