Peter Maffay: Nach oben zum Ich

München - Kurz vor seinem 60. Geburtstag präsentiert Peter Maffay seine Autobiographie „Auf dem Weg zu mir“. Eine Selbstfindung und eine Abrechnung mit sich selbst. Am Montag las er daraus für Abonnenten des Münchner Merkur und der tz.

„Die Nr.1 ist wie eine schöne Frau. Alle begehren sie. Wenn man sie endlich hat, merkt man, dass man immer wieder um sie kämpfen, sie neu erobern muss.“ Mit der Nr.1 kennt Peter Maffay sich aus. 1970 hatte er seine erste: „Du“, eine Ballade. Er wirkt sehr entspannt, als er am Montag auf dem Podium steht und aus seinem Leben vorliest. Locker aufgestellte Haare, das weiße Leinenhemd trägt er mit zwei Knöpfen offen. Darunter lugen Tattoos hervor, aus wilderen Zeiten. Auf der Nase sitzt eine dicke schwarze Brille – der Mann wird nächsten Sonntag 60 Jahre alt. Vielleicht ist Maffay im Pressehaus des Münchner Merkur, vor 240 Lesern des Münchner Merkur und der tz, deshalb so entspannt, weil er niemandem mehr etwas beweisen muss. 40 Millionen verkaufte Tonträger seit 40 Jahren, 12 Alben auf Platz 1 der Charts sprechen für sich selbst.

Musiker und Wohltäter: Peter Maffay wird 60

Musiker und Wohltäter: Peter Maffay seit 40 Jahren auf der Bühne

Dass er es so weit bringen würde, hatte er 1963 nicht geahnt, als er mit seiner Familie aus Siebenbürgen in Rumänien nach Deutschland flüchtete. Erste Station: München, „der Ort, wo alles losging, Stammesgebiet sozusagen“.

Angefangen mit einer Jugendband in Waldkraiburg, wurde Maffay 1969 in München als Newcomer entdeckt. Sein Manager Michael Kunze bescherte ihm über Nacht den ersten Hit mit der Schnulze „Du“, die vor „Simon and Garfunkel“ und den „Doors“ auf Platz 1 landete. „Eine fantastische Zeit“, sagt Maffay, „überall Hippies, es knisterte in der Luft.“ Doch vom Dasein als Schlagersänger hatte Maffay Mitte der 70er genug. „Am liebsten wäre ich wilder Rocker“, offenbarte der 22-Jährige der „Bravo“ und trennte sich von Kuscheltexter Kunze. Das nächste Album zeigt ihn in Lederkluft vor einem schwarzen Motorrad.

„Auf dem Weg zu mir“ hat Maffay nun seine Autobiographie genannt und sie mit Edmund Hartsch von dem Journalisten schreiben lassen, der auch die „Böhsen Onkelz“ literarisch begleitete. Hartsch, „nicht unbedingt ein Fan von Maffays Musik“, hat wenig ausgespart. Auch nicht den Tiefpunkt seiner Karriere – den Maffay am Montag freilich auslässt – als er 1982 im Vorprogramm der Rolling Stones von der Bühne gepfiffen und mit Eiern beworfen wurde. Maffay machte weiter, mit seinem Musikmärchen „Tabaluga“, engagierte sich für den Frieden und für Kinder in Not. Ans Aufhören denkt er nicht. „Im Herbst 2010 gehen wir wieder auf die Bühne und hören, ob ihr die Texte draufhabt.“ Überhaupt sage die Zahl 60 wenig aus. „Die kann viel sein, aber in unserem Beruf verschwindet so etwas.“

Die Karten für den Abend hatte der Münchner Merkur unter seinen Lesern verlost. „Er scheint sehr bodenständig zu sein, nicht so abgehoben. Ich bewundere, dass er sich sozial engagiert“, sagt Merkur-Leserin Ulrike Horschke aus München. Auch Uta Gelner aus München war sehr angetan: „Er zwischen Lesen und freiem Erzählen abgewechselt, das hat sehr aufgelockert.“ Christian Edenhofer aus Holzkirchen hat Peter Maffay sogar schon einmal getroffen. „Ich war 1996 bei ,Lass Dich Überraschen‘ im ZDF dabei. Da durfte ich Maffay in Saarbrücken hinter der Bühne beim Soundcheck treffen. Seine Musik hör ich schon, seit ich denken kann.“ Am Montag gab’s ein Wiedersehen.

Christoph Behrens

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