1. Startseite
  2. Lokales
  3. München
  4. Stadt München

Olympiasee: Kampf gegen die Algenbrühe

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

München - In jedem Sommer trübt ein enormer Algenbefall die Idylle am Olympiasee. Das Gewässer ist für die grünen Pflanzen besonders anfällig. Der Olympiapark setzt dagegen mähende Boote ein - und zieht einmal im Jahr den Stöpsel.

Enten, die im Schlamm spielen. Umgeben von Algen, die in einer braunen Brühe schwimmen. Der Olympiasee könnte im Sommer so ein idyllischer Ort sein, doch in den vergangenen Wochen war der Ausblick eher getrübt: Der See ist dreckig. Liegt es an den konstant hohen Temperaturen der letzten Wochen? „Das hat mit dem Wetter nichts zu tun“, sagt Olympiapark-Sprecher Tobias Kohler. „Die Algenbildung ist ein ganz normaler Prozess. Das läuft jedes Jahr so ab.“

Der auf einer Fläche von 86 000 Quadratmetern angelegte Olympiasee ist für Algen eine Traum-Heimat. Zwei Gründe fördern laut Kohler den Algenwuchs. Da ist einmal der Zustrom aus dem Nymphenburg-Biedersteiner Kanal, aus dem sich der See speist. „Das Wasser aus dem Kanal ist besonders nährstoffreich“, sagt Kohler. Dazu kommt ein zweiter Faktor: Der See ist sehr flach. Nirgends ist er tiefer als 1,30 Meter. „Die Sonne dringt anders als bei tiefen Gewässern bis auf den Grund durch“, erklärt Kohler. „Das sind optimale Bedingungen für Algenwuchs.“

Das Problem ist kein neues für den Olympiapark. Deshalb setzt er einmal im Jahr sogenannte Mähboote ein, mit denen die Algen aus dem Wasser entfernt werden - so auch am gestrigen Montag. Das Mähfahrzeug pflügt durch das Wasser und hebt die Algen mit einer Art riesiger Schaufel aus dem Wasser. „Am Freitag findet das alljährliche Drachenbootrennen auf dem Olympiasee statt“, sagt Kohler. Da habe es sich angeboten, vorher zu mähen.

Fünf Jahre ist es im Herbst her, dass die Stadt einen Großputz von historischem Ausmaß am Olympiasee durchführte. Zum ersten Mal seit 1986 wurde damals der Stöpsel gezogen und das Wasser des Sees komplett abgelassen - rund 125 Millionen Liter flossen. Der Schlamm im See hatte ein Ausmaß angenommen, das sein ökologisches Gleichgewicht massiv störte. Zudem hatte sich im Lauf von Jahrzehnten Unrat aller Art im Gewässer angesammelt: Kies, tonnenweise Kot von Enten und Fischen, Bierdosen von den Besuchern, sogar Fahrräder und eine alte Matratze. Zehn Tonnen Fische wurden abgefischt und in anderen Seen wieder ausgesetzt. Im Zuge der Trockenlegung wurde der See für rund 600 000 Euro gereinigt und generalsaniert.

Seit 2011 wird der Olympiasee sogar einmal jährlich komplett entleert. Seitdem findet Anfang Januar der Weltcup im Parallelslalom am Olympiaberg statt. 25 000 Zuschauer stehen dann im trockengelegten See. Auch diese Gelegenheit nutzt der Olympiapark für „Zwischenreinigungen“, bevor der See wieder aufgefüllt wird. Das Wasser stammt neben dem Nyphenburg-Biedersteiner-Kanal auch aus einer besonderen Konstruktion: Das Regenwasser, das sich auf den Dächern von Olympiastadion und -halle sammelt, wird in den See geleitet.

Mehrere hundert Fische werden vor der Entleerung temporär umgesiedelt - und später wieder zurück in den vollen See. Laut Kohler befinden sich deutlich weniger Fische im See als vor dem Großputz 2009. Es sei aber nicht so, dass die Algenbildung daher zugenommen sei: „Mehr Fische bedeuten nicht automatisch weniger Algen."

Angelo Rychel

Auch interessant

Kommentare