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400 junge Leute feierten eine illegale Party in einer U-Bahn.

Partyvolk kapert U-Bahn

München - Sie verabredeten sich über das Internet und per SMS: 400 junge Leute feierten eine illegale Party in einer U-Bahn. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an und beendete die Feier an der Giselastraße. Die Initiatoren kommen wohl aus der linken Szene.

Die ersten Notrufe von Fahrgästen gehen am Freitag um 22.30 Uhr bei der Polizei ein. In der U-Bahn werde randaliert, aus einem Zug der Linie U6 steige Rauch auf. Die Polizei beordert alle in der Innenstadt verfügbaren Streifenwagen zum U-Bahnhof Giselastraße. Als die Beamten eintreffen, steht an jedem Bahnsteig ein Zug, 300 bis 400 junge Leute drängen sich am Bahnsteig und in den Zügen. Sie trinken Bier, rauchen – und feiern offensichtlich eine Party.

„Die Stimmung war laut und ausgesprochen aggressiv“, berichtet Polizeisprecher Peter Reichl. Schnell stellen die Beamten fest, dass es sich beim vermeintlichen Rauch nur um Staub aus Feuerlöschern handelt. Einige Feiernde hatten den Inhalt der Löscher – ein sehr feines Pulver – im Zug und am Bahnsteig versprüht. Vom Besuch der Polizei sind die Teilnehmer der Party wenig begeistert. Einige Jugendliche beschimpfen die Beamten, versuchen sie abzudrängen. Besonders negativ fällt ein 16-Jähriger auf. Die Polizisten nehmen ihn in Gewahrsam, auf der Wache machen sie einen Alkoholtest mit dem Jugendlichen, er hat knapp 1,9 Promille im Blut. Vier weitere junge Männer nehmen die Polizisten fest, weil sie versuchen den 16-Jährigen zu befreien, Beamte angreifen oder Widerstand leisten.

Inzwischen hat die Polizei rund 120 Beamte am U-Bahnhof zusammengezogen. Über die Bahnsteig-Lautsprecher fordern Polizisten die Partygäste zum Gehen auf. Die steigen in die U 6 und fahren begleitet von Polizisten Richtung Klinikum Großhadern. Gegen 23.30 Uhr ist der Spuk an der Giselastraße vorbei. Die meisten Partygäste steigen am Goetheplatz wieder aus. In der Nähe soll im bekannten linken Szene-Treff „Kafe Marat“ die sogenannte „After-Underground-Party“ stattfinden.

So steht es im Aufruf zur Party, den die Polizei später im Internet entdeckt. Unter anderem auf der Seite www. mucbook.de wurde die Ankündigung der illegalen Feier veröffentlicht. Initiator soll eine Gruppe namens „Partyguerilla“ sein. In Anlehnung an sogenannte Flashmobs, bei denen sich Menschen über das Internet zu scheinbar unsinnigen Aktionen in der Öffentlichkeit verabreden, nannten die Veranstalter ihre Party laut Polizei „Trashpop“.

Der Hinweis auf die Anschlussveranstaltung im linken Szene-Treff deutet darauf hin, dass in diesem Milieu die Initiatoren der U-Bahn-Party zu suchen sind. Am selben Abend führt die Polizei auch im „Kafe Marat“ eine Kontrolle durch. Es gebe aber keinen Zusammenhang zwischen der Feier und der Razzia, heißt es.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hatte schon früh beobachtet, dass sich in den U-Bahnhöfen etwas zusammenbraut. Auf ihren Überwachungsbildschirmen bemerkte die U-Bahnbetriebszentrale, dass sich an der Münchner Freiheit eine kleinere Gruppe versammelte. Die Mitarbeiter verfolgten die Gruppe mit Hilfe der die Bahnhofskameras und sahen so, dass sie am Goetheplatz wieder ausstieg. Weil sie dort den Sicherheitsstreifen blockierte, informierte die MVG die Polizei. Die Teilnehmer stiegen dann in einen Zug der Linie U6 und begannen ihre Party, bei der sie Lampen im Waggon herausdrehten und den Inhalt der Feuerlöscher versprühten. Das sahen die MVG-Mitarbeiter wiederum auf den Monitoren. Der Zug wurde an der Giselastraße gestoppt. Der Sachschaden fällt mit rund 1000 Euro eher gering aus. Während des Polizeieinsatzes konnten die U3 und U6 die Giselastraße nicht anfahren und wendeten an der Münchner Freiheit und an der Universität.

Die Polizei ermittelt nun, wer die Initiatoren der Untergrundparty sind. „Möglicherweise ist da strafrechtlich nichts zu machen“, sagte Polizeisprecher Reichl, stellte aber klar: „Da hört der Spaß auf, wenn man im öffentlichen Nahverkehr Chaos anrichtet.“

Philipp Vetter

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