1. Startseite
  2. Lokales
  3. München
  4. Stadt München

Olympia 2018: Alle drei Kandidaten haben Probleme

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

München - Noch ein halbes Jahr, dann steht fest, wo Olympischa 2018 stattfindet: in München, Annecy oder Pyeongchang. Das Rennen hat sich zugespitzt. Denn alle drei Bewerber plagen große Probleme.

Es war kein Jahresausklang, wie man ihn sich gewünscht hat im vierten Stock des Münchner Technologiezentrums, unweit des Westfriedhofs gelegen. Dort, am Sitz der Bewerbungsgesellschaft für die Winterspiele 2018, trafen im Dezember die schlechten Nachrichten gleich im Doppelpack ein: Erst jene, dass laut einer Umfrage nur 60 Prozent der Deutschen für die Winterspiele 2018 in München sind. Wenig später forderte ein Rechtsanwalt gar, die Stadt solle ihre Bewerbung zurückziehen, weil wichtige Grundstücke in Garmisch-Partenkirchen nicht zur Verfügung stünden. Das Presseecho war enorm - zumindest in Deutschland.

Jürgen Bühl schnauft durch. „Wissen Sie“, meint der Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft 2018, „es ist doch fast normal, dass es Probleme gibt.“ In demokratischen Ländern könnten Menschen eben gegen Olympia sein. Der Blick der Gesellschaft sei nach vorne gerichtet. Zunächst auf den 11. Januar. Dann muss das 396 Seiten dicke Bewerbungsbuch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne abgegeben werden.

Auch die zwei Mitbewerber müssen das an diesem Tag tun: das französische Annecy und das südkoreanische Pyeongchang. Mehr als drei Kandidatenstädte gibt es nicht. Es sind so wenig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Die Chancen, Olympische Spiele zu holen, waren demnach schon lange nicht mehr so groß wie 2018.

Leicht ist das Rennen dennoch nicht. Alle drei Bewerber kämpfen mit Problemen. Dem französischen Annecy hatte das IOC schon bei der Ernennung zur Kandidatenstadt mit auf den Weg gegeben, sein Sportstättenkonzept massiv zu überarbeiten. Seitdem hinken die Franzosen der Konkurrenz hinterher. Erst im Dezember warf auch noch Bewerbungsleiter Edgar Grospiron, der Buckelpisten-Olympiasieger von 1992, den Krempel hin. Er hatte gefordert, das Bewerbungsbudget von 18 auf 30 Millionen Euro aufzustocken, war damit aber abgeblitzt. Mit Grospirons Rücktritt habe die Bewerbung Annecys „einen nahezu tödlichen Schlag erlitten“, schrieb die Tageszeitung „Le Parisien“.

Sieht man die Probleme Pyeongchangs, klingt diese Formulierung sarkastisch. Nach einem Artillerieangriff Nordkoreas auf eine südkoreanische Insel, bei dem Menschen ums Leben kamen, ist die Region am Gelben Meer ein Pulverfass. Südkorea bangt um seine Bewerbung. Nach zwei gescheiterten Anläufen ist die Favoritenrolle dahin. Das IOC selbst hielt sich nach den Vorfällen bedeckt: Man verfolge die Ereignisse in der Region, verlautete aus Lausanne. Und weiter: „Langjährige Spannungen in der Gegend haben Südkorea auch nicht davon abgehalten, erfolgreiche Großereignisse wie die Spiele 1988 in Seoul zu veranstalten.“

Beobachter warnen deshalb davor, Pyeongchang frühzeitig abzuschreiben. Denn das IOC geht bei der Vergabe von Spielen nicht immer den einfachsten Weg - und will Geschichte schreiben. So bekam zuletzt im Kampf um die Sommerspiele 2016 mit Rio de Janeiro erstmals eine südamerikanische Stadt den Zuschlag, aber auch die mit den meisten Problemen. Chicago, Madrid und Tokio blieben auf der Strecke.

Den früheren IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch trieb einst sogar der Wunsch um, den Friedensnobelpreis zu erhalten. Die Frage ist: Könnte die Vergabe von Spielen in die koreanische Krisenregion ein Zeichen für Frieden setzen? „München erscheint im Vergleich fast reizlos“, sagt ein Kenner der Szene.

Am 6. Juli 2011 entscheiden die rund 100 IOC-Mitglieder im südafrikanischen Durban, wo die Spiele stattfinden. Inwieweit dann die aktuellen Probleme der drei Bewerber eine Rolle spielen, ist eine andere Frage. Mitunter entscheiden persönliche Vorlieben, zum Beispiel das Ambiente, in dem man die Spiele verbringt. Das wiederum würde wohl für München sprechen.

Bis dahin bleibt der Münchner Bewerbungsgesellschaft nicht viel übrig, als ihre Probleme - insbesondere den Grundstücksstreit in Garmisch-Partenkirchen - in den Griff zu bekommen. Anfang März wird eine Evaluierungskommission des IOC in München, Garmisch-Partenkirchen und am Königssee die Planungen in Augenschein nehmen. Im Juni legt sie einen Bericht vor. Der sei eine „wichtige Grundlage“, meint Geschäftsführer Jürgen Bühl. Er meint das so: Gewinnen kann man dadurch das Rennen um Olympia 2018 nicht, verlieren aber schon.

Matthias Kristlbauer

Auch interessant

Kommentare