Für Viele ein Ärgernis: Der Mittlere Ring führt mitten durch den Englischen Garten. foto: marcus schlaf

Park-Tunnel: Politik ist skeptisch

München - Der Vorschlag, den Mittleren Ring im Englischen Garten durch einen Tunnel zu führen, findet in der Stadtpolitik viel Zuspruch – und stößt zugleich auf große Skepsis.

Ein Münchner Architekten-Ehepaar sorgt für Furore. Der Vorschlag von Petra Lejeune und Hermann Grub zur Verschönerung des Englischen Gartens ist seit gestern in aller Munde. Ihre Vision: Sie wollen eine klaffende Wunde heilen. Der vierspurige Mittlere Ring, der den Park heute brutal zerschneidet, soll auf einer Strecke von 300 Metern im Tunnel verschwinden. An der Oberfläche könnte dann wieder Grün wachsen – und die Teile des Parks würden neu vereint.

Eine sehr schöne Idee, findet OB Christian Ude. Ganz neu sei sie aber nicht. „Darauf sind schon viele gekommen – unter anderem meine Frau vor vier Jahrzehnten.“ Ude hat Verständnis für das Anliegen: „Es tut einem in der Seele weh, wenn man sieht, wie diese breite Schneise durch den Park geht.“ Dennoch räumt er dem Projekt angesichts der Ebbe im Stadtsäckel wenig Chancen ein. „Es scheint das Motto des Jahres zu sein: Wenn am wenigsten Geld da ist, kommen die teuersten Vorschläge.“

50 Millionen Euro soll der Park-Tunnel laut Grub und Lejeune kosten – Ude fürchtet eher, dass es mehr werden würde. Und da liegt das Problem, findet auch Josef Schmid, Chef der Rathaus-CSU. „Das ist eine tolle und eine sehr große Idee – zu groß für den Moment.“ Zu glauben, man könne einen solchen Tunnel derzeit finanzieren, sei unseriös. Die CSU habe stattdessen den Vorschlag gemacht, den Bau sogenannter Landschaftsbrücken über die Straße im Park zu prüfen. Dabei handelt es sich um breite begrünte Brücken, auf denen sich Tiere und Pflanzen einen Weg über die Asphalt-Barriere bahnen können.

Die Grünen sympathisieren freilich ebenfalls mit dem Park-Tunnel – doch selbst sie haben wenig Hoffnung. „Die Finanztöpfe sind ziemlich leer – auch bei Freistaat und Bund“, fürchtet Fraktionschef Siegfried Benker. Der FDP ginge ein Tunnelbau obendrein zu langsam, betont Michael Mattar, Chef der Liberalen im Rathaus. Schließlich gebe es an der Kreuzung von Ring und Ifflandstraße im Park ein Stauproblem, das dringend gelöst werden müsse. Die Stadt führt gerade eine Machbarkeitsstudie durch, um herauszufinden, wie das Problem zu bewältigen ist. Mattar: „Wenn wir jetzt einen Tunnel planen, würde die Lösung um Jahre verschleppt.“

Mattar findet zudem, dass andere Straßenprojekte Vorrang hätten. In der Tat gibt es bei der Stadt schon lange Überlegungen, den Lärmschutz an der Landshuter Allee und am McGraw-Graben zu verbessern – womöglich sogar mit Tunnels. Und freilich hat die Stadt eben erst mit dem Bau der Röhre am Luise-Kiesselbach-Platz begonnen.

Was aber sagt Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU), der obendrein oberster Chef des Englischen Gartens ist? „Ein sehr reizvoller Gedanke“ sei die Wiedervereinigung der Teile des Parks, lässt Fahrenschon mitteilen. Jedoch müsse die Stadt ein solches Projekt planen.

Grub und Lejeune lassen sich von all dem nicht entmutigen. Im Gegenteil: Sie freuen sich, dass ihre Idee grundsätzlich so gut ankommt. Es gebe ja auch andere Möglichkeiten der Finanzierung, so Grub. Er will sich etwa an große Stiftungen wenden und an Konzerne wie Siemens und BMW. „Das passt doch gut: ,Freude am Fahren‘ – warum nicht im Tunnel?“

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