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Olympiapark-Chef: "X-Games sind greifbarer als Winterspiele"

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„Wir gewinnen im zweiten Anlauf“: Olympiapark-Chef Ralph Huber glaubt weiter an die Winterspiele. © Oliver Bodmer

München - Olympiapark-Geschäftsführer Ralph Huber hält an der Idee fest, Winterspiele an die Isar zu holen. Und nicht nur das: Auch die besten Actionsportler der Welt sollen sich bald in München tummeln.

Herr Huber, wie geht’s Ihnen heute, wenn Sie an den 6. Juli 2011 denken?

Der 6. Juli? (denkt nach) Was war denn letztes Jahr am 6. Juli? Ach ja, da waren wir weit weg! In Durban. Wir hatten alle Tränen in den Augen, weil wir den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018 nicht bekommen haben.

Weil auch viele Hoffnungen für den Olympiapark zerplatzt sind?

Ich würde so sagen: Wir treten einfach nochmal an und gewinnen im zweiten Anlauf.

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Im Jahr 2022?

Das Jahr würde ich jetzt mal offenlassen. Wenn sich’s ergibt, kann es 2022 sein. Es wäre aber auch 2026 denkbar. Wir sollten die Spiele nur nicht aus den Augen verlieren. Schließlich ist es schwer, gleich beim ersten Mal zu siegen.

Haben Sie deshalb eine Initiative gestartet, um die Stadt weiter als Austragungsort zu positionieren?

Ja. Gerade aufgrund unserer guten Bewerbung sollten wir das weiter betreiben und die Glut am Lodern halten.

Und wer beteiligt sich an der Initiative?

Da können Sie mich löchern,wie Sie wollen – das halten wir noch geheim. So viel kann ich aber sagen: Es sind Wirtschaftsunternehmen mit dabei, ideelle Träger und Sportler – im Grunde viele aus der letzten Bewerbungsphase. Uns geht es darum, dem DOSB und dem IOC zu zeigen, dass München Interesse hat an einer weiteren Bewerbung. Das schlimmste Signal dem IOC gegenüber wäre, wenn sich München überhaupt nicht mehr rührt. Wir wollen deshalb auch bei Olympia 2012 in London – also 40 Jahre nach den Spielen in München – Präsenz zeigen.

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Derzeit läuft die Bewerbung am Alternativprogramm, den X-Games, also den Spielen für Action-sport. Muss unbedingt eine Großveranstaltung her?

Bis 2005 hatten wir Fußball im Olympiapark. Die beiden Profimannschaften des FC Bayern und 1860 schafften es, den Olympiapark weltweit im Fokus zu halten. Unsere Bedenken sind, dass die nächste Generation, die den Olympiapark nur ohne Fußball erlebt hat, keinen Bezug mehr dazu hat. Wir haben pro Jahr 12 bis 13 Millionen Besucher im Park. Das darf nicht zurückgehen. Nicht zuletzt messen wir uns ja international mit anderen großen Veranstaltungszentren – Barcelona oder London.

Barcelona ist jetzt ja auch Konkurrent um die X-Games 2013 bis 2015 . . .

Ja, und Lissabon. Zwischen den drei Städten entscheidet sich der europäische Standort. Im April fällt die Entscheidung. Schon nächste Woche wird die Evaluierungskommission in München sein, das ist eine Delegation mit acht Personen. Das ähnelt also der Bewerbung um die Olympischen Spiele. Eine Entscheidung fällt aber deutlich schneller.

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Und wie muss man sich die X-Games vorstellen?

Im Olympiastadion wird es einen großen Eventbereich mit Skateboard und BMX geben. In der Olympiahalle soll Motocross stattfinden. Der Coubertinplatz und der Olympiasee sind ebenfalls mit in der Planung. Insgesamt kommt man auf 15 oder 16 Disziplinen.

Wie ist denn der Stellenwert der X-Games im Vergleich zu Olympia?

(lacht) Die X-Games sind zumindest greifbarer als Winterspiele. Was infrastrukturelle Investitionen im Park angeht, bietet aber Olympia deutlich mehr. Für die X-Games werden ja keine festen Bauten geplant. Auch die Budgets sind nicht vergleichbar. Aber sehen Sie die Fernsehzuschauerquoten der X-Games in Los Angeles an: Die haben weltweit über 300 Millionen! Sie sprechen natürlich hauptsächlich eine junge Zielgruppe an, Jugendliche von 15 bis 29.

Ist so eine Veranstaltung finanziell lukrativ?

Das sage ich Ihnen nach der Veranstaltung. Im Moment ist es unser Ziel, plus/minus null abzuschließen – unter dem Aspekt, dass wir Imagewerbung für den Olympiapark und die Stadt München betreiben.

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Wie steht es um die Pläne, eine neue Mehrzweckhalle im Park zu bauen?

Wir sind da zuversichtlich. München braucht eine Halle für Spitzensport – speziell für die Eishockeyspieler des EHC und die Basketballer des FC Bayern. Noch im Frühjahr werden wir das Thema im Aufsichtsrat und in den Rathaus-Fraktionen beraten. Wenn alles klappt, könnte der Bau bis Ende 2016 stehen.

Und wo soll die neue Halle entstehen? Und wie groß soll sie sein?

Unser Vorschlag wird sein, dass man den Standort der heutigen Event-Arena nimmt. Man hat da die direkte Anbindung an die Parkplätze und man entzerrt Verkehrsströme. Bei der Größe denken wir an 7500 Plätze. Das sollte für Basketball und Eishockey passen.

In den Planungen für Olympia 2018 sollte so eine Mehrzweckhalle rund 80 Millionen Euro kosten . . .

Das ist richtig. Wir sind aber natürlich darauf bedacht, Kosten zu minimieren.

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2011 wurde die neue kleine Olympiahalle eröffnet. Wie hat sich die bisher bewährt?

Aufgrund ihrer Architektur wird sie sehr gut angenommen von Firmenkunden. Wo wir uns noch etwas mehr Zuspruch erwarten würden, ist der Konzertbereich. Da muss man sich noch mit den Veranstaltern abstimmen.

Sie hatten angekündigt, 2011 eine ausgeglichene Bilanz vorzulegen, nachdem für den Erhalt der Gebäude jetzt ja die Stadtwerke zuständig sind. Schaffen Sie das Ziel?

Ich kann es noch nicht beantworten. Wir arbeiten noch mit Hochdruck an den letzten Buchungen. Aber ich bin nach wie vor sehr, sehr zuversichtlich. Wir hatten das bisher ja noch nie geschafft.

Und wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr – mit dem 40-jährigen Parkjubiläum?

Ganz entscheidend sind dafür ja die Open-Air-Konzerte. In den geraden Jahren finden traditionell weniger statt, weil in diesen Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaften sind und große Künstler nicht auf Tournee gehen. 2012 haben wir mit „Coldplay“ nur ein Open-Air-Konzert. Von daher wird es wahrscheinlich schwieriger werden, eine schwarze Null zu schaffen. Man darf den Park aber nicht nur als großen Kostenfaktor sehen. Er bringt ja auch was. Er schafft laut einer Studie 3000 Arbeitsplätze und generiert für die Stadt München und Zulieferer einen Umsatz von 300 Millionen Euro pro Jahr.

Was haben Sie anlässlich der 40-Jahr-Feier im August vor?

Wir werden bei einem Tag der offenen Tür alle Bereiche des Olympiaparks bespielen. Die Zuschauer sollen die Möglichkeit bekommen, mal hinter die Kulissen zu blicken, auch in die Werkstätten und Künstlergarderoben.

Herr Huber, spielen Sie zum Abschluss doch noch einmal Visionär. Wo steht der Park in 40 Jahren?

Wir sind richtig stolz darauf, dass der Olympiapark auch 40 Jahre nach den Spielen von 1972 so wahnsinnig angenommen und genutzt wird – von Einheimischen und Touristen. Mein Ziel ist es, diese Nachhaltigkeit in die nächsten 20, 30 oder vielleicht sogar 40 Jahre zu transportieren.

Interview: Matthias Kristlbauer

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