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„My friend Christian“: Yanis Varoufakis mit Alt-Oberbürgermeister Ude, der ein Häuschen auf der griechischen Insel Mykonos hat.

Ex-Minister Varoufakis

Der Pop-Politiker zu Gast bei Freunden

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München - Der Alt-OB Ude hat den griechischen Ex-Minister Varoufakis getroffen. 600 Zuschauer waren in der Muffathalle zu Gast.

Als Polit-Rentner, so glaubt man, steht einem die Welt offen. Der eine kümmert sich endlich um seine Modell-Eisenbahn, der andere fängt ganz neu an, wie SPD-Urgestein Franz Maget, 62, der jüngst bei der Botschaft in Tunis anheuerte. Christian Ude, der Münchner Alt-OB, 68, schläft gern aus und tourt als Kabarettist durch Bayern. Was auch noch kommen mag – es gibt einen Job, von dem er besser die Finger lässt: Englisch-Lehrer.

Dienstagabend, Muffathalle. Christian Ude, SPD, ist der Moderator, er empfängt einen Gast, der manchem gestandenen EU-Politiker heute noch die Magensäure blubbern lässt: Yanis Varoufakis, 54, Mitglied der linken Syriza-Partei. Der Grieche, der vor einem Jahr, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, hopplahopp Finanzminister wurde und fünf Monate später hopplahopp abgesägt wurde, will in der Muffathalle über Europa sprechen. 600 Zuschauern ist der widerspenstige Grieche den nicht gerade bescheidenen Eintrittspreis von 19 bis 24 Euro wert. „Wir in Deutschland wissen, dass Reden von Ex-Finanzministern teuer sind“, sagt Ude. Der Witz über Parteikollege Peer Steinbrück, dessen fürstliche Honorare einst für Wirbel sorgten, zündet – und das, obwohl Ude Englisch spricht. Es sei schon eine Weile her, dass er zuletzt in sein Vokabelheft geschaut habe, sagt er noch, und dass er früher der Schlechteste in Englisch war: „Und zwar an der ganzen Schule.“

Manchmal versteht Ude die Antworten von Varoufakis nicht, und manchmal versteht Varoufakis die Fragen von Ude nicht. Varoufakis, der wie immer in blauem Hemd, schwarzem Sakko und ohne Krawatte auftritt und auf der Bühne lockerer ist als mancher Kabarettist, nimmt es ihm nicht krumm. Man kann sich vielleicht ein bisschen besser vorstellen, wie die harten Verhandlungen in Brüssel oder Berlin abliefen, in denen sich auch nicht immer alle verstanden haben. Auf der einen Seite etwa der knochentrockene Bundesfinanzminister Schäuble (den Varoufakis lobt als „den einzigen Staatsmann der Eurogruppe, mit dem ich gerne geredet habe“). Auf der anderen Seite der Grieche, der elegant weiterphilosophiert, auch wenn sein Gegenüber ihn nicht genau versteht.

So ergeht’s auch Ude. Doch unter „Leftys“, den Linken also, tut man sich nicht weh – und das ist wohl die Schwäche der Veranstaltung. Tapfer fragt Ude nach, ob Varoufakis denn nicht verstehe, dass sich die Eurogruppe damals ein deutliches Signal zur Sparbereitschaft der Griechen gewünscht hätte. Und er fragt auch, warum denn nur Griechenland Probleme habe, wenn doch angeblich die EU das Problem sei. Aber das gibt Varoufakis doch wieder nur Gelegenheit, über die Vergangenheit zu fabulieren. Über seine verkannten Ideen, die Fehler der europäischen Finanzpolitik, die Intrigen, und dass er eigentlich schon alles richtig gemacht hätte. Hätte man ihn bloß gelassen.

Ohne Frage: Man hört ihm gerne zu, diesem locker-flockigen Wirtschafts-Professor, der auch komplexe Dinge einfach erklärt und Politik ein bisschen zu Pop macht. Und dass er als Kind mit seiner Familie die Heimat verließ, um in München politisches Asyl zu bekommen – auch interessant. Hier, als Flüchtling vor der griechischen Militärdiktatur untergebracht bei einer Münchner Familie, so sagt Varoufakis, hat er das erste Mal eine Ahnung davon bekommen, was „Solidarität“ heißt.

Das Hauptproblem, wenn man ein Hauptproblem ausmachen möchte an diesem Abend, ist: Der Grieche spricht nun schon länger über seine Zeit im Amt, als er im Amt war. Dabei wären die Visionen eines so klugen, unkonventionellen Wissenschaftlers zur Zukunft Europas höchst interessant – gerade jetzt, wo die EU mit der Flüchtlingskrise wieder einmal einen ganz schönen Brocken schultern muss. Fragen zu seinem neuen Projekt, dem „Democracy Europe Movement 2025“, wimmelt der Grieche höflich ab und vertröstet auf Februar. Irgendwann, Herr Varoufakis, muss jetzt mal was Neues kommen. Am besten noch vor der Rente.

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