Man kennt sich. Man plauscht: Kati Witt in Lausanne mit Gunilla Lindberg, der Chefin der Evaluierungskommission des IOC. Die wichtigsten Gespräche wurden in den letzten Tagen am Rande der technischen Präsentation geführt. Foto: ap

Olympia-Bewerbung: Die Stunde der Lobbyisten

München - Der Kampf um Olympia ist ein Kampf um Stimmen. Bei der technischen Präsentation der Bewerbungen um die Winterspiele 2018 in Lausanne hatten die Lobbyisten alle Hände voll zu tun, die gut 80 anwesenden IOC-Mitglieder für sich zu gewinnen.

Das Palace Hotel in Lausanne ist ein vornehmes Haus. Eines der besten in dem rund 125 000 Einwohner großen Städtchen am Genfer See. Die Teppiche sind tief, der Stuck an den Decken üppig. Wer hier nächtigt, sollte Geld haben. Das Einzelzimmer kostet mindestens 290 Euro pro Nacht, die Präsidentensuite 1995 Euro. Trotz der stolzen Preise war das Haus die vergangenen beiden Tage rappelvoll. 88 Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hatten sich eingemietet anlässlich der technischen Präsentation für die Bewerbung um die Winterspiele 2018.

Vor allem die Lobby des Hotels ist bei derlei Veranstaltungen ein begehrter Ort. Nach der offiziellen Präsentation am Mittwoch folgten hier gestern zahlreiche informelle Gespräche mit IOC-Mitgliedern. Denn eine gute Bewerbung allein reicht nicht. Man muss auch andere von der Qualität überzeugen. Und dafür ist die Hotellobby des Palace ein guter Ort - so etwas wie der Marktplatz der Olympier.

Rund eine halbe Stunde schon sitzt Thomas Bach, der Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds, mit dem Marokkaner Hicham El Guerrouj zusammen, dem früheren Mittel- und Langstreckenläufer und Goldmedaillengewinner - der heute IOC-Mitglied ist. „Es kommt jetzt darauf an, dass wir die Botschaft verstärken in Einzelgesprächen“, sagt Bach nach dem Plausch. Wenig später sitzt er schon wieder beim Kaffee - mit Alexander Popov, dem ehemaligen russischen Schwimmer. Auch der darf am 6. Juli in Durban darüber abstimmen, ob München den Zuschlag für die Winterspiele 2018 erhält, das südkoreanische Pyeongchang oder Annecy in Frankreich. Beobachtern fällt auf, wie sich der DOSB-Chef reinhängt. Am Nachmittag sitzt Popov dann aber am Tisch der Südkoreaner. Die hübsche Assistentin von Ex-Gouverneur Kim hat den Russen zu ihrem Chef gebeten. Entspannt sieht Popov diesmal nicht aus. Er kauert am Tisch - wie eine Raubkatze auf dem Sprung.

„So viele Kontakte wie hier kriegen sie sonst nie“, meint Münchens Bewerbungschef Bernhard Schwank. Ein anderer Kenner der Szene drückt es etwas deutlicher aus. Es gehe um „mittelbare oder direkte Beeinflussung“ der IOC-Mitglieder.

Während IOC-Vizepräsident Bach in der Lobby mit Kollegen Kaffee schlürft, stellen sich andere Münchner Olympia-Werber um OB Christian Ude und Frontfrau Katarina Witt im Untergeschoss des Hotels noch einmal den Fragen der IOC-Mitglieder. 60 von ihnen seien gekommen, heißt es hinterher. Es gibt ja auch Bier im kleinen Viertelliter-Keferloher. „Die werden gerne mitgenommen“, sagt Schwank. Er meint das gar nicht vorwurfsvoll. Schließlich sollen sich die IOC-Mitglieder am 6. Juli an München erinnern.

Emotionen - das ist es, was das Rennen um Olympia entscheiden wird. Gekämpft wird deshalb an vielen Fronten, nicht nur in der Hotellobby. Es geht sogar darum, zu wichtigen Terminen positive Geschichten in den Zeitungen zu platzieren - etwa die Einigung im Grundstücksstreit von Garmisch-Partenkirchen. Für solche Jobs hat die Bewerbungsgesellschaft Berater im Tross. Einer ist Jon Tibbs, ein Engländer, der auf Kommunikationskampagnen spezialisiert ist. Mit drei Olympiabewerbungen war er schon erfolgreich: Athen 2004, Peking 2008 und Sotschi 2014. Sein schärfster Widersacher ist auch da: Mike Lee, ebenfalls ein Engländer. Der hat als Kommunikationsstratege die Spiele in London 2012, Rio 2016 und die Fußball-WM in Katar 2022 geholt. Jetzt arbeitet er für Pyeongchang. Dicke Freunde sind Tibbs und Lee nicht. „Wenn die beiden gemeinsam in einem Raum sind, ist das immer komisch“, sagt ein Insider.

Im Palace Hotel halten sich die beiden im Hintergrund und überlassen den Offiziellen das Feld. Am Nachmittag hat sich Kati Witt in die Lobby des Palace aufgemacht. Sie sitzt gerade mit Frank Fredericks, dem Ex-Sprinter aus Namibia, zusammen. Es soll nur ein Plausch von vielen bleiben an diesem Tag.

Matthias Kristlbauer

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