„Pasing ist nicht Prenzlauer Berg“: Projektleiter Lars Jähnichen will das Zentrum den Bedürfnissen der Kunden anpassen.

Pasing Arcaden: Ein Einkaufs-Tempel für den Münchner Westen

München - München bekommt ein neues Einkaufs-Paradies: Am kommenden Dienstag eröffnen die „Pasing Arcaden“ - ein gigantischer Komplex mit 90 Läden und Boutiquen. Das neue Zentrum dürfte bald Menschen aus dem gesamten Münchner Westen anziehen.

Noch staubt, hämmert und dröhnt es in den Pasing Arcaden: 1500 Bauarbeiter und Handwerker schuften unter Hochdruck. Doch etwas hat sich geändert auf der Großbaustelle in den letzen Wochen. Zwischen Elektriker, Maler und Installateure mischen sich immer öfter Frauen mit Stöckelschuhen und Handtäschchen. Sie dekorieren bereits die Modeläden. In einigen Geschäften hängen bisher nur die Kabel von der Decke - in anderen aber schon die Pullover an der Stange. Alle 90 Läden werden am Dienstag eröffnen. Dann erhält München neben dem Olympia-Einkaufszentrum, PEP Neuperlach und den Riem Arcaden sein viertes großes Shopping-Center.

270 Meter lang ist das Gebäude am Pasinger Bahnhofsplatz, dessen Fassade aus markanten Metallrauten besteht. Teilweise sollen diese sogar nachts weiß beleuchtet werden. „Die prägnante Form wird man sicher bald in ganz München mit den Pasing Arcaden verbinden“, sagt Lars Jähnichen, der als Gesamtprojektleiter für das Einkaufszentrum verantwortlich zeichnet. Er arbeitet für den Investor mfi, der auch schon Bauherr der Riem Arcaden war. 190 Millionen Euro hat der erste Bauabschnitt in Pasing gekostet, der jetzt eröffnet wird. Ein glückliches Ende für ein Projekt mit vielen Hindernissen: Ein ganzes Jahr, von 2008 bis 2009, waren die Bagger wegen eines Rechtsstreits mit einem Nachbarn stillgestanden.

Für die 90 Geschäfte wurde ein „Mieter-Mix“ angestrebt, der zum Standort passt. „Pasing ist nicht Prenzlauer Berg“, sagt der Projektleiter. „Wir haben uns angeschaut, welche Leute leben hier, welche Bedürfnisse gibt es, was wird in der Pasinger Innenstadt schon angeboten, und was braucht man darüber hinaus?“ Ziemlich viele Klamotten und Schuhe, so scheint es beim Blick auf die Liste der Händler. Aber auch einen Lebensmittel-Discounter wird es geben - und viele Cafés und Imbiss-Läden.

„Wir wollen uns nach außen öffnen“, sagt Lars Jähnichen. Viele Eingänge gibt es, und Durchgänge von den Geschäften ins Freie. Und: Ein Großteil der Gastronomie ist im Erdgeschoss angesiedelt, hin zu der Fußgängerpromenade, die einmal vom Pumpenhaus an der Würm bis „Am Knie“ reichen und das Pasinger Ortsbild prägen soll. Dort werden die Gastronomen künftig im Sommer ihre Stühle aufstellen - so wie vor dem Café im alten Bürkleinbahnhof, das künftig den Raum zwischen Bahnhof und Pasing Arcaden bestimmen wird (wir berichteten). „Der Platz wird signifikant belebt“, sagt der Projektleiter, „wir wollen Verweilqualität schaffen und Pasing etwas Urbanes geben.“

In Richtung der angrenzenden Gleise ist das Gebäude, das vom Münchner Architekten-Büro Allmann Sattler Wappner entworfen wurde, leicht geschwungen. „So wirkt es nicht so mächtig“, sagt Lars Jähnichen. Auch die Ladenstraßen selbst sind nicht gerade, sie schlängeln sich durch den Bau. Die Mieter entwerfen ihre Fassaden selbst. „Es soll ein bisschen wie auf der Straße wirken“, erklärt Jähnichen, „da sieht auch jedes Haus anders aus als das nächste.“ Unter den Arcaden ist eine zweigeschossige Tiefgarage entstanden, in der 660 Autos Platz haben sollen.

Von der S-Bahn aus wirkt das Gebäude deutlich höher als vom Pasinger Bahnhofsplatz aus gesehen. Das ist keine optische Täuschung: Die Vorderkante ist nur etwa zehn Meter hoch, auf der Rückseite ragt die Fassade mehr als 20 Meter in den Pasinger Himmel. Und das ist nicht die einzige Besonderheit des Dachs: Hoch oben auf dem Einkaufscenter entstehen 45 Mietwohnungen mit drei bis fünf Zimmern. Sie wurden wie Häuser auf das Dach gesetzt, große Terrassen wirken wie eigene Höfe. Sie sollen begrünt werden. „Hier können sich die neuen Mieter auch hinlegen und ein Buch lesen“, sagt Lars Jähnichen. Die Wohnungen sollen Anfang Juni bezugsfertig sein. Im zweiten Stock hat jedes Appartement eine eigene Loggia. 14 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete kostet das Leben auf den Pasing Arcaden.

Idyllische Ruhe wird rund um den Pasinger Bahnhof allerdings noch nicht so bald einkehren. Der Terminalgebäude harrt der Vollendung, und schon im Mai, wenn an die Wohnungen letzte Hand angelegt wird, rollen die Bagger abermals an. Dann beginnt nebenan der zweite Teil des Projekts Pasing Arcaden. Für die Pasinger bedeutet das: noch einmal zwei Jahre Großbaustelle.

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