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Prost Olympia: Innenstadt-Gaststätten wie hier beim Spöckmeier servieren Bier auf dem 2018-Deckel.

Bereit für den Olympia-Test

München - München rüstet sich für den Olympia-Endspurt. Wenn in zwei Wochen die Evaluierungskommission des IOC in den Freistaat kommt, will die Stadt zeigen, dass sie heiß ist auf die Winterspiele 2018. Sogar an die Bierdeckel wurde gedacht.

Am 6. Juli entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) im südafrikanischen Durban, wo 2018 die Winterspiele ausgetragen werden. Doch zunächst müssen die drei Bewerber eine große Hürde nehmen: den Besuch der sogenannten Evaluierungskommission, die die Städte noch einmal genau unter die Lupe nimmt. Nach einer Visite im französischen Annecy in der vergangenen Woche trafen die 14 Mitglieder unter Leitung der Schwedin Gunilla Lindberg gestern in Pyeongchang ein. 1300 Bewohner des südkoreanischen Städtchens hatten nach einem Bericht der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap mit Fahnen und Plakaten in der Hand die Straßen gesäumt, um die IOC-Prüfer in ihrem Bus zu begrüßen.

Die besten Olympia-Sprüche

Die besten Olympia-Sprüche

Mit Fähnchen schwingenden Menschen wolle man die Autobahn vom Flughafen in die Stadt nicht säumen, versichert die Münchner Bewerbungsgesellschaft. Allerdings ist man auch hier versucht, sich in bester Olympialaune zu präsentieren. Schon auf der Flughafen-Autobahn müssen die IOC-Leute ein Olympia-Empfangstor passieren – und in der Innenstadt geht es dann weiter mit der Werbung für 2018. Trotzdem: Eine Inszenierung werde es nicht geben, meint Jochen Färber, Sprecher der Bewerbungsgesellschaft. „Wir wollen authentisch bleiben.“

Und was wäre für Bayern authentischer als Bier? Seit kurzem werden Helles und Weißbier in den Lokalen der Innenstadt auf blaue Olympia-Bierdeckel platziert. Mehr als 50 000 Exemplare wurden mittlerweile gedruckt. „Die haben schon fast Kultstatus“, sagt Wolfgang Fischer, Chef der Stadtmarketinggesellschaft „City Partner“, die den Olympia-Zauber zum Besuch der IOC-Inspektoren organisiert. Demnächst würden die Lokale in der Innenstadt sogar „sportliche Gerichte“ anbieten.

Wenn die Mitglieder am 28. Februar in München eintreffen, werden sie es schwer haben, sich der Olympia-Werbung zu entziehen. Nicht nur um ihr Wohn- und Tagungshotel, den Bayerischen Hof, werden Flaggen aufgezogen. Auch andernorts wird versucht, mit Großplakaten oder etwas kleineren Werbeträgern die Stimmung pro Olympia 2018 anzukurbeln. Selbst Schaufenster in Kaufhäusern der Innenstadt wurden schon nach dem Motto 2018 dekoriert. Eine Bäckerei ließ sogar entsprechende Olympia-Tüten drucken.

Freilich werden die IOC-Inspektoren von 1. bis 4. März nicht viel Zeit haben, sich in der Innenstadt herumzutreiben. Ihre Aufgabe ist es, offene Fragen in dem Bewerbungsbuch zu klären. Besuche der Sportstätten im Olympiapark, in Garmisch-Partenkirchen und am Königssee sind fest eingeplant. Und vermutlich wollen die IOC-Leute auch mit den Kritikern der Spiele in Kontakt kommen. Ludwig Hartmann, Grünen-Landtagsabgeordneter und Mitbegründer der Protestbewegung „NOlympia“ sagte, er werde beim IOC um ein Gespräch bitten. Auch die ungeklärten Grundstücksfragen in Garmisch dürften eine Rolle spielen.

Dass während des Besuchs Einschätzungen der Inspektoren bekannt werden, ist fast ausgeschlossen. Direkte Kontakte mit den Medien werden weitgehend vermieden – obwohl sich weltweit rund 100 Journalisten akkreditiert haben. Die Untersuchungsergebnisse aus den drei Bewerberstädten fließen aber ein in einen Report, der am 18. und 19. Mai im IOC-Hauptquartier in Lausanne präsentiert wird. Ursprünglich hätten die Inspektoren noch vor ihrem Besuch in Annecy und Pyeongchang nach München kommen sollen. Wegen der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen aber wurde der Termin nach hinten verlegt. Bei der Präsentation in Durban soll dann wieder die ausgeloste Reihenfolge eingehalten werden – und München sich als erster der drei Bewerber den rund 115 IOC-Mitgliedern präsentieren, die letztlich über die Spiele 2018 entscheiden.

Matthias Kristlbauer

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