Praktikantin begrabscht?

Arzt wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

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München - Ein Orthopäde soll eine 16 Jahre alte Praktikantin im Behandlungsraum begrabscht haben, er bestreitet die Vorwürfe – das Opfer leidet bis heute

„Aber Mama, er war doch Arzt, ich habe ihm vertraut...“ Es sind bedrückende Worte, die Helene S. von ihrer Tochter Julia (Namen geändert) hören muss. Die 16-Jährige hatte im Juni 2015 ein Praktikum an einer Münchner Klinik absolviert und behauptet, ein Orthopäde habe sie sexuell missbraucht. „Ich war geschockt“, sagte die Mutter – und zeigte den Arzt an. Seit Montag steht er vor dem Amtsgericht. Tatvorwurf: sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen.

Reinhard P. (Name geändert) bestreitet die Vorwürfe. Laut Anklage soll er das erst 16-jährige Mädchen aber am 22. Juni 2015 gegen Mittag zunächst in einen Behandlungsraum geführt haben – angeblich, um ihr die medizinischen Geräte zu erklären. Laut Anklage bat der Arzt das Mädchen, sich auf eine Liege zu legen, und führte eine Ultraschall-Untersuchung durch, um ihr ihre inneren Organe zu zeigen. Dafür musste sie ihren Oberkörper frei machen.

Am Nachmittag, nach dem Dienst, soll Reinhard P. dann die Untersuchung an dem Mädchen fortgesetzt haben. Laut Anklage griff er ihr dafür auch zwischen die Beine und fragte Julia, wie sich das denn anfühlt. „Das dauerte einige Sekunden. In dem Moment wurde mir klar, dass hier etwas nicht stimmt. Ich bat ihn, damit aufzuhören“, sagt sie in einer Vernehmung, die per Video im Saal eingespielt wird. Verstört geht die Schülerin abends nach Hause, duscht sich lange und weint. „Sie war nicht wiederzuerkennen. Ich wusste, dass etwas Schlimmes passiert war“, berichtet die Mutter. Ihre Tochter sei seither öfters kollabiert und musste einen Psychologen aufsuchen.

Reinhard P. gilt als begabter Ausbilder in der Klinik. „Er macht sich bis heute Vorwürfe, dass er keinen Kollegen dazugezogen hat und mit dem Mädchen alleine im Raum war. Das war ein Fehler“, sagen seine Verteidiger Peter Guttmann und Peter Pospisil. Im Prozess gibt es bislang keine Beweise, es steht Aussage gegen Aussage. „Für unseren Mandanten geht es hier auch um die Existenz.“ Unklar bleibt die Rolle einer Krankenschwester: Sie klopfte an jedem Tag und öffnete kurz die Tür, ließ sich aber abwimmeln. Sie sagt, sie habe nichts gesehen. Für Julia S. hatte der mutmaßliche Vorfall aber starke Konsequenzen, berichtet die Mutter: „Sie ist nicht mehr das fröhliche Mädchen und hat stark an Gewicht verloren.“ Der Prozess wird am 9. Mai fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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