Olympia 2018: Wer zahlt drauf?

München - In einem Jahr steht fest, ob München 2018 die Olympischen Winterspiele ausrichtet. Doch die Sorge wächst, dass das Sportfest mit einem Defizit endet - wie die Spiele in Turin 2006.

Horst Seehofer hatte ein Geschenk dabei, als er vor einem Monat nach Garmisch-Partenkirchen reiste. Es war eine gute Botschaft. Die lautete so: Gewiss, die Olympischen Winterspiele 2018 würden mit einem Plus abschließen. Falls nicht, dann gehe die Welt auch nicht unter. Ein Defizit würden der Freistaat, der Bund und die Stadt München tragen. Die kleinen Beteiligten - also Garmisch-Partenkirchen, Oberammergau und Schönau am Königssee - würden nicht belastet, sprach der Ministerpräsident und sorgte für Erleichterung im Werdenfelser Land.

Vier Wochen ist das her, und langsam wird auch manchem Münchner Stadtrat klar, was dies bedeutet. Angesichts der „finanziellen Krise, die die Stadt zu harten Sparmaßnahmen zwingt, muss eine eventuelle finanzielle Haftung für andere Gemeinden sehr kritisch betrachtet werden“, sagt die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Sabine Krieger.

Keine Frage: Es wird in den nächsten Monaten beim Projekt Olympia 2018 verstärkt ums Geld gehen. Und dann ist nicht mehr nur von 30 Millionen Euro die Rede, die die Bewerbung kostet. Dann geht es um mehr: um Investitionen für Sporthallen, den Bahn- und Straßenausbau oder Olympische Dörfer - alles in allem wohl bis zu 2,4 Milliarden Euro teuer. Den Großteil davon wird der Steuerzahler tragen, der für sein Geld aber dauerhaft etwas bekommt.

Es geht aber auch um die operativen Kosten für die Ausrichtung der Spiele, zu denen im Grunde auch temporäre Sportstätten wie die Langlaufanlagen in Oberammergau und die Eischnelllaufhalle in München zählen. Um die 1,5 Milliarden US-Dollar - in dieser Währung rechnet das Internationale Olympische Komitee (IOC) - waren das in Turin 2006. Für Sotschi 2014 steht ein ähnlicher Betrag im Raum. Rund ein Drittel davon schießt in der Regel das IOC durch eigene Sponsoren- und TV-Gelder zu. Den größten Batzen - rund eine Milliarde US-Dollar - müssen die Organisationskomitees einbringen. So ist es auch in München geplant.

Die Frage ist nur, ob man das Geld zusammenbekommt. Und wenn nicht, wer den Rest zahlen muss. Für diesen Fall fordert das IOC in Lausanne eine Garantie, eine Haftungsvereinbarung. Um bei der Münchner Bewerbung auch die kleinen Partner mit ins Boot zu holen, sollen nun die großen das Risiko tragen.

Wie groß dieses Risiko ist, da gehen die Meinungen auseinander.„Die Risiken sind immens“, sagt Dieter Janecek, der Chef der bayerischen Grünen. „Schon wegen der zu erwartenden Kostenexplosionen.“ Ganz anders die Bewerbungsgesellschaft: Eine Haftungsvereinbarung habe noch nie in Anspruch genommen werden müssen, heißt es dort.

Das sei schon richtig, kontert der Salzburger Olympia-Kritiker Willi Rehberg. „Die fehlenden Beträge werden nämlich vorher eingezahlt.“ Bei den Winterspielen 2006 musste die Stadt Turin ein Defizit von 31 Millionen US-Dollar übernehmen. Wie die Bilanz der Spiele in Vancouver 2010 aussieht, soll erst im Oktober bekanntgegeben werden. Kürzlich erst titelte der Olympia-Branchendienst „Around the Rings“ im Internet: „Ausgeglichenes Budget ungewiss.“

Jürgen Bühl, Prokurist der Bewerbungsgesellschaft, sagt, es hätten bei den vergangenen Winterspielen auch einige ein Plus erwirtschaftet. In Salt Lake City seien es 56 Millionen US-Dollar gewesen. München plane ein ausgeglichenes Budget. „Unsere Kalkulation ist gut begründet. Das hält.“

Dabei sind die Münchner ehrgeiziger als andere. Die erforderliche Summe von einer Milliarde US-Dollar für das Veranstaltungsbudget sollen vorwiegend Ticketverkäufe und Sponsorengelder einbringen. Vergangene Woche erst verkündete Bewerbungschef Willy Bogner bei einem Besuch der SPD-Fraktion im Landtag, Olympia könne ohne Kostenbeteiligung des Steuerzahlers finanziert werden. Olympia-Kritiker Rehberg ist skeptisch. „Wenn man sieht, wie schwer sich die Münchner tun, 30 Millionen Euro für die Bewerbung einzusammeln, wie sollen sie dann fast 600 Millionen US-Dollar von Sponsoren zusammenkriegen?“

Die bayerische Idee, die Veranstaltung ohne Steuergelder zu finanzieren, ist in der Tat ehrgeizig. Mitbewerber Pyeongchang in Südkorea etwa hat schon im Voraus 145 Millionen US-Dollar an öffentlichen Zuschüssen eingeplant, die Veranstalter der nächsten Winterspiele 2014 im russischen Sotschi sogar fast 420 Millionen. München setzt indes auf die Wintersportbegeisterung der Deutschen. „Wir haben einen gut entwickelten Sponsoring-Markt, der mehr Einnahmen verspricht“, sagt Bewerbungsmanager Bühl.

In den nächsten Wochen werden die Münchner viel rechnen. Er hoffe, dass das IOC bis Juli mitteile, wieviel Geld es für die Spiele 2018 bereitstellen kann, sagt Bühl. Vorausgesetzt, das IOC nominiert München am Dienstag zur Kandidatenstadt. Am 6. Juli 2011 wird die Entscheidung fallen, ob München, Pyeongchang oder das französische Annecy die Spiele ausrichten.

Vorher berät am 6. Oktober aber der Münchner Stadtrat noch einmal über die Garantieerklärungen für das IOC. Und darüber, ob tatsächlich das Risiko allein der Freistaat, der Bund und die Stadt München tragen sollen. Es gilt aber als sicher, dass es dabei bleibt.

Er sei dankbar, dass sich die anderen solidarisch gezeigt hätten, sagt Thomas Schmid, der Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen. Für ein Defizit in mehrstelliger Millionenhöhe dürfte seine Gemeinde mit einem Haushalt von etwa 55 Millionen Euro nicht einmal anteilig geradestehen. „Eine Bürgschaft“, so Schmid, „würde uns die Rechtsaufsicht nie genehmigen.“

Matthias Kristlbauer

Folgen Sie uns: Die Stadtredaktion gibt es auch bei Facebook und Twitter.

Kommentare