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Was nun? Olympia-Geschäftsführer Willy Bogner ist mit seiner Forderung nach mehr Geld wohl abgeblitzt.

Olympia 2018: Willy Bogners Hilferuf verhallt

München - Wie gefährdet ist die Münchner Olympia-Bewerbung? Willy Bogner fordert mehr Geld. Und schon jetzt ist klar: Große Begeisterung der Politik, das Budget zu erhöhen, herrscht nicht.

Am Tag nach dem Medien-Unfall war für Willy Bogner die Welt wieder toll.

"Mehr Geld für Olympia": Bogner droht mit Rücktritt

Nein, die Sache mit den Finanzen der Bewerbung sei nicht so kritisch. „Wir werden das hinkriegen, keine Sorge“, versprühte der Bewerbungschef Zuversicht. Und: „Die Münchner Chancen stehen sehr, sehr gut.“ Schließlich gab es gestern ja auch wieder mal Grund zur Freude: Bogner durfte das Fußball-Freundschaftsspiel einer Winterstar-Mannschaft mit dem FC Bayern ankündigen. Das Match soll Werbung sein für die Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2018.

Mit seiner Aktion vom Montag dürfte Bogner der Bewerbung indes eher einen Bärendienst erwiesen haben. Da hatte der Modemacher einen Brief an die Gesellschafter der Bewerbung verschickt, in dem er - vielleicht absichtlich, vielleicht unglücklich - seine Zukunft als Geschäftsführer der Olympia-Mission mit der Lösung von Finanzproblemen seiner Gesellschaft verknüpft hatte.

Bogner möchte mehr Geld für die Bewerbung. Statt der vorgesehenen 30 Millionen Euro sollen es fast 37 Millionen sein. Vermutlich sind unter anderem höhere Kosten für Bewerbungsfilme und Berateraufträge verantwortlich für die Kostenexplosion. Das Heikle dabei: Bogner stellt die Forderung, obwohl er noch nicht einmal die 30 Millionen von privaten Sponsoren eingetrieben hat. Und dummerweise gelangten Inhalte seines Brief an die Öffentlichkeit. Das Medienecho war fatal. Es hieß, die Bewerbung sei in Gefahr. Drohte ihr gar eine Insolvenz?

Wie ernst die Lage tatsächlich ist, darüber sollen heute die Gesellschafter und der Aufsichtsrat in der Staatskanzlei diskutieren. Allzu große Bereitschaft, Bogners Forderung nach einer Aufstockung des Budgets nachzukommen, gibt es nicht. Erst einmal müsse man überlegen, wie man dem Ziel der 30 Millionen Euro näherkomme, sagte Münchens OB Christian Ude (SPD). „Dann erst können wir über Haushaltsausweitungen reden.“ Dieses Thema sei deshalb „nicht aktuell“.

Bogners Brief ist aber als Hilferuf an die Politik zu verstehen, da er wohl nicht mehr auf weitere Gelder von der Wirtschaft hofft. Rund 22 Millionen hat er beisammen. Es fehlen also mindestens acht. Bogner möchte nun, dass der Steuerzahler einspringt.

Doch auch hier winken die Gesellschafter ab. „Wir wollen an dem Konzept festhalten, dass wir die Bewerbung nicht aus Steuermitteln bestreiten“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Auch Thomas Schmid, der Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen, ließ wissen: „Wir gehen davon aus, dass wir heuer nichts mehr nachschießen.“ Auch beim Bund scheint die Bereitschaft gering. „Der Bund sieht sich nicht in der Verpflichtung, für den Fehlbetrag aufzukommen“, sagte der Bundestagsabgeordnete Stefan Mayer (CSU), der im Aufsichtsrat der Olympia-Gesellschaft sitzt. Ohnehin mussten die Gesellschafter schon mit einem Darlehen aushelfen, weil die Olympia-Werber in Geldnot geraten waren. Nicht zuletzt sind öffentliche Unternehmen wie der Flughafen und die Messe als Geldgeber für Olympia aufgetreten.

Auch die Position der Grünen im Rathaus wird nun zunehmend schwieriger. Die Fraktion hatte bisher als letztes Häuflein ihrer Partei die Bewerbung unterstützt. Mit der Forderung nach Steuergeld geraten auch sie unter Druck. „Wir sehen das ausgesprochen kritisch“, sagte Grünen-Stadträtin Sabine Krieger nun. Die Partei macht nämlich Druck. Wenn es schon Probleme gebe, die 30 Millionen für die Bewerbung aufzutreiben, „dann wird eine halbe Milliarde Euro für die Ausrichtung niemals von privaten Sponsoren bereitgestellt werden“, erklärte Münchens Grünen-Chef Nikolaus Hoenning. Deshalb dürfe man der „Totgeburt Olympiabewerbung nicht weiter gutes Geld schlechtem hinterherwerfen“.

Ob es aber ohne öffentliches Geld weitergeht, ist fraglich. „Die Sponsorensuche ist in dieser Woche nicht leichter geworden“, sagte Ude. Es ist klar, an wen der Vorwurf gerichtet ist: an Willy Bogner.

Matthias Kristlbauer & Andreas Werner

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