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Trauernde legen Blumen am Tatort nieder.

Nach dem Prügel-Tod eines S-Bahnfahrgasts: Die Ermittler berichten

Die Polizei kam nur ein paar Sekunden später

München - Hätte er es nur ein wenig eiliger gemacht, auf schnelle Hilfe bestanden – er könnte noch am Leben sein.

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Doch übertriebene Hektik war nie die Art des Unternehmers Dominik B. (50), der es gewohnt war, Konflikte mit Besonnenheit zu lösen.Zwischen dem Mord und dem Eintreffen der ersten Polizeistreife lagen nur Sekunden, maximal eine Minute.
Dieser kurze Zeitraum genügte den beiden Schlägern, den Unternehmer mit 22 Fausthieben und Tritten gegen Kopf und Oberkörper tödlich zu verletzen. Erst zehn Minuten vorher hatte er sich per Notruf bei der Polizei gemeldet. „Er berichtete, er säße in der S7 nach Wolfratshausen und habe beobachtet, wie vier Kinder von zwei wesentlich älteren Burschen um Geld erpresst worden seien. Er werde mit den vier Kindern in Solln aussteigen und dort die Polizei erwarten“, berichtete Kriminaloberrat Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission.
Dominik B.’s Stimme klang dabei offenbar ruhig, die Situation schien geklärt. Und nichts wies auf einen drohenden Gewalt­exzess hin. Damit wurde der Fall lediglich als „verdächtige Wahrnehmung“ eingestuft. Und auch Dominik B. schien nicht die geringste Angst zu haben. Dabei unterschätzte er das ungeheure Aggressionspotenzial von Markus S. (18) und Sebastian L. (17) die ihn direkt nach der Ankunft in Solln angriffen.

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Die vier Kinder mussten hilflos mitansehen, wie ihr Retter vor ihren Augen zusammengeschlagen wurde. Als die Polizei eintraf, flohen die Täter über die Gleise. Ihre Flucht endete 80 Meter weiter an einem quer durchs Gebüsch gezogenen Zaun. Sie sitzen jetzt wegen Mordes in U-Haft. Gegen ihren ebenfalls festgenommen Freund Christoph T. (17) beantragte Staatsanwalt Laurent Lafleur Haftbefehl wegen versuchter räuberischer Erpressung. Am Montagabend erging schließlich der Haftbefehl gegen Christoph T. wegen versuchter räuberischer Erpressung, wie eine Polizeisprecherin mitteilte.

Solln: Die Trauer am Bahnsteig

Solln: Die Trauer am Bahnsteig

Er war an der Donnersbergerbrücke der Rädelsführer, wo die vier Kinder bereits um 15.45 Uhr von den drei Burschen bedroht worden waren. Er stieg kurz vor der Ankunft der S7 in eine andere Bahn und empfahl seinen Kumpanen, es den Kindern „richtig zu besorgen“. Die Mordkommission (Tel. 089/2910-0) sucht Zeugen, die an der Donnersbergerbrücke, in der S7 oder in Solln Beobachtungen gemacht haben.

Zumindest er soll auch im Internet gegen die Polizei gehetzt haben. Laut “Bild“-Zeitung vom Montag soll der zuletzt festgenommene 17-Jährige nach der Festnahme seiner beiden Freunde in einem Internetbeitrag geschrieben haben: “Schießt alle Bullen tot. ..“ Er und der andere 17-Jährige waren seit einigen Monaten in einer Einrichtung für suchtkranke Jugendliche untergebracht. Sie galten als schwierig, wie der Vize-Vorsitzende der Suchthilfeeinrichtung Condrobs, der SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Pfaffmann, sagte.

Mehrere Zeugen des Überfalls hätten sich inzwischen bei der Polizei gemeldet, sagte Kraus. Sie sollten im Laufe der Woche vernommen werden. Besonders gesucht werde eine etwa 60 Jahre alte Frau, die bereits an der S-Bahn-Haltestelle Donnersberger Brücke zu schlichten versuchte, als der 17-Jährige erstmals von den Kindern Geld verlangte.

OB Ude kondoliert Eltern des Opfers

Nach der tödlichen Attacke junger Männer in einer Münchner S-Bahn hat Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) den den Eltern des Opfers kondoliert. “Mit Entsetzen, Wut und Trauer stehen wir alle fassungslos dem Gewaltakt gegenüber, mit dem zwei Jugendliche am Samstagnachmittag am S-Bahnhof Solln Ihren Sohn getötet haben, nachdem er einer Gruppe Kinder geholfen hatte, die von eben diesen Jugendlichen bedrängt wurden“, schrieb Ude nach Angaben der Stadtverwaltung am Montag an die Eltern. “Es ist besonders bitter, dass Ihr Sohn seine Hilfsbereitschaft und Zivilcourage dabei mit seinem Leben bezahlen musste.“

Die Stadt würde gerne in einer Trauerveranstaltung das mutige Vorgehen des 50-Jährigen würdigen - aber nur, wenn dies auch im Sinne der Eltern sei, schrieb Ude. Aus vielen Zuschriften und E-Mails wisse er, dass es in der Bevölkerung ein starkes Bedürfnis gebe, die Trauer um den 50-Jährigen, aber auch den Dank für sein beherztes Eingreifen in einer solchen Trauerveranstaltung zum Ausdruck zu bringen.

dop.

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