Kampagne von Polizei und Stadt  

Aktion "Gscheid radln": So läuft die Polizeikontrolle der Radler

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München - Einige Radler lachen, als sie am Mittwoch kurz nach 10 Uhr die beiden Polizisten in gelber Warnweste an der Ludwigsbrücke/Ecke Steinsdorfstraße stehen sehen.

„Die Kontrolle der Radfahrer bringt doch eh nix“, sagen manche. „Habt’s ihr denn nix Besseres zu tun“, fragen andere. Ein Großteil der Radler findet die Aktion der Polizei allerdings gut. Zum fünften Mal kontrollieren wie berichtet Polizei und Stadt bei ihrer gemeinsamen Kampagne „Gscheid radln – aufeinander achten“ vor allem Radler, aber auch Autofahrer und Fußgänger.

„Ich finde es positiv, dass die Polizei verstärkt präsent ist“, sagt Norman Jerratsch. Der 34-jährige Koch wurde angehalten, weil er keine Reflektoren am Fahrrad hat. Zudem musste er sein Licht vorzeigen. Bei seinem Drahtesel ist die Beleuchtung nicht fest installiert. Er hatte die Lichter allerdings in der Tasche dabei. Beleuchtung ist Pflicht, auch tagsüber müssen Radler sie dabei haben. Nur bei Rennrädern gilt eine Ausnahme. „Gut, dann dürfen Sie weiterfahren“, sagt Ludwig Lindinger (24) von der Bereitschaftspolizei. Zusammen mit seinem Kollegen Matthias Witte (20) hält er die Radler an. „Aber besorgen Sie sich Reflektoren.“

Norman Jerratsch beobachtet häufig, dass ihm Radler auf der falschen Seite entgegen kommen. Auch die zugeparkten Rad- und Fußwege ärgern ihn. „Das ist oft auch gefährlich“, sagt der Münchner. Er hofft, dass einige, die in der zweiwöchigen Aktion von der Polizei kontrolliert werden, aus ihren Fehlern lernen.

Autos und Lkw, die auf Radlwegen stehen, sind auch der Polizei ein Dorn im Auge. Deshalb wollen die Beamten auf diese Falschparker heuer besonderes Augenmerk legen. 20 Euro müssen Autofahrer berappen, die auf dem Radlweg parken, 30 Euro, wenn Radler dadurch behindert werden. Fahren Autofahrer auf dem Radweg, müssen sie 15 Euro zahlen.

An der Ludwigsbrücke werden am Mittwoch auch Autofahrer kontrolliert, die beim Abbiegen in die Steinsdorfstraße nicht auf Radler achten. 20 Euro kostet das. 70 Euro und ein Punkt sind fällig, wenn ein Radler gefährdet wird. An einer Ampel mit Grünpfeil kostet das Gefährden eines Radfahrers sogar 150 Euro und einen Punkt.

Kurz vor 11 Uhr kommen bereits deutlich weniger Fahrradfahrer an der Kontrollstelle vorbei. Zum einen, weil die meisten jetzt in der Arbeit sind. „Das spricht sich aber auch herum, und viele Münchner meiden dann Kontrollstellen“, sagt Lindinger. „Allerdings geht es uns nicht ums Geld, wir wollen die Leute vor allem über Gefahren aufklären.“ Nur bei handfesten Verstößen bittet die Polizei Verkehrsteilnehmer zur Kasse.

Da es hauptsächlich darum geht, auf Gefahren hinzuweisen, stehen bei der Aktion die meisten Polizisten in Uniform an den Kontrollstellen. Einige zivile Beamte seien aber auch im Einsatz, verrät Polizeihauptkommissar Markus Koch von der Verkehrspolizei. Wann genau und wo Beamte stehen, kann Koch nicht sagen. „Wir wollen flächendeckend in ganz München wahrnehmbar sein“, sagt er. Oft werde spontan entschieden, wo verstärkt kontrolliert wird.

Carolin Hartmann ist oft mit dem Fahrrad in München unterwegs. „Ich bin der Meinung, dass die Infrastruktur für Radfahrer verbessert werden muss“, sagt die 30-jährige Ärztin. Häufig seien die Radwege zu schmal. „Gefährlich wird es vor allem, wenn ständig Radler entgegen kommen.“ Deshalb sieht sie es positiv, dass die Polizei auch Geisterradler aufhält.

Stellt die Polizei bei ihren Kontrollen fest, dass die Stadt eingreifen müsste, gibt sie es an das Kreisverwaltungsreferat weiter. Vor allem, wenn es an bestimmten Straßen immer wieder kracht. Oder wenn wie an der Ludwigsbrücke das Rot, das den Radweg markiert, zum Teil nicht mehr erkennbar ist. Koch: „Das sollte wirklich mal wieder erneuert werden."

Stefanie Wegele

Rubriklistenbild: © dpa

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