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Olympia: München will es noch einmal wagen

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Zwei Herren vor dem zweiten Anlauf? DOSB-Chef Bach (li.) und OB Ude wollen sich nochmals bewerben. © Marcus Schlaf

München - Eine zweite Olympia-Bewerbung Münchens wird immer realistischer. Erstmals sprach sich DOSB-Präsident Thomas Bach klar für einen zweiten Anlauf aus – die Frage sei nur, wann.

Die Kunst der Diplomatie scheint in der Welt des Sports bisweilen genauso wichtig zu sein wie in Nahost-Friedensverhandlungen. Von Sportfunktionären ist man deshalb eher salomonische Allgemeinplätze gewohnt als klare Ansagen. Umso überraschender kam da Thomas Bachs deutliches Bekenntnis zu einer zweiten Münchner Olympiabewerbung, das er am Mittwoch im Alten Rathaus abgab.

„Wir können Olympia in München und Garmisch“, rief der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) kämpferisch in den Saal, und: „Diesen Schatz dürfen wir nicht vergraben!“ Es stelle sich aber die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt – das müsse man „sorgfältig abwägen“. Auch wenn Bach es nicht direkt sagte: Seine Worte klingen nach einer klaren Absage an Gedankenspiele in Berlin oder Hamburg, sich für Sommerspiele zu bewerben.

Auch Christian Ude bekräftigte: Er stehe auch nach der Niederlage beim Rennen um die Spiele 2018 voll hinter einer weiteren Bewerbung von München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau/Königssee: „Die Idee steht im Raum und lässt sich nicht mehr wegwischen“, so der OB. „Wir haben nicht für die Katz gearbeitet, sondern für die Zukunft.“ Doch klar wurde auch: Bis zu einer neuen Bewerbung müssten Bach und Ude noch eine Menge Hürden nehmen.

Ude bat um Geduld – und dämpfte etwas die Erwartungen, dass man schon 2022 bereit für einen zweiten Anlauf sein könne. Er deutete an, dass auch eine Bewerbung für 2026 in Frage komme. Über den Zeitpunkt könne man erst entscheiden, wenn man die internationale Bewerberlage kenne. So glaubt Ude, dass eine Bewerbung für Winterspiele 2022 wenig Sinn macht, wenn sich abzeichnet, dass die Sommerspiele 2020 nach Europa gehen. Mehrere europäische oder europanahe Städte haben sich für 2020 beworben: Madrid, Rom, Istanbul und Baku. Zudem will Ude abwarten, ob es für die Winterspiele 2022 starke Mitbewerber gibt. Unter anderem sind Davos und St. Moritz im Gespräch. Andererseits warnen Kenner der Szene München davor, mit der Bewerbung zu lange zu warten: Das Konzept für Olympia 2018 könnte für 2026 bereits angestaubt wirken.

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Die Mitbewerber sind jedoch nicht das einzige, was die Olympia-Planer im Auge behalten müssen. Es stellt sich die Frage, ob sich erneut Sponsoren finden, die bis zu 80 Prozent der Bewerbungskosten tragen würden. Ude ist optimistisch: Viele Unternehmen hätten sich bereits positiv geäußert, einige noch nicht – aber keines negativ.

Doch selbst wenn die Wirtschaft die Spiele unterstützt – wird die Politik noch einmal mit so breiten Mehrheiten hinter der Bewerbung stehen? Die Münchner Grünen bekräftigten gestern bereits ihr „klares Nein“ zu einer neuen Bewerbung. Ohne Zweifel gebe es Gegner, räumte Ude ein. Deshalb müsse die Bewerbungsfrage diesmal mit Bürgerentscheiden in München und Garmisch geklärt werden.

Im Herbst 2013 müsste eine Bewerbung für 2022 beim IOC angemeldet werden. Vorher müsste es Bach gelingen, die deutschen Sportverbände hinter der Idee zu einen. Eine Entscheidung könnte der DOSB auf seiner Mitgliederversammlung fällen – die nächste findet heuer im Dezember statt.

Johannes Patzig

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