Polizisten prügeln Löwen-Fans: Neue Ermittlungen möglich

München - An entscheidenen Stellen soll ein Polizei-Video Lücken aufweisen. Auch deswegen will die Generalstaatsanwalt Ermittlungen gegen USK-Beamte wieder aufnehmen lassen. Einige haben Löwen-Fans verprügelt.

Zwei Mal sind die Ermittlungen gegen USK-Beamte, die nach dem Regionalliga-Derby Ende 2007 Fans des TSV 1860 geschlagen haben sollen, von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Nun könnte der Fall ein drittes Mal aufgerollt werden. Die Generalstaatsanwaltschaft fordert die Ermittler auf, nachzuarbeiten. Unter anderem geht es um ein Polizeivideo, das an entscheidenden Stellen Lücken aufweist.

Rückblende: Beim Amateurderby FC Bayern gegen die Löwen am 9. Dezember 2007 im Grünwalder Stadion verhängt die Polizei eine Blocksperre für die Sechzger, damit sich die Anhänger der rivalisierenden Fans auf dem Heimweg nicht zu nahe kommen. Als die Sperre aufgehoben wird, kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und Beamten der Spezialeinheit USK. Mehrere Augenzeugen berichten danach, dass Polizisten wahllos mit Schlagstöcken auf Menschen eingeprügelt hätten.

Die anschließenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt wurden eingestellt – Beamte hätten zwar zugeschlagen, seien jedoch nicht zu identifizieren. Auch das zweite Verfahren – eine neue Zeugenaussage führte zur Wiederaufnahme der Ermittlungen – wurde im August 2009 eingestellt. Begründung diesmal: Nicht nur Polizisten, auch Fans hätten zugeschlagen. Wenn Beamte zur Abwehr die Schlagstöcke vor dem Körper kreisen, seien Treffer nicht zu vermeiden. Und: Dass Unbeteiligte geschlagen worden seien, sei nicht „individualisierbar“ nachzuweisen. Will heißen: Eine Identifikation der Beteiligten war nicht möglich.

Letzteres liegt auch daran, dass das von den USK-Beamten im Grünwalder Stadion zur Beweissicherung gedrehte Video lückenhaft ist. Der Süddeutschen Zeitung liegt die Aussage eines USK-Beamten vor, der die Lücken auf technische Mängel an der Kamera zurückführt. Es sei „bereits in der Vorzeit immer wieder zu Bild- und Tonausfällen während der Aufnahme“ gekommen.

Anwalt Marco Noli, der einige Löwen-Fans vertritt, sieht Lücken auch in der Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft. Er legte Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens ein. Die Generalstaatsanwaltschaft bekam die Akten – und entschied nun, dass nachgearbeitet werden muss. Sprecher Joachim Ettenhofer bestätigt: „Die Akten wurden wieder zurückgeschickt, damit die Staatsanwaltschaft Nachermittlungen vornimmt.“ Erst dann werde die Entscheidung über die Beschwerde getroffen.

Vor allem um zwei Dinge geht es bei den Nachermittlungen. Einerseits soll geprüft werden, was mit dem Original-Videomaterial passiert ist und wie die fehlenden Sequenzen zu erklären sind. Andererseits sollen „die Beamten, die das Video gedreht haben, vernommen werden“, sagt Ettenhofer. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, die das für nicht zielführend hielt, glaubt die Generalstaatsanwaltschaft, dass Beamte ihre Kollegen auch mit zugeklapptem Visier identifizieren können.

Caroline Wörmann

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