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Protest gegen „Schwarzbau“ am Marienhof

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Mit Plakaten wollen Tunnelgegner die Verpflanzung der 38 Schnurbäume am Marienhof verhindern.  Foto: Marcus Schlaf
Mit Plakaten wollen Tunnelgegner die Verpflanzung der 38 Schnurbäume am Marienhof verhindern. Foto: Marcus Schlaf

München - Die Gegner des zweiten Stammstreckentunnels ärgern sich über geplanten baldigen Baubeginn.

Im Graupelschauer steht am Dienstagnachmittag auf dem Marienhof ein Häuflein Menschen mit Flugzetteln in der Hand - „Tunnelblick extra“ steht darauf. Abnehmer finden die etwa 15 Gegner des zweiten Stammstreckentunnels freilich kaum - viele eilen hastig vorbei. Doch unter den Protestlern wird heftig über den Mittwoch diskutiert: Da soll der Stadtrat in einer Sondersitzung die Verpflanzung der 38 Bäume am Marienhof absegnen, damit die Bahn mit den archäologischen Untersuchungen dort anfangen kann. „Hier, im Herzen von München, soll ein Schwarzbau beginnen“, sagt Walter Heldmann vom Verein der Bürgerinitiative S-Bahn-Tunnel Haidhausen entschlossen.

„Unverantwortlich“ sei der noch für den April geplante Baubeginn, betont Heldmann. Denn derzeit liege für das Milliardenprojekt weder eine Baugenehmigung vor, noch sei die Finanzierung gesichert. Und: „Es gibt bessere Lösungen als die zweite Röhre“, sagt er - und meint vor allem jene, die Haidhausen, wo er wohnt, unberührt ließe.

Fangen die Bauherren, die Deutsche Bahn und der Freistaat, jetzt nicht an mit den sogenannten „Vorwegmaßnahmen“ am Marienhof, dann können sie womöglich den geplanten Fertigstellungstermin für die zweite Röhre Ende 2017 nicht mehr halten. An dem allerdings zweifeln Tunnelgegner wie der Stadtrat Johann Altmann und der Landtagsabgeordnete Michael Piazolo (Freie Wähler) sowieso. Auf dem Marienhof sei die „Medal Plaza“ für die Olympischen Winterspiele 2018 vorgesehen, also jener Ort, an dem die Medaillen überreicht werden. „Hier wird bewusst das Risiko eingegangen, dass die Siegerehrungen auf einer Baustelle stattfinden“, sagt Piazolo.

Noch weiter geht Martin Runge, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag. „Nie und nimmer“ sei das Nahverkehrsprojekt bis zu möglichen Spielen 2018 zu schaffen. „Ich hoffe auf die Einsicht des Stadtrats, dass der zweite Stammstreckentunnel auch bis 2020 nicht zu bauen ist“, sagt er.

Als der Regen aufhört, bringen die Tunnelgegner an den japanischen Schnurbäumen auf dem Marienhof Plakate mit der Aufschrift „Der Baum bleibt hier!“ an. In der Vorlage, über die der Stadtrat morgen abstimme, stehe „ganz klar“, dass die 38 Bäume, die wegen des warmen Wetters bereits ausgetrieben sind, jetzt nicht mehr umgepfanzt werden dürfen, sagt Stadtrat Altmann. Dafür, sagen Piazolo und Runge unisono, brauche es dann eben eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Dass sie erteilt wird, daran zweifeln sie nur leise.

Die Flugblatt-Aktion vor dem Rathaus läuft noch, da ist im Amtsgebäude bereits der Appell der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern angekommen. IHK-Präsident Erich Greipl lässt wissen, dass er OB Christian Ude „bei der schnellen Umsetzung des Tunnelprojekts“ unterstütze und die IHK „darauf zählt“, dass der Stadtrat in seiner Sondersitzung „den Kurs des OB ebenfalls befürwortet“.

Caroline Wörmann

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