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Mehr Bio auf den Grill: Die Mehrheit des Stadtrats glaubt, dass der neue Punktekatalog Bio-Produkte fördern wird. 

Auf der Wiesn und Volksfesten

Sieg nach Punkten fürs Bio-Hendl - doch es gibt Kritik

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Neue Bewertungskriterien für die Wiesn-Zulassung sollen ökologische Produkte fördern – Grüne befürchten das Gegenteil.

München - Das Bewertungssystem für die Zulassung zur Wiesn wird angepasst. Der Wirtschaftsausschuss des Stadtrates hat am Dienstag mehrheitlich eine Änderung des Kriteriums „Ökologie“ beschlossen. Demnach erhält jeder Bewerber künftig acht Punkte, wenn er im Hauptsortiment 100 Prozent Produkte anbietet, die mit dem Siegel „Bio-Bayern“ ausgezeichnet wurden, also Waren beinhaltet, die bio und aus Bayern sind. Sechs Punkte gibt es für zertifizierte Bio-Produkte, die auf kurzen Transportwegen angeliefert wurden. Vier Punkte gibt es für Bio-Produkte, unabhängig vom Herstellungsland. Und immerhin noch zwei Punkte für Produkte, die mit dem Siegel „Geprüfte Qualität – Bayern“ versehen sind, also regionale Produkte, die aber auch aus Massentierhaltungen stammen können und mithin nicht bio sind.

Der Entscheidung war ein gemeinsamer Änderungsantrag von SPD und CSU vorangegangen. In der ursprünglichen Vorlage von Wirtschaftsreferent und Bürgermeister Josef Schmid wären die beiden letztgenannten Kategorien jeweils mit zwei Punkten in die Bewertung eingeflossen. Kritiker bemängelten, dass damit Bio-Produkte mit regionalen und eventuell mit Massentierhaltung gleichgesetzt würden.

Zur Erklärung: Die Stadt bewertet jedes Jahr aufs Neue die Bewerber um die sieben freien Wiesn-Zelte und übrigen Betriebe anhand eines Kriterienkataloges. Dieser hat 13 Kategorien, unter anderem geht es um Volksfesterfahrung, Zuverlässigkeit, technische Standards und Tradition. Aber eben auch um Ökologie. Je Kriterium sind bis zu elf Punkte zu vergeben. Bis dato galt das Kriterium Ökologie eher als unpräzise, denn es gab bereits erste Punkte von insgesamt dreien für Bio-Limonade oder Bio-Lebkuchen-Herzen, die möglicherweise gar nicht verkauft, sondern nur angeschafft wurden, um sich im Bewertungsverfahren die Punkte zu sichern. Denn bei den Vergabeverfahren scheint es auf jeden Zähler anzukommen. Die Verwaltung veröffentlicht zwar nie en detail, welcher Betrieb wie bewertet wurde. Doch der Abstand zwischen dem letzten Zugelassenen und der ersten Absage ist wohl marginal, wie Schmid im Ausschuss sagte.

Die Grünen votierten geschlossen gegen den Antrag. Sabine Krieger bezeichnete ihn als Rückschritt im jahrelangen Kampf für mehr Bio auf der Wiesn. Dass es nun auch Punkte gebe, wenn man etwa Hendl aus Massentierhaltung anbiete, ließ Krieger „total entsetzt und fassungslos“ zurück. Das Siegel „Qualität aus Bayern“ garantiere außer der Herkunft nämlich keinerlei Verbesserungen der Haltungsbedingungen. „Dies mit einem Zulassungspunkt zu prämieren, ist Heuchelei.“

Die übrigen Parteien sahen derweil durchaus eine Stärkung des Bio-Charakters und auch des Tierwohls. Mario Schmidbauer (Bayernpartei) sagte, man brauche Massentierhaltung, um ein Fest wie die Wiesn durchführen zu können. „Das heißt doch aber nicht, dass die Betriebe machen können, was sie wollen.“ Ähnlich argumentierte auch CSU-Fraktions-Chef Manuel Pretzl. Da Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren deutlich höher bewertet werde, tue die Stadt sehr wohl etwas für das Tierwohl. Und zudem sei es ungerecht, Bio-Produkte aus Bayern mit denen aus aller Welt gleichzusetzen, da dann ja die Transportwege noch dazukämen.

Simone Burger (SPD) führte ferner aus, dass die Wiesn wohl nicht der richtige Ort sei, um für artgerechte Tierhaltung zu sensibilisieren. Denn mitunter sind die Bio-Produkte gleich mal doppelt so teuer wie die herkömmlichen. Wiesn-Chef Schmid schätzt, dass etwa 15 Prozent des Sortiments auf dem Oktoberfest aus Bio-Produkten bestehen. Wegen des Preisunterschiedes zu den konventionellen Produkten würden sie aber nicht so stark nachgefragt. Mit der nun beschlossenen Punktevergabe schaffe die Stadt einen Anreiz, die übrigen 85 Prozent des Sortiments zumindest aus regionalen Produkten zusammenzustellen. Auch OB Dieter Reiter war zufrieden. „Es ist eine klare Priorisierung der Bio-Anbieter.“

Die Kriterien sollen beim Oktoberfest 2018 erstmals -angewandt werden und gelten zudem für die Auer Dulten, das Stadtgründungsfest und die Christkindlmärkte.

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