Kreuzfahrten sind beliebt, die zahlreichen Piraten bereiten den Veranstaltern jedoch Probleme. Das Schiff des Münchner Ehepaars konnte drei vorgesehene Ziele nicht ansteuern. dpa

Piraten stören Kreuzfahrt: Touristen erhalten Entschädigung

München - Piraten haben eine Kreuzfahrt durchkreuzt, so dass der Veranstalter seine Reiseroute geändert hat. Das Münchner Amtsgericht hat Entschieden, dass ein Ehepaar dafür ein Viertel des Reisepreises zurückbekommt.

Drei der acht Häfen, die in der Reisebeschreibung zu ihrer Traumkreuzfahrt im März 2009 angegeben waren, bekam ein Münchner Ehepaar nie zu Gesicht. Die Route war nach Antritt der Reise geändert worden – wegen möglicher Piratenattacken im Golf von Aden. Das wollte das Paar nicht auf sich sitzen lassen und klagte. Der Richter des Münchner Amtsgerichts gab ihnen teilweise recht. Die Münchner bekamen 25 Prozent des Reisepreises erstattet.

Für zusammen 5271 Euro hatte das Paar für Anfang März 2009 eine dreiwöchige Kreuzfahrt gebucht. Von Durban in Südafrika aus sollte es über Sansibar, Mombasa, Port Victoria, Safaga, Soukhna und durch den Suezkanal nach Messina, Neapel und Genua gehen. Eine „Entdeckungsreise zu drei Kontinenten“, hatte es geheißen, und, dass man auf „die alten Ägypter“ treffe.

Nachdem die Reisenden in Durban eingetroffen und bereits eingeschifft waren, wurde ihnen jedoch eröffnet, dass wegen möglicher Piratenattacken im Bereich der somalischen Küste im Golf von Aden die Route verändert würde. Es entfielen die Anlaufstationen Sansibar mit dem sechsstündigen Aufenthalt, Safaga und Soukhna mit jeweils geplanten elfstündigen Aufenthalten. Hinzu kam dafür ein zusätzlicher fünfstündiger Aufenthalt im Hafen von Sharm El Sheik in Ägypten.

Nach seiner Rückkehr forderte das Ehepaar 50 Prozent des Reisepreises vom Veranstalter zurück. Der aber weigerte sich, zu zahlen. Die Änderung der Route sei nicht wesentlich gewesen und zudem aufgrund der Gefahrenlage notwendig. Nach den Geschäftsbedingungen seien Routenänderungen zulässig.

Das sah der Richter des Amtsgerichts anders. Ein Kreuzfahrtveranstalter dürfe die Route einer Seereise nur dann ändern, wenn der Grund für die Änderung erst nach Vertragsabschluss eintrete. Das aber sei hier nicht der Fall gewesen, denn schon, als der Reiseveranstalter dem Paar die Buchung im Februar bestätigte, sei die Gefahr durch Piratenangriffe in der Region bekannt gewesen. Wenn ein Reiseunternehmen eine Reise trotz bestehendem Sicherheitsrisiko verkaufe, müsse es dafür sorgen, dass die Häfen trotzdem angefahren werden, in diesem Fall etwa durch bewaffnete Patrouillenboote. Tue es das nicht, müsse es hinnehmen, dass Reisende ihr Geld teilweise zurückfordern.

Angemessen sei hier eine Minderung um 25 Prozent, so der Richter. Zwar seien wesentliche Teile der Reise nicht betroffen gewesen, das Treffen mit den alten Ägyptern sei aber von 22 auf nur fünf Stunden zusammengeschnurrt, und der Stopp in Tansania (Sansibar) komplett weggefallen. Auch, wenn die meisten Reisetage der Kreuzfahrt auf See stattfänden, seien gerade die Häfen die Höhepunkte einer solchen Reise. Das Urteil ist rechtskräftig (AZ 281 C 31292/09).

C. Wörmann

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