Gericht: Falsch verstandene Hilfe mit dem Hackmesser

München - Ex-Mann hilft Ex-Frau gegen Ex-Liebhaber: Diese Konstellation ist nicht alltäglich, das Schwurgericht versucht sie seit gestern zu klären. Angeklagt wegen versuchten Totschlags ist Hakan C. (32).

Der Putzmann ist seiner früheren Frau Pinar (24, zugleich seine Cousine) auf einen SMS-Notruf hin zu Hilfe geeilt – und hat Taner Ü. (27) ein Hackmesser auf den Kopf gehauen. Das Opfer trug einen tiefen Schnitt im Stirnbereich davon und Abwehrverletzungen an Unterarmen und Fingern.

Der Angeklagte ist in der Türkei aufgewachsen, Landsmännin Pinar in Deutschland. Als die Cousine ihn bei einem Besuch in Ankara kennen lernte, sei es Liebe gewesen, die Heirat im Januar 2004 „hatte mit den Familien nichts zu tun“, sagt Hakan C. Seine junge Frau konnte sich den Verhältnissen in der Türkei „nicht anpassen“, er folgte ihr nach München, wo das Paar Anfang 2005 eine Tochter bekam.

Hakan C. arbeitete für eine Zeitarbeitsfirma. Zunächst in der Kantine des Verwaltungsgerichts, später als Reinigungskraft bei der Postbank. Sehr zum Ärger seiner Frau lernte er aber kein Deutsch und kam deshalb beruflich nicht voran. „Ich musste mich mit um das Kind kümmern“, begründete der Angeklagte vor Gericht und rechtfertigte sich dann: „Ich habe kein Talent für Fremdsprachen, das ist ein Manko von mir.“

Es war nicht das einzige. „Unsere Gedanken haben nicht harmoniert“, formuliert Hakan C. die wachsende Kluft zwischen den Eheleuten. Vor gut zwei Jahren hat das Paar sich getrennt, einvernehmlich, wie er sagt. „Wir hatten ein gutes Verhältnis zueinander, nur die Ehe funktionierte nicht.“

Dass seine Ex-Frau eine Beziehung zu einem anderen einging, erfuhr er erst am Tattag eher zufällig. Pinar begleitete ihren Ex-Mann am 7. November zur Ambulanz im Schwabinger Krankenhaus, weil er Schmerzen in der Schulter hatte. Unterwegs habe sie „bedrückt“ gewirkt und schließlich auf dem Heimweg von Taner Ü. erzählt. „Ich habe einen großen Fehler gemacht und will das beenden“, habe sie gesagt. Doch der neue Freund zwinge sie mit Todesdrohungen gegen sie, die Tochter und sich selbst zur Fortsetzung der Beziehung. Taner Ü. sei ein Psychopath.

Abends bekam der Angeklagte dann eine SMS von Pinar: „Tu etwas!“ Beim folgenden Anruf sagte sie gehetzt: „Er hat uns gesehen, er ist verrückt geworden.“ Und etwas später: „Du musst unbedingt kommen, sonst geschieht etwas Schlimmes!“

Hakan C. kam – bewaffnet mit dem Hackmesser: „Ich habe mir gesagt, du musst etwas mitnehmen, das ihm Angst macht.“ Taner Ü. saß im Wagen vor Pinars Wohnung, der Angeklagte stellte ihn zur Rede, will durch die geöffnete Beifahrertür mit Füßen getreten worden sein. Er habe mit dem Messer nur gegen den Arm des anderen geschlagen, „vielleicht auch gegen den Fuß“. Taner Ü. habe die Hände vors blutverschmierte Gesicht geschlagen und gerufen: „Tu das nicht!“ Da habe er „von ihm abgelassen“. Der Prozess dauert an.

Sarah List

Rubriklistenbild: © dpa

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