A Riesngaudi: Ein Pilot steuert das Bierbike über den Asphalt. Die Passagiere müssen derweil in die Pedale treten. westermann

Aus für die Party auf Pedalen

München - Zapfanlage, CD-Player und Sitzplätze samt Pedale direkt am Tresen - das „Bierbike“ ist eine rollende Freischankfläche. Doch jetzt ist Schluss mit lustig: Das Kreisverwaltungsreferat hat das Spaßgefährt verboten. Allerdings wollen die Betreiber dagegen klagen.

Seit Juni 2009 sind die sogenannten Bierbikes auf Münchens Straßen mit einer Geschwindigkeit von etwa sechs Kilometern pro Stunde unterwegs. Junggesellen nehmen darauf trinkend und strampelnd Abschied von der Freiheit, Firmen feiern Feste auf dem Gaudi-Gefährt, das bis zu 16 Personen Platz bietet und im Winter als Glühwein-Bike unterwegs ist.

Jetzt wurden die Bierbikes aus dem Verkehr gezogen: Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat den zwei Münchner Bierbike-Betreibern „Pedalhelden“ und „Discover Munich“ den Betrieb ihrer Spaßgefährte untersagt: „Der TÜV Süd hat die Bierbikes geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bikes nur fünf von 17 Vorschriften der Straßenverkehrszulassungsordnung erfüllen“, erklärt Norbert Bieling vom Kreisverwaltungsreferat. Die Behörde geht davon aus, dass das Bierbike kein Fahrrad ist - und damit nicht automatisch für den Straßenverkehr zugelassen.

Ein ganz entscheidender Mangel sei, dass der Fahrzeugführer - ein Pilot, der den strampelnden Partytrupp durch den Verkehr lenkt - nicht die volle Gewalt über das Fahrzeug habe: Zwar könne er lenken und bremsen, aber im Gegensatz zu den Teilnehmern nicht treten. Das sei sicherheitsrelevant: „Wenn die Teilnehmer einer solchen Tour mitten auf einer Kreuzung oder einem Bahnübergang streiken, ist der Fahrzeugführer ja nicht in der Lage, das Bierbike von der Kreuzung zu bekommen“, erklärt Bieling. Dass auch der Motor eines Autos mitten auf der Kreuzung streiken kann, ist für das KVR kein Argument: „Das ist nicht vergleichbar“, sagt Bieling.

Außerdem sei nicht auszuschließen, dass das Bierbike die für alle Fahrzeuge geltende Maximalbreite von 2,55 Metern überschreite: „Das Bierbike ist zwar schmaler, aber wenn einer draufsitzt und den Arm ausstreckt oder unter Alkoholeinfluss schwankt, kann er von einem vorbeifahrenden Auto erfasst werden.“

Dominic Staat, Geschäftsführer der Pedalhelden will nun gegen das vom KVR erlassene Verbot klagen: „Wir haben in über 500 Touren bewiesen, dass die Bierbikes sicher sind“, sagt Staat. Ihn ärgert nicht nur, dass seine zwei Bierbikes im Wert von jeweils 30 000 Euro nun erst mal in der Garage bleiben müssen: „Ich werfe dem KVR eine Salamitaktik vor. Wir haben auf Wunsch der Behörde mehrere Gutachten erstellen lassen, die das Bike als sicher eingestuft haben. Wir haben Nachbesserungen vorgenommen, die die Gutachter gefordert haben. Aber jedes Mal hat das KVR ein neues Gutachten verlangt“, klagt Staat, der die Gutachten bezahlen muss.

Tatsächlich hatte Staat dem KVR bereits im Januar ein Gutachten des TÜV Rheinland vorgelegt, demzufolge das Gefährt verkehrssicher ist. Auch das von der Behörde im Anschluss geforderte Gutachten eines Fahrradsachverständigen hat das Bierbike als sicher bewertet. Dem KVR reichte das aber nicht, weshalb die Behörde die Pedalhelden zum TÜV Süd schickte: „Der TÜV Rheinland hat sich viele der für uns relevanten Fragestellungen gar nicht angeschaut“, erklärt Bieling. Beispielsweise habe er nicht untersucht, ob der Fahrzeugführer immer die volle Gewalt über das Bike habe.

Auch die Münchner Polizei meint, dass erhebliche Zweifel an der Verkehrssicherheit des Gefährts bestehen. Unfälle seien damit zwar noch nicht passiert, aber Beschwerden über Ruhestörungen habe es gegeben.

Bettina Stuhlweissenburg

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