„Ein Schlag ins Gesicht des Stadtrats“

Wiesn: Scharfe Kritik nach Preis-Erhöhung für alkoholfreie Getränke

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Die zum Teil drastischen Erhöhungen für alkoholfreie Getränke auf der Wiesn stoßen im Stadtrat auf Unverständnis. Und das bei allen Parteien.

Update vom 6. Juli 2017: Es ist immer eine der wichtigsten Fragen zum Oktoberfest: Wie viel kostet die Mass? Wir haben alle Bierpreise in den Festzelten auf dem Oktoberfest 2017 aufgelistet.

München - Der Kampf um die Deutungshoheit begann unmittelbar nach der Abstimmung im Stadtrat. So mancher Wirt rieb sich freudig die Hände und sprach von einem Debakel für Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU). Schließlich hatte das Gremium soeben dessen Forderungen nach einer Bierpreisbremse mehrheitlich abgelehnt. Wegen der gestiegenen Sicherheitskosten auf der Wiesn will Schmid die Wirte heuer mit einer Umsatzpacht stärker als bislang zur Kasse bitten. Damit die Wirte die Mehrkosten nicht auf die Besucher umlegen, wollte der Bürgermeister den Bierpreis bei 10,70 einfrieren. Der Umsatzpacht stimmte der Stadtrat zu, nicht aber dem Bierpreisedeckel. Schmid derweil empfand das nicht als Scharte: „Das ist keine Niederlage für mich, sondern für die Mehrheit im Stadtrat. Nun steht zu befürchten, dass die Mehrkosten an die Festgäste weitergegeben werden.“ Und so kam es – aber anders als gedacht.

Schmid: „Die Wiesn verliert dadurch immer mehr ihren Volksfestcharakter“

Schon als trotzige Antwort auf Schmids Einlassung ließen die Wirte sodann durchsickern, man werde den Bierpreis nur um durchschnittlich moderate 25 Cent anheben. Die 11-Euro-Marke werde heuer nicht geknackt. Herkömmliche Steigerungen bewegten sich stets um 30 Cent. Tatsächlich sind die Preise für die Mass in diesem Rahmen erhöht worden, im Schnitt stiegen sie wie exklusiv berichtet von 10,54 auf 10,81 Euro. Markanter sind die Erhöhungen beim Tafelwasser (von 8,27 auf 8,73 Euro pro Liter), Limonade (9,55 statt 9,04 Euro) und Spezi (9,64 statt 9,27 Euro). Schmid: „Die Wiesn verliert dadurch immer mehr ihren Volksfestcharakter. Es ist Zeit, den Preisautomatismen in München etwas entgegenzusetzen.“ 

Das Verhängnisvolle an der Preissteigerung: Die Gegner des Bierpreisdeckels hatten stets argumentiert, dass eine Preisbremse für die Mass unweigerlich zur Folge hätte, dass die Wirte sodann die Preise für die alkoholfreien Getränke stärker erhöhen würden als bisher. Und dies gehe zu Lasten der Familien. Dass genau dies nun doch mit einiger Vehemenz eingetreten ist, sorgt sogar bei einstigen Ablehnern des Deckels für Missmut. „Dass die Wirte jetzt so draufschlagen, ist ein Stück weit ein Schlag ins Gesicht für den Stadtrat und alle, die sich gegen den Bierpreisdeckel ausgesprochen haben“, sagt Lydia Dietrich (Grüne). Was aber tun? Alle Preise deckeln? „Das haben wir bisher nicht gewollt.“ Bisher? „Es ist doch klar, dass das Thema vor dem Hintergrund jetzt noch mal diskutiert werden wird.“

Auch OB Reiter äußert leise Kritik 

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl wird weniger konkret: „Die SPD wünscht sich familienfreundliche Preise auf der Wiesn. Gerade alkoholfreie Getränke sollten deshalb auch bezahlbar bleiben.“ OB Dieter Reiter (SPD) ergänzt: „Wer ernsthaft geglaubt und behauptet hat, die alkoholfreien Getränke wären bei einer Festschreibung des Bierpreises im Preis gleich geblieben, muss sich schon jetzt ohne einen solchen Bierpreisdeckel eines besseren belehren lassen. Aber der ein oder andere Wirt muss sich schon fragen lassen, ob es noch im Sinne eine Volksfestes ist, wenn eine Mass Wasser 10 Euro kostet.“

Toni Roiderer, Sprecher der Wirte der großen Zelte auf dem Oktoberfest, sagte auf Anfrage, er könne zu den neuen Wasserpreisen nicht viel sagen. Er habe den Preis für die Mass Wasser selbst doch nur um 20 Cent angehoben. „Da müssen Sie schon die fragen, die die Preise so massiv erhöht haben.“

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