In Sorge: Monika Nadler und Tina Köstler von der Montessorischule an der Balanstraße. Foto: Kurzendörfer

Privatschulen fürchten um ihre Zuschüsse

München - Bei den Münchner Privatschulen ist man in Sorge. Der Grund: Der Freistaat plant eine Änderung bei bei den staatlichen Zuschüssen. Viele Schulen rechnen mit weniger Zuschuss und wissen noch nicht, wie sie die Finanzlücke ohne Schulgelderhöhung schließen sollen.

Christian Wimmer sieht sich nicht als klassischen Lehrer. Seinen Schülern räumt er viele Freiheiten ein, zum Beispiel, wann sie was lernen wollen. „Wenn der Schüler sein Fenster für Mathe nicht offen hat, macht er eben Deutsch“, erklärt der Montessori-Pädagoge. Die Balanschule will vom Behinderten bis zum Hochbegabten jedes Kind durch individuelle Förderung integrieren. „Bei uns gibt es keinen Frontalunterricht“, sagt Tina Köstler, die die Schule vor drei Jahren mitbegründet hat und selbst Mutter ist. An der Balanstraße ist man stolz auf das, was man geschaffen hat. Die Schule hat bis 18 Uhr einen Hort, es gibt einen Band-Proberaum, und einmal in der Woche kommen Senioren in die Klassen, lesen vor, erzählen von ihren Berufen oder singen Lieder mit den Kindern. Ohnehin stemmt die Schule, die 50 Angestellte hat, viele Aufgaben durch ehrenamtliche Helfer. Eltern putzen oder schrauben an kaputten Stühlen. Trotzdem geht die Angst vor steigenden Kosten um in den hellen Fluren der Schule. Der Grund ist die geplante Änderung des Schulfinanzierungsgesetzes.

Das bayerische Kultusministerium plant eine Sachkostenpauschale für die sogenannten staatlich genehmigten Volksschulen - das sind in Bayern 139 Schulen, davon 80 Montessori-Schulen, aber auch einige Waldorfschulen. Das Ministerium hofft so, den Verwaltungsaufwand zu senken, Geld zu sparen - und die Planungssicherheit für die Schulen zu erhöhen. Die Sachkostenpauschale ist mit 1510 Euro pro Schüler und Schuljahr vorgesehen. Bisher konnten die Schulen bei Bedarf Einzelanträge für Zuschüsse stellen.

Bei den Montessori-Schulen in München trifft die geplante Änderung auf wenig Gegenliebe. „Wir sind in München durch die Miete besonders belastet“, erklärt Monika Nadler, Geschäftsführerin der Balanschule. Eine Belastung, die Schulen auf dem Land nicht hätten, wo Gemeinden Privatschulen häufig sogar kostenlos Immobilien zur Verfügung stellten. „Wir wollen keine Eliteschule sein“, betont Nadler. Nach den aktuellen Berechnungen wäre aber eine Erhöhung des Schulgeldes um bis zu 45 Euro denkbar - bisher legen die Eltern der 168 Schüler 200 Euro im Monat auf den Tisch.

388 000 Euro Sachkostenzuschüsse hatte die Schule für das kommende Jahr vom Freistaat eingeplant, angesichts der Pauschale kalkuliert sie nur noch mit 249 000 Euro.

Ähnlich rechnet man in der Montessorischule am Olympiapark. Von 180 000 Euro weniger Zuschuss im Jahr ist dort die Rede. „Direkt umgerechnet müssten wir das Schulgeld um ein Viertel erhöhen“, sagt Geschäftsführerin Ingrid Rempt. Bei den Schulen geht man davon aus, dass größere Anschaffungen wie das Einrichten von Computerräumen nur noch sehr schwer zu stemmen sein werden.

Das betrifft insbesondere neuere Schulen. Sie bekommen künftig pauschal die gleiche Unterstützung für Sachkosten wie ältere Schulen, die bereits gut ausgestattet sind. In den ersten beiden Schuljahren bekamen neue Schulen laut Köstler schon bisher keine Sachkostenunterstützung - die Schulen mussten sich quasi erst einmal bewähren. An der Balanstraße hat man beispielsweise noch keine Möbel gekauft, sondern nur geliehen. „In dem Moment, in dem wir das erste Mal kindergerechte Stühle kaufen wollten, geht das womöglich wieder nicht“, stöhnt Monika Nadler.

Die Konsequenzen sind unklar. „Das Einfachste wäre, das Schulgeld zu erhöhen“, sagt Nadler, „das wollen wir aber nicht.“ Auch bei den Gehältern könne man nur schwer einsparen. Größere Klassen sind mit der freien Pädagogik ebenfalls nicht zu vereinbaren.

Die Hoffnung, dass am geplanten Gesetz doch noch einmal Hand angelegt wird, haben die Schulen noch nicht aufgegeben. Und immerhin: Vor einigen Tagen hieß es aus dem Ministerium, man werde bei der Umsetzung mit den Trägern privater Volksschulen im Gespräch bleiben. 2012 will sich Kultusminister Ludwig Spaenle mit ihnen treffen, um die Erfahrungen mit dem alten und dem neuen Modell zu diskutieren.

Felix Müller

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