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Feiert am Wochenende Geburtstag: die Johanneskirche am Haidhauser Preysingplatz.

Die Protestanten vor den Toren

St. Johannes in Haidhausen feiert 100.

München - St. Johannes in Haidhausen, die viertälteste evangelische Kirche in München, wird 100 Jahre alt – am Sonntag feierlicher Gottesdienst.

Am Preysingplatz in Haidhausen liegt die neoromanische Johanneskirche ein wenig versteckt hinter Bäumen – gar nicht weit entfernt von ihrer größeren katholischen Schwester am Johannisplatz. Es ist die viertälteste evangelische Kirche in München. Im April 1916 wurde sie unter Ludwig III eingeweiht. Einhundert Jahre später will die Gemeinde das historische Jubiläum an diesem Wochenende feiern.

„Die Kirche hat eine lange und schwierige Vorgeschichte, die bis ins 19. Jahrhundert reicht“, erklärt Walter Burtscher vom Evangelischen Gemeindeverein St. Johannes die Historie. „Evangelische Gläubige waren bis ins 18. Jahrhundert hinein in München und Umgebung noch eine absolute Minderheit. Altbayern war damals erzkatholisch.“ Denn noch im 16. Jahrhundert habe der Protestantismus in München unter Strafe gestanden, „der Glaube verschwand hier nahezu über zwei Jahrhunderte in der Bedeutungslosigkeit“.

Den historischen Wandel erklärt Walter Burtscher so: „Mit dem Tod von Kurfürst Max III. Joseph 1777 erlosch die bayerische Linie der Wittelsbacher. Dies hatte zur Folge, dass Bayern an die Pfälzer Linie der Wittelsbacher gefallen ist – und diese wiederum hatte eine liberale Haltung gegenüber Protestanten.“ Dies habe sich auch auf die Stadt München und die Gemeinden rechts der Isar ausgewirkt. „1875 lebten in dem Gebiet 1307 Protestanten, zehn Jahre später waren es immerhin schon 2567.“

In München bekam der erste Protestant, ein Mannheimer Wirt, erst im Jahr 1801 das Recht, innerhalb der Stadtmauern zu leben. Die Gemeinde St. Johannes habe sich erst allmählich formiert, erklärt Burtscher. „Seit 1888 gab es den ersten Hilfspfarrer Georg Glungler. Er sah seine wichtigste Aufgabe darin, die evangelischen Bewohner von Giesing, Bogenhausen, Grünwald, Berg am Laim, Denning, Unterföhring, Ismaning, Au und Haidhausen zu sammeln und zu einer Gemeinde zu formen.“

Die Wege waren beschwerlich, und die Gläubigen weit verstreut. „Viele Protestanten waren aus den verschiedensten Regionen zugezogen und hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen und Interessen“, beschreibt Burtscher die Lage von damals. „Es waren oft ärmere Leute, die in München Arbeit fanden.“ In der Stadt war jedoch schon damals nicht genügend Wohnraum, und das Leben dort war teuer. Deshalb zogen sie in die nähere Umgebung.

Die weitere Entwicklung der Johanneskirche erklärt der Kenner so: 1889 erhielt die Gemeinde ein Grundstück am heutigen Preysingplatz. Errichtet wurde dort eine „Notkirche“, in der etwa tausend Gläubige Platz hatten. „Am 9. Dezember 1899 wurde St. Johannes dann auf allerhöchste Entschließung durch Prinzregent Luitpold zum eigenen Pfarrbezirk.“

Drei evangelische Münchner Kirchen gab es zu dem Zeitpunkt bereits, sie waren bereits alle nach Evangelisten benannt: die Matthäuskirche am heutigen Sendlinger-Tor-Platz, die Markuskirche an der Gabelsbergerstraße und die Lukaskirche am Mariannenplatz. Nun kam also St. Johannes dazu.

Die „Notkirche“ am Preysingplatz wurde schon bald zu klein und war ein wenig desolat. 1914 wurde sie abgerissen und durch die herrschaftliche, neoromanische Kirche ersetzt. Am 2. April 1916, an Lätare – dem Sonntag in der Mitte der Fastenzeit – war es dann soweit: Die neue Johanneskirche, ein neues Kapitel protestantischen Lebens in München, konnte feierlich eingeweiht werden.

Der Festgottesdienst in der Johanneskirche am Preysingplatz an diesem Sonntag beginnt um 10 Uhr, er wird vom Kantatenchor St. Johannes musikalisch begleitet. Am Freitag, 29. April, ist anlässlich des Jubiläums zudem um 19.30 Uhr ein Vortrag mit Stadtdekanin Barbara Kittelberger über die „Kirche in der Stadtgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ geplant. Vom 29. April bis zum 24. Juli ist im Altarraum der Kirche die Ausstellung „100 Jahre St. Johannes“ zu sehen. Für den 24. Juli lädt die Gemeinde zu einem Sommerfest. 

Anne Hund

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