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Was bedeutet Gleichberechtigung? Wie lerne ich ein Mädchen kennen? All diese Fragen werden in den Kursen geklärt.

Pro Familia bangt um Weiterfinanzierung

Kursangebot in Gefahr: Wo junge Flüchtlinge alles über Sex lernen

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München - Mit Sexualität und Geschlechterrollen richtig umgehen lernen: Junge Flüchtlinge werden an dieses Thema in speziellen Kursen herangeführt. Die Nachfrage in München ist riesig – doch das Angebot ist in Gefahr.

Was bedeutet Gleichberechtigung? Wie funktionieren die Geschlechtsorgane? Wie lerne ich ein Mädchen kennen? All diese Fragen werden in sexualpädagogischen Kursen behandelt, die es seit einigen Monaten extra für junge Flüchtlinge in München gibt. „Der Bedarf ist immens“, sagt Andreas Schmitz, Sozial- und Sexualpädagoge beim Verein Pro Familia. Doch die Stadt hinkt beim Ausbau noch hinterher.

Seit Pro Familia im Mai 2015 als einziger Träger mit diesem speziellen Kursangebot begann, hagelte es Anfragen: Betreuer aus Wohnheimen, Lehrer von Übergangsklassen an Berufsschulen, Leiter von Jugendgruppen – sie alle wollten ihre Schützlinge an das Thema heranführen lassen. „Wir mussten eine Warteliste einführen“, sagt Schmitz.

Seit die Förderung auslief, sind die Kurse in Gefahr

Zwei bis drei Mal eineinhalb Stunden dauert ein Kurs. Die Jugendlichen bekommen eine Einführung in die Gesetzeslage zum Thema Sexualität. Sie erzählen, wie in ihren Herkunftsländern darüber gesprochen wird und lernen, wie sich Gleichberechtigung in Deutschland historisch entwickelt hat. Sie werden über ihren Körper, Geschlechtsverkehr, Hygiene und Verhütung aufgeklärt. Auch Mythen zum Thema Selbstbefriedigung und die Aufgabenteilung in Beziehungen werden besprochen.

Die Kurse sind für die Teilnehmer kostenfrei, Dolmetscher müssen die Schulen und Wohngruppen selbst organisieren und bezahlen. Pro Familia bekam von der Stadt zwei Teilzeitstellen à 14 Wochenstunden finanziert, die sich Schmitz mit zwei Kolleginnen teilte. Doch die Zuschüsse liefen im Dezember aus. Seither sind die Kurse in Gefahr.

„Wir können das überhaupt nicht verstehen, dass die Kurse eingestellt wurden“, sagt Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich. Gerade die Silvester-Vorfälle in Köln hätten doch gezeigt, wie wichtig diese Art von Bildung sei. Gerade junge Flüchtlinge wüssten nicht, wie etwa die Rechtsstellung von Mann und Frau hierzulande sei. Darum forderten die Grünen vor kurzem in einem Antragspaket, die Stadt solle die Sexualpädagogik in großem Stil ausbauen, um sexueller Gewalt präventiv zu begegnen.

Oft sind die Jugendlichen auch verwundert

Kämpft um die Kurse: Christian Reisenberg, Geschäftsführer von Pro Familia in München.

Wird in den Kursen offen thematisiert, was in Köln passiert ist? „Eher nicht“, sagt Schmitz. Doch in Einzelgesprächen hätten Jugendliche, die über die Geschehnisse informiert waren, diese „verurteilt“. Und dass junge Flüchtlinge in Münchner Schwimmbädern Mädchen belästigt haben? Es werde nicht direkt über die Taten gesprochen, sagt Schmitz – aber durchaus darüber, wie man sich kennenlerne, sich verliebe, was üblich sei im Verhalten und dass Mädchen wie Buben selbst bestimmten, wann und mit wem sie Sex haben möchten. Auch öffentliche Nacktheit sei ein Phänomen, das vielen Jugendlichen sehr fremd sei.

Generell seien die Buben und Mädchen – die je nach Thema getrennt oder zusammen unterrichtet werden – sehr wissbegierig, sagt Schmitz. „Sie wollen alles erklärt haben und nehmen es neugierig auf.“ Oft seien sie auch verwundert, etwa dass Homosexualität in Deutschland offen gelebt werde, weil das in vielen Ländern hart bestraft werde.

Im Mai soll der Stadtrat neu beraten

Auch andere Stellen bieten sexualpädagogische Kurse an, etwa die Schwangerschaftsberatungen, und berichten ebenfalls von steigender Nachfrage. Pro Familia werde wegen des speziellen Angebots für junge Flüchtlinge bereits bundesweit angefragt, sagt Geschäftsführer Christian Reisenberg.

Die Weiterförderung hätte der Stadtrat im Herbst beschließen sollen, doch dann kam die Haushaltsklemme dazwischen. Seitdem kämpft Reisenberg – möglichst um zwei Vollzeitstellen für seine Fachkräfte, die auch eine klare Perspektive bräuchten. Nun soll der Stadtrat im Mai erneut darüber beraten. Und es sieht gut aus: Die Kurse hätten sich „sehr bewährt“, sagte Jugendamtsleiter Markus Schön gestern auf Anfrage. „Wir werden dem Stadtrat vorschlagen, sie weiterzuführen, mindestens im bisherigen Umfang“ – möglichst unmittelbar im Anschluss an die Entscheidung.

Im Internet informiert auch das mehrsprachige Portal Zanzu  von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) über Sexualität und Gesetze. Entwickelt wurde Zanzu bereits vor der Flüchtlingskrise.

Christine Ulrich

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