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Der Standort an der Ohlmüllerstraße: Hier soll ein Neubau für die Brauereiverwaltung entstehen.

Paulaner verlässt den Nockherberg

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München - Jetzt ist es amtlich: Die Paulaner-Brauerei wird nach 377 Jahren von der Au nach Langwied umziehen. Am alten Standort wird ein 85 000 Quadratmeter großes Areal frei – Platz für tausende Wohnungen.

Überlegungen gab es, seit Löwenbräu vor mehreren Jahren seine Neubau-Pläne im Autobahndreieck im Münchner Westen aufgegeben hat. Grundlegende Voruntersuchungen hatten gezeigt, dass das Gelände geeignet und für eine Brauerei genehmigungsfähig ist. Darauf kann Paulaner nun aufbauen: 300 Millionen Euro will die Brauerei in einen Neubau investieren, der viele Probleme auf einen Schlag lösen soll: Paulaner arbeitet an der Kapazitätsgrenze, und die alten Anlagen verbrauchen 20 Prozent mehr Strom und Wasser, als es dem neuesten Stand der Technik entspricht. Argumente, die letztlich schwerer wogen als die Verbundenheit mit dem Standort. Paulaner ist die einzige der Münchner Traditionsbrauereien, die noch nie umgezogen ist: Seit 377 Jahren wird drunten in der Au gebraut, auf dem Nockherberg ist immerhin schon aus dem Jahr 1861 der erste Salvatorausschank schriftlich überliefert. An diesem traditionsreichen Standort produziert Paulaner derzeit jährlich 2,8 Millionen Hektoliter.

Der Neubau, so sagten die Geschäftsführer Andreas Steinfatt und Roland Tobias sowie Erster Braumeister Christian Dahncke gestern bei einer Telefon-Pressekonferenz, sei auf 3,5 Millionen Hektoliter konzipiert und bei Bedarf erweiterbar. Gerade noch auf Münchner Stadtgebiet gelegen, garantiert der neue Standort, dass Paulaner auch künftig als „Münchner Bier“ auf der Wiesn ausgeschenkt werden darf.

Am Brauwasser wird sich nichts ändern: „Wir bohren in Langwied neue Brunnen, die die gleiche Terziärschicht anzapfen wie unsere bisherigen Brunnen“, hieß es.

Einziger Wermutstropfen: In der neuen Brauerei werden etwa 90 Menschen weniger arbeiten als in der alten. Rund zehn Prozent des Personals werden eingespart, bestätigte Steinfatt. Ob dies allein durch Fluktuation zu schaffen sei, oder ob es Entlassungen gebe, stehe noch nicht fest. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten forderte gestern eine Beschäftigungssicherung.

In fünf Jahren, so der ehrgeizige Zeitplan, sollen Planung, Genehmigungsverfahren und Bau vollendet sein. Erst wenn die Produktion am neuen Standort reibungslos läuft, wird der Abriss der alten Anlagen beginnen.

Bis dahin soll feststehen, was dort neu entstehen soll. Die Brauerei wird die Flächen an der Regerstraße, Welfenstraße und Ohlmüllerstraße an die Bayerische Hausbau verkaufen, die dort ein neues Stadtquartier entwickeln will. München stehe damit vor „einem der bedeutsamsten städtebaulichen Veränderungsprozesse“ in jüngerer Zeit, sagte OB Christian Ude (SPD) auf Anfrage. Es handle sich um ein traditionsreiches, innenstadtnahes Areal, das durch seine Lage am Isarhang auch geografische Reize biete. „Das muss mit größter Sensibilität und Sorgfalt entwickelt werden“, sagte Ude.

Möglichst bald, so hofft die Bayerische Hausbau, werde der Stadtrat einen sogenannten Grundsatz- und Eckdatenbeschluss fassen. Auf dessen Basis soll dann noch 2012 zusammen mit der Stadt ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt werden. Schließe sich daran zügig das Bebauungsplanverfahren an, könne es bereits 2015 Baurecht geben, die Abbrucharbeiten könnten 2017/18 beginnen.

„Eine Mischung aus Eigentums- und Mietwohnungen für Familien und Singles mit unterschiedlichem Einkommen, ergänzt durch kleinteiliges Gewerbe und großzügige Grünflächen“ schwebt den Investoren vor. 30 Prozent der Wohnungen sollen öffentlich gefördert werden.

Fest steht, dass die Paulanergaststätte am Nockherberg samt Biergarten bleiben wird, während das Hochhaus an der Hochstraße wohl abgerissen wird. Auf dem Areal im Eck zwischen Ohlmüller- und Falkenstraße wird ein Neubau für die Brauereiverwaltung entstehen, die nicht nach Langwied zieht.

Peter T. Schmidt

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