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Hat gut lachen: Wirtesprecher Toni Roiderer verfolgte die Debatte von der Zuschauertribüne aus. Mit der Entscheidung ist er zufrieden. 

Keine Deckelung auf der Wiesn

Bierpreisbremse abgelehnt: So lief die Stadtrats-Debatte

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Der Stadtrat hat die Bierpreisbremse für die Wiesn abgelehnt. Auch der Vorschlag von Bürgermeister Josef Schmid (CSU), einen dauerhaften Zusatztag einzuführen, fand keine Mehrheit, die Umsatzpacht für die Wirte jedoch schon. Für Schmid eine krachende Niederlage – was er selbst aber anders sieht.

München - Die Wiesn, der Bierpreis, die mächtigen Wirte – das alles birgt Stoff für einen zünftigen Komödienstadl. Und so verlief die Debatte in der Vollversammlung am Mittwoch über weite Strecken auch süffisant und satirisch. 

Nur die CSU sah keinen Anlass, aus der Frage um die Refinanzierung der gestiegenen Sicherheitskosten auf dem Oktoberfest eine Humoreske zu konstruieren. Der Vorschlag, den Bierpreis auf drei Jahre hinaus bis 2019 bei 10,70 Euro zu deckeln, werde von einer überwältigenden Mehrheit der Münchner befürwortet, meinte Schmid. Die Umsatzpacht für die Wirte sei vernünftig – gemäß dem Motto: Starke Schultern sollten die Lasten tragen. Und von dem dauerhaften „Münchner Montag“ könnten alle profitieren: Wirte und Besucher. Schmid: „Diese drei Elemente führen zu einer gerechten Lösung.“ Bekanntlich muss die Stadt aufgrund der erhöhten Sicherheitsanforderungen erheblich mehr Geld für die Wiesn ausgeben. Der Aufwand ist von 5,3 auf 10,7 Millionen Euro gestiegen.

Die Stadratsvollversammlung haben wir im Live-Ticker für Sie begleitet. Den finden Sie hier zum Nachlesen. Außerdem: Wirte gegen Preisbremse: Der Eklat ums Oktoberfest-Bier

Viele Wiesn-Wirte verfolgten die Rathaus-Debatte am Mittwoch live. Vorne von links: Wiggerl Hagn (Löwenbräu), Mathias und Eduard Reinbold (Schützenfestzelt), dahinter Sigi Able (Marstall), und Daniela Heide (Bräurosl). 

Die Umsatzpacht für die Wirte kommt

Auf Schmids Vorschlag der Umsatzpacht einigte sich der Stadtrat. Die Bierpreisbremse und der „Münchner Montag“ wurden von SPD, Grünen, Linken, FDP und Bayernpartei jedoch als populistisches und untaugliches Mittel in diesem Gesamtgeflecht gesehen. 

Zudem wurde Schmid von all diesen Parteien vorgeworfen, dass er im Alleingang ein Konzept ausgeheckt habe, ohne vor allem die Wirte als Hauptbetroffene mit einzubeziehen. „Was ist das für ein Stil“?, fragte Helmut Schmid (SPD). Gabriele Neff (FDP) kritisierte, Schmid habe seine Vorschläge zunächst in die Öffentlichkeit hinausposaunt. Dies sei verwerflich, weil: „Mit der Wiesn macht man keine Politik.“ Zum „Münchner Montag sagte Helmut Schmid, Wiesn-Experte der SPD-Fraktion: „Das Oktoberfest sollte nur zu besonderen Anlässen verlängert werden. 16 Tage Ausnahmezustand genügen.“ Die Bierpreisbremse bringe Familien überhaupt nichts. Zum von Bürgermeister Schmid vorgebrachten Argument, der Preis für die Mass Bier sei in den vergangenen Jahren überproportional gestiegen, sagte Helmut Schmid: „1950 musste ein Arbeitnehmer mit seinem Durchschnittslohn 82 Minuten arbeiten, um sich eine Mass leisten zu können. Jetzt sind es 26 Minuten. Das ist eine Statistik, an die ich mehr glaube – weil die habe ich selbst gemacht.“

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl merkte an: „ Wenn die Ablehnung der Bierpreisbremse nur daraus resultiert, dass einige Stadträte verärgert sind, weil sie vorher nicht gefragt wurden, dann müsste ich fast alles ablehnen, was ich hier im Rathaus vorgeschlagen bekomme.“ Wirtschaftsreferent Schmid habe aufgrund der hohen Sicherheitskosten tätig werden müssen – und das gut erledigt: „Die Umsatzpacht ist ein Meilenstein auf dem Oktoberfest“, so Pretzl.

Bürgermeister Josef Schmid (CSU) konnte sich mit seinen Plänen nicht durchsetzen, offenbar sehr zur Freude von OB Dieter Reiter (SPD) im Hintergrund. 

Worum ging es im Detail? Alle wichtigen Abstimmungspunkte haben wir hier noch einmal genau erklärt.

Reiter: „Die Bierpreisbremse hätte niemandem geholfen“

Bürgermeister Schmid sagte nach der Sitzung: „Ich sehe das nicht als Niederlage für mich, sondern für die Mehrheit im Stadtrat. Jetzt steht zu befürchten, dass die Mehrkosten an die Festgäste weitergegeben werden.“ 

OB Dieter Reiter (SPD), der sich während der Debatte nicht äußerte, sagte nachher: „Die Bierpreisbremse hätte niemandem gedient. Es gibt Leute, die gehen nicht auf die Wiesn, weil es ihnen zu teuer ist. Und es gibt diejenigen, die sich die Wiesn sowieso nicht leisten können. Außerdem wären bei einer Bierpreisbremse wohl andere Dinge teurer geworden, was Familien eher betroffen hätte.“

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: Bierpreisdebatte im Stadtrat: Prost und Deckel drauf! Außerdem: Was Wirte-Sprecher Toni Roiderer im Vorfeld der Debatte sagte: „Wir jammern nicht, weil wir gutes Geld verdienen“

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