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Wie die Panther-Bande München unsicher machte

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München - Sie waren gesetzlos, skrupellos und erfolglos: In den Nachkriegsjahren sorgte die Panther-Bande für Angst und Schrecken. Sie raubte und mordete - doch ein großer Coup gelang ihr nie.

Acht junge Männer werden am 23. Mai 1953 zum letzten Verhandlungstag im Landgericht München I vorgeführt. Es sind die noch lebenden Mitglieder der Pantherbande. Alles durchaus fleißige und intelligente Burschen - aber eben auch im hohen Maße kriminell: Drei Morde, zwei versuchte Morde, mehrere schwere Raubüberfälle und räuberische Erpressungen gehen auf ihr Konto. Die Panther gelten ihrerzeit als die „gefährlichste Verbrecherbande der Nachkriegszeit“. Ihr Anführer, der Münchner Maurergeselle Hugo Werner, ist gerade einmal 21 Jahre alt, als ihn der Richter am Ende dieses Tages lebenslänglich ins Gefängnis schickt.

Zehn Jahre zuvor: Die Luftangriffe der alliierten Streitkräfte auf die deutschen Städte werden immer intensiver und überall werden die Kinder in Lagern auf dem Land untergebracht. In einem dieser Lager findet sich auch der 11-jährige Hugo Werner wieder. Er gilt als Musterschüler, liest viel. Im Alter von 13 Jahren gründet er zusammen mit vier anderen Buben den „Pantherbund“ und übt mit Indianerbüchern das Anschleichen, Spurenlesen und Überrumpeln. Doch aus wildromantischem Spiel wird bald schon tödlicher Ernst.

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Eine der Waffen der Panther-Bande. © Klaus Haag

Zurück in München, beginnen die Fünf zu stehlen. In den Nachkriegswirren organisieren sie Lebensmittel und verhökern sie auf dem Schwarzmarkt. Doch Werner strebt nach mehr. Der Kleinkriminelle sucht Kontakt zu größeren, älteren Kriminellen. Einer davon ist Albrecht Sticht, 24. Zusammen mit ihm machen sich die Panther am 23. November 1946 erstmals zu einem bewaffneten Raubzug auf. Ihr Ziel: eine Großtankstelle an der Brienner Straße. Hier wollen sie Benzinmarken und Werkzeuge erbeuten, doch der Plan misslingt völlig. Ein Kumpan wird von einem Nachtwächter gefasst. Werner gelingt zwar die Flucht, ihm wird aber im Gewirr ausgerechnet von Albrecht Sticht in die Brust geschossen. Die Panther schleppen ihren 15-jährigen Anführer in eine Kriegsruine am Habsburger Platz. Werner hält Sticht für eine Gefahr und glaubt nicht an ein Versehen. Unter großen Schmerzen flüstert er einem Getreuen zu, dass der Verräter getötet werden müsse. Der Auftrag wird sofort ausgeführt. Anschließend verstecken die Panther die Leiche unter Schutt. Gerade als sie damit fertig sind, steht plötzlich die amerikanische Militärpolizei vor dem Haus. Die Bande wird gefasst - die Leiche in der Ruine bleibt jedoch unentdeckt. Wegen Eigentumsdelikten wandert die Bande schließlich geschlossen für zwei Jahre ins Jugendgefängnis. Werners Schusswunde verheilt ohne bleibende Schäden.

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Übungsflug endete im Inferno

1949 kommen die Panther wieder frei und geben sich neue Statuten. Artikel 1: „Erreichung eines sicheren, alle Mitglieder zufriedenstellenden Lebensstandards, unter Zuhilfenahme aller gesetzlichen und ungesetzlichen Mittel.“ Doch Hugo Werner stellt ein weitergreifendes Konzept auf: Jedes Bandenmitglied hat ein festes Arbeitsverhältnis einzugehen - er selbst ist Maurer. Die Beute wird unter allen gleich aufgeteilt, egal wieviel der Einzelne zum jeweiligen Coup beigetragen hat. Und: Nur ein Teil der Beute wird verteilt, der größere Teil wird in einer „Bundeskasse“ gespart. Die Radikalität, die Werner sich und seinen Panthern auf die Fahnen schreibt, kommt in Artikel 3 der Statuten zum Ausdruck: Auf Verrat steht der Tod. Und der lässt nicht lange auf sich warten.

Nur wenige Monate nach der Freilassung aus dem Jugendgefängnis kommt der 17 Jahre alte Alois Lechhart zu Werner. Er bittet ihn um 30 Mark, weil er sich für die Fremdenlegion melden will, aber kein Fahrgeld habe. Werner gibt ihm das Geld aus der Bundeskasse. Als der Panther-Chef Lechhart jedoch einige Monate später zufällig am Gärtnerplatz wiedertrifft, schöpft er Verdacht. Die Bande entscheidet mehrheitlich, den Abtrünnigen zu ermorden. Am 13. August 1949 locken sie Lechhart in die Isarauen. Werner selbst richtet ihn dort mit einem Gewehr hin.

Fiasko beim lange geplanten Überfall auf einen Geldboten

Die Wochen und Monate vergehen. Doch den Banditen will nicht viel gelingen. Zum völligen Fiasko gerät ein aufwändig geplanter Raubüberfall auf einen Geldboten des Hauptzollamtes am 20. Februar 1951. Werner feuert dem Mann eine Kugel in den Rücken, als dieser sich wehrt. Die erbeutete Aktentasche ist aber leer.

Weitere acht Monate später misslingt der nächste große Coup - es wird das Ende der Pantherbande sein. Werner läuft Erich Reutner, einem ehemaligen Mithäftling aus dem Jugendgefängnis, über den Weg. Völlig skrupellos schlägt der Neu-Panther vor, dessen eigenen Onkel zu überfallen - den Gärtnermeister Augustin in Harlaching. Dieser soll mindestens 10 000 Mark im Haus haben, ist sich Erich Reutner sicher. Völlig dreist fährt der 20-Jährige selbst mit Werner und einem dritten Panther am 14. Oktober 1951 zum Haus des Onkels. Alle drei sind bewaffnet als sie bei der Familie klingeln. Der 70-jährige öffnet kurz die Tür, stemmt sich aber sogleich von innen dagegen, als er die Gefahr erkennt. Als sein Sohn Oskar dem Senior zu Hilfe eilt und sie die Tür beinahe wieder ins Schloss drücken können, fällt ein Schuss. Die Kugel trifft Augustin im Kopf. Der Gärtnermeister ist sofort tot. Die Panther flüchten.

So brutal und skrupellos die Bande ihre Ziele auch verfolgt, so wenig erfolgreich bleibt sie. Fünf Tage nach dem Mord an seinem Onkel begeht Erich Reutner auf der Flucht einen Selbstmordversuch. Auf der Herrentoilette eines Augsburger Kinos feuert es sich aus einer Pistole drei Kugeln in den Leib. Doch er stirbt nicht. Im Krankenhaus retten Ärzte ihm das Leben. Anschließend packt er aus. Zehn Tage später ist auch der letzte der noch acht Panther verhaftet.

Im April 1972 wird Hugo Werner - er ist nun 41 Jahre alt - von Ministerpräsident Alfons Goppel begnadigt. Werner hat inzwischen in der Haftanstalt Straubing eine Buchdruckerlehre absolviert sowie im Telekolleg die Fachhochschulreife nachgeholt. Es heißt, er habe die Prüfung mit 1,1 als Jahrgangsbester in Bayern bestanden.

Sven Rieber

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