Stammstrecke wird eventuell trotzdem gesperrt

Peinliche Panne: Der Arnulfsteg wird nicht gebaut

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München - S-Bahn-Pendler haben es seit einiger Zeit mitbekommen: Wegen Bauarbeiten am Arnulfsteg gab es einen Ersatzfahrplan. Nun kommt heraus: Das Projekt ist wegen einer Panne geplatzt.

Zwischen dem Westend und Neuhausen liegt eine breite Barriere: die Bahn-Trasse. Wer hinüber will, muss über die vielbefahrene Donnersberger- oder die enge Hackerbrücke. Wer radelt oder zu Fuß geht, nimmt Umwege bis zu 800 Meter in Kauf. Schon vor einem Dutzend Jahren, als der Arnulfpark gebaut wurde, war eine neue Querverbindung angedacht, auch um das neue Viertel besser an die S-Bahn anzubinden. 2015 schließlich beschloss der Stadtrat, östlich der Donnersbergerbrücke für 18 Millionen Euro eine gläserne Brücke für Fußgänger und Radler zu bauen: den 242 Meter langen „Arnulfsteg“. In diesem Frühjahr sollte Baubeginn und Ende 2017 alles fertig sein. Es wäre eine der aufwändigsten Baustellen der Münchner Geschichte geworden.

Doch aus dem Steg wird wohl erstmal nichts, wie das Baureferat gestern mitteilte. Der Grund: Mit dem Bau beauftragt ist eine Arbeitsgemeinschaft (Arge) aus zwei Unternehmen des Ingenieurs- und Stahlbrückenbaus. Die Arge informierte die Stadt Ende März, dass es „Fertigungsprobleme im Stahlbau“ gebe. Laut der Arge ging aus den städtischen Ausschreibungsunterlagen nicht hervor, dass die Brückenteile eine spezielle – tordierte – Form haben müssten. Nun könne die Firma die Teile nicht herstellen – und die Arge den Zeitplan nicht einhalten. Und das hat massive Folgen.

Damit die Brückenarbeiten stattfinden können, muss der Zugverkehr eingeschränkt werden. Das Baureferat hatte die Bahn bereits 2013 beauftragt, die Bauphase zu planen. Heraus kam ein hochkomplexes Konzept, wann welche Gleise gesperrt und welche Umleitungen eingerichtet werden. Bereits seit Anfang April ist der Verkehr auf der Stammstrecke beeinträchtigt: Wegen „bauvorbereitender Maßnahmen“ wie Boden-Erkundungen fahren S-Bahnen tageweise zwischen 20.45 und 4.45 Uhr eingeschränkt.

Bahnverkehr bleibt wohl trotzdem bis in den Sommer hinein eingeschränkt

Laut Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp wird der Bahnverkehr womöglich bis in den Sommer hinein eingeschränkt bleiben müssen – obwohl noch niemand sagen kann, ob in dieser Zeit überhaupt gearbeitet wird. Denn der Baustellen-Fahrplan, der auch den Fernverkehr einbezieht, lasse sich nicht einfach wieder ändern, weil er auch längst in die elektronischen Fahrpläne eingespeist sei. Zudem hat die Bahn Termine für eigene Bauarbeiten eingeflochten. Auch die Bahn sei „not amused“ über die neueste Entwicklung, so Honerkamp. Schließlich sei lange an den Verbindungen, an Personal- und Fahrzeugeinsätzen gefeilt worden.

Wie geht es mit dem Steg weiter? Das Baureferat hat vor, der Arge zu kündigen, darüber soll am Dienstag im Bauausschuss beraten werden. Einem Gutachter zufolge sei die Ausschreibung klar formuliert gewesen. Daher will die Stadt nichts von den Millionenkosten, die der Arge bereits entstanden sind, übernehmen. Die Arge habe die Werkplanung nicht fristgerecht vorgelegt. Bei „anhaltendem Verzug“ solle ihr der Auftrag entzogen werden.

Und dann kann es dauern. Womöglich müsste der Auftrag neu ausgeschrieben werden. Und für ein neues Sperrpausen-Konzept könne erfahrungsgemäß ein „Vorlauf von bis zu drei Jahren erforderlich werden“, so das Referat. Zudem müssen Investoren und Bezirksregierung bei Laune gehalten werden, die Zuschüsse von insgesamt zehn Millionen Euro zugesagt hatten.

„Ich bin total entsetzt“, sagt Sibylle Stöhr (Grüne), Vorsitzende des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe. Erst am Dienstagabend habe es bei der Bürgerversammlung viel Applaus für den Steg gegeben, niemand habe von den Schwierigkeiten gewusst. „Das ist ein Skandal.“ Die Verzögerung werfe „die ganze Verkehrspolitik ins Mittelalter zurück“.

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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