"Präventionsfahrt"

Urlaub mit der Polizei

München - An der „Präventionsfahrt“ des Münchner Sicherheitsforums nehmen erstmals auch Flüchtlingskinder teil.

Eigentlich ist Noman gerne in München. Hier hat der 16-Jährige ein neues Zuhause gefunden, weit weg von seiner Heimat Afghanistan und weit weg von den Taliban, die seinen Vater ermordeten und ihn und seine Familie zur Flucht zwangen. Trotzdem: „Ich freue mich schon darauf, mal aus der Stadt zu kommen“, sagt er und strahlt. Das Lächeln ins Gesicht gezaubert hat dem 16-Jährigen die Kinderpräventionsfahrt des Münchner Sicherheitsforums (MSF).

Hinter dem etwas sperrigen Titel verbirgt sich ein Projekt, das das MSF nun schon zum elften Mal in Folge in Kooperation mit der Münchner Polizei umsetzt. Am Montag sind mehr als 30 Kinder und Jugendliche mit einem Team aus Betreuern und Polizisten in ein Gästehaus nach Oberaudorf im Landkreis Rosenheim gefahren. Dort sollen die Kinder einander kennenlernen und bis Donnerstag den Alltag in der Stadt einmal hinter sich lassen.

Die Teilnehmer der Fahrt sind bunt gemischt. Heimkinder nehmen an ihr genauso teil wie sehbehinderte Jugendliche, Schüler einer Förderschule, Gymnasiasten und dieses Jahr zum ersten Mal auch Flüchtlingskinder wie Noman, der sich momentan mit seiner Mutter und zwei Schwestern eine Einzimmer-Unterkunft in einem Münchner Flüchtlingsheim teilt. „Das Motto der Fahrt lautet: Neugierig sein auf alles, was anders ist“, erklärt Elisabeth Schosser, Vorstandsmitglied des Münchner Sicherheitsforums. Durch die Mischung sollen den Kindern Sichtweisen in andere Welten und damit Toleranz und Empathie vermittelt werden.

Dazu soll auch das pädagogische Rahmenprogramm beitragen, auf dem neben den für Ferienlager typischen Aktivitäten wie Wandern und Lagerfeuer auch besondere Trainingseinheiten der Polizei stehen. So sollen die Jugendlichen, deren Leben oft bisher nicht ganz einfach verlaufen ist, spielerisch an Präventionsmaßnahmen zum Beispiel für das Thema Sucht herangeführt werden, aber auch die Polizeiarbeit besser kennenlernen. Die Jugendlichen können zum Beispiel selber einmal in eine Polizeiuniform schlüpfen oder sich am Polizeieinstellungstest versuchen. Die teilnehmenden Polizisten machen all das ehrenamtlich. Für die Fahrt opfern sie Urlaubstage.

Die Kosten für die Exkursion übernimmt das MSF. Mit fast 13 000 Euro schlägt die Fahrt jedes Jahr zu Buche. Um nicht nur das Rahmenprogramm aufrecht zu erhalten, „sondern den Kindern bei warmem Wetter auch mal ein Eis spendieren zu können“, wie Elisabeth Schosser sagt, ist der Verein deshalb auf Sponsoren angewiesen. „Wir freuen uns über jeden Cent“, sagt die Vorstandsvorsitzende und strahlt beim Gedanken an den Ausflug fast genauso wie der junge Noman aus Afghanistan.

Annika Schall

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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