1. Startseite
  2. Lokales
  3. München
  4. Stadt München

Stadtspitze bekennt sich klar zur Moschee

Erstellt:

Kommentare

null

München - Die neue schwarz-rote Stadtspitze bekennt sich klar zum Moschee-Projekt. CSU-Bürgermeister Josef Schmid sagt, die Münchner Muslime seien „ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft“. Geld in die Hand nehmen will die Stadt aber auf keinen Fall.

Als um 21.10 Uhr der Gebetsruf von Imam Idriz durch den festlich gedeckten Sitzungssaal des Alten Rathauses schallt, zücken die jungen Muslime ihre Smartphones. Es ist ein besonderer, ein stolzer Moment, und sie wollen ihn filmen. Münchens Muslime beim Fastenbrechen mitten im Herzen der Stadt - das hat eine große Symbolik. Vor einem Jahr noch hatte der Initiator des Moschee-Projekts, Imam Benjamin Idriz, Freunde und politische Unterstützer in ein Haidhauser Hotel eingeladen. Heuer traf man sich zum Fastenbrechen Iftar nicht nur im Alten Rathaus. Es sprach mit CSU-Mann Josef Schmid auch ein Bürgermeister. Er sei überzeugt, sagt Benjamin Idriz, dass auch ein Iftar in der bayerischen Staatskanzlei „nicht so weit entfernt ist, wie manche glauben“.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der amerikanische Generalkonsul, hohe Vertreter der Kirchen: Sie alle sind der Einladung von Idriz gefolgt. Er hat viel Sympathie gewinnen können für sein Projekt einer repräsentativen Moschee, in der auf Deutsch ein Islam gepredigt werden soll, der ausdrücklich mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Vor dem Alten Rathaus demonstrieren an dem Montagabend eine handvoll islamfeindliche Gegner des Projekts. Drinnen kann sich Idriz der Unterstützung sicher sein. Seit einigen Wochen ist die Unterstützung der Stadt nicht mehr nur symbolischer Natur. Wie berichtet, hat sie Idriz‘ „Münchner Forum für Islam“ (MFI) in den letzten Tagen von Christian Udes Amtszeit Flächen im geplanten Kreativquartier am Leonrodplatz angeboten.

In den rot-grünen Jahren hatte Idriz viele Sympathisanten im Rathaus. Sollte jemand geglaubt haben, dass die Unterstützung unter einem CSU-Bürgermeister Josef Schmid bröckeln würde, er wird an diesem Abend eines Besseren belehrt. Schmid bekennt sich so eindeutig wie nie zum konkreten Projekt und den Muslimen in München überhaupt. „Die 100 000 Muslime gehören ganz elementar zu München“, sagt er. „Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft.“ Schmid betont, es handele sich um die drittgrößte Religionsgemeinschaft, „Menschen aus der Mitte der Stadtgesellschaft“. „Das Münchner Forum für Islam“, gibt er sich überzeugt, „wird die Integration und das gegenseitige Verständnis fördern“. Es handele sich um ein „Leuchtturmprojekt weit über die Stadtgrenzen hinaus“. Schmid bekennt sich zu dem Standort im entstehenden Kreativquartier. Der sei „sichtbar, modern, zukunftsträchtig“. Seit Jahren habe er sich für die Moschee eingesetzt - „gegen manche Widerstände, auch in der eigenen Partei“.

In der CSU und bei manchem Stammwähler dürften seine Worte tatsächlich nicht so gut ankommen. Bei Schmids Nachfolger als CSU-Fraktionschef, Hans Podiuk, ist auf Anfrage zumindest eine gewisse Skepsis herauszuhören. Er ist sicher, dass die CSU-Fraktion im Stadtrat für das Projekt stimmen wird. Er sagt aber auch: „Dass das Geld ohne Bedingungen fließt, da habe ich Zweifel.“ Idriz hat stets betont, man brauche einen Geldgeber - die Rede ist vor allem von Katar. Dieser werde aber keinerlei Einfluss nahmen. Den Standort im Kreativquartier findet Podiuk deutlich besser als einen in alten Münchner Stadtteilen. „Im Kreativquartier wird es den Leuten nicht übergestülpt“, sagt er. „Jeder, der dort hinzieht, weiß das.“

Beim Empfang im Alten Rathaus am Mittwochabend geht es aber vor allem um die Symbolik, um die Gemeinsamkeiten der Religionen und aller Münchner - und auch um die Kleinspenden. Von denen will Idriz in nächster Zeit viele sammeln. Auf einem Flugblatt wirbt er in deutscher und türkischer Sprache um Spenden. Für 2500 Euro kann man symbolisch einen Quadratmeter kaufen. „Ich weiß“, sagt Idriz, „dass es Menschen gibt, die lieber spenden würden, damit es keine Moschee gibt“. Er sei sich aber sicher, „dass es sehr viel mehr Münchnerinnen und Münchner gibt, die stolz sein werden, mitgemacht zu haben, als dieses Forum für Islam Wirklichkeit wurde“. Als Spender will Imam Idriz ausdrücklich nicht nur Muslime ansprechen, sondern „alle, denen das friedliche Zusammenleben am Herzen liegt“.

Entscheidend werden die Kleinspender am Ende nicht sein - sondern die Frage, ob ein Großspender zu finden ist. Von insgesamt 40 Millionen Euro Projektkosten ist seit Jahren die Rede - und die Zeit drängt. „Bis zur Sommerpause“, hat Kommunalreferent Axel Markwardt vor einigen Wochen gesagt, müsste eine Finanzierungszusage vorliegen. Allerspätestens Ende des Jahres, heißt es aus dem Rathaus, müssten die Karten auf dem Tisch liegen. Ewig wird man die Flächen nicht reservieren. Und von der Stadt könne es „keinen Zuschuss, kein Garnichts“ geben, betont CSU-Mann Podiuk. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erklärte gestern: „Die Finanzierung liegt ganz in der Verantwortlichkeit der Islamischen Gemeinde.“ Ihm sei aber „wichtig, dass wir gemeinsam ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit setzen und allen Menschen ermöglichen, ihre Religion auszuüben“.

Felix Müller

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion