Der Ex-Polizist Rainer M. hob 2000 Euro ab. Foto: EBU

Polizist stahl EC-Karte einer Toten

München - Polizeihauptmeister Rainer M. (33) ist im Einsatz vom Ordnungshüter zum Straftäter geworden: Mit der EC-Karte einer Toten hob er viel Geld ab. Jetzt musste der Beamte seine Entlassung aus dem Dienst unterschreiben.

Er war der erste am Tatort. Doch statt sich um das Opfer zu kümmern oder erste Spuren zu sichern, bestahl er die tote Frau. Es war im März 2007, als sich M. die EC-Karte samt Geheimzahl des Opfers aneignete und an den folgenden Tagen zwei Mal je 1000 Euro am Geldautomaten abhob – „ein schweres Dienstvergehen“, urteilte seine Behörde. Gestern kämpfte der Polizist vor dem Verwaltungsgericht um seine Beamtenstellung – vergeblich.

Bereits im Mai 2008 war Rainer M. wegen Computerbetrugs zu acht Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Polizeipräsidium verfügte damals seine Suspendierung (mit 90 Prozent seiner Bezüge) und leitete ein Disziplinarverfahren mit dem Ziel seiner Entfernung aus dem Dienst ein: „Er hat seine Kernpflicht verletzt“, hieß es.

Der Familienvater und sein Anwalt Peter Nadler sahen das zunächst ganz anders. Nadler: „Mein Mandant war bei dem Betrug nicht voll schuldfähig.“ Der Beamte spricht von völliger Antriebslosigkeit. Seine Eheprobleme hätten ihn „so mitgenommen“, dass er vom Zeitraum seiner Verfehlung „fast nichts mehr weiß“. Seine Frau habe schon zum Zeitpunkt der Eheschließung 2004 am Borderline-Syndrom gelitten, einer psychischen Störung im Grenzbereich zwischen Psychose und Neurose. Ihm gegenüber äußerten sich die Symptome zunächst nicht, sagte Rainer M., aber schon bald sei seine Frau „krankhaft eifersüchtig“ geworden, auch habe sie nur noch genörgelt. „Ich konnte ihr nichts mehr recht machen.“ Angeblich wurde die Ehefrau auch gewalttätig, eine Trennung kam für Rainer M. wegen der heute fünfjährigen Tochter aber nicht in Frage.

Etwa eineinhalb Jahre vor der Straftat schnitt er sich die Pulsadern auf, er durfte danach seine Dienstwaffe nicht mehr mit nach Hause nehmen. Der Zentrale Psychologische Dienst der Polizei hielt den Selbstmordversuch nicht für ernst gemeint, empfahl aber immerhin eine Therapie.

Anfang 2009 ging Rainer M. ein paar Mal zum Psychiater, brach die Behandlung aber gleich wieder ab: „Ich sah keinen Sinn darin.“ Im September habe er eine neue Therapie begonnen und fühle sich nun „schon besser“.

Um eine berufliche Neuorientierung hat er sich in all der Zeit nach seiner Verfehlung nicht bemüht. Nach einer Vorberatung machte die Vorsitzende Cornelia Sauter-Schwarzmeier dem Beamten klar, dass der Klage der Behörde „wohl stattgegeben“ werde. Weder dem Dienstherrn noch der Allgemeinheit sei eine Weiterbeschäftigung zuzumuten. Unter diesen Umständen unterschrieb Rainer M. selbst einen Antrag auf Entlassung aus dem Dienst – allerdings mit einer längeren Frist erst zum 30. Juni 2010.

Sarah List

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