Er läuft, und läuft, und läuft

München - Die Idee scheint genial: ein Motor, der seine Energie durch Magnete selbst erzeugt, nach Art eines Perpetuum Mobile. An letzterem haben sich Unzählige die Zähne ausgebissen - es widerspricht dem Gesetz der Dynamik.

Den Motor erkannte das Europäische Patentamt auch nicht an. Dennoch hat der Erfinder Michael B. (61) den Magnetmotor („Permanent Magnet Machine“) ab 2006 vermarktet. Vor dem Landgericht hat er gestern den Vorwurf des besonders schweren Betrugs vehement von sich gewiesen und dann geschwiegen.

Der Techniker aus Südafrika mit Wohnsitz in der Schweiz hatte in München die Perendev Energy-Power GmbH gegründet, die Geschäfte führte er. Das Unternehmen warb im Internet für den Magnetmotor, B. schilderte im Interview des NetJournals, einer Zeitschrift für neue Energietechniken, seine Erfindung. Dabei erweckte er laut Anklage den Eindruck, der Motor sei serienreif, die Produktion angelaufen. Außerdem habe er Lizenzverträge zum Alleinvertrieb der „Permanent Magnet Machine“ angeboten. Er hatte auch schon zur Präsentation ins Sheraton geladen, sagte aber kurzfristig ab. Angeblich fühlte er sich von den Energiekonzernen bedroht.

Die Anklage listet 40 Interessenten auf, die Anzahlungen oder Lizenzgebühren von insgesamt 617 826,50 Euro überwiesen, ohne je einen Motor zu Gesicht zu bekommen. Ferner führt der Staatsanwalt 21 versuchte Betrugstaten mit einem möglichen Schaden von 388 243,50 Euro auf. Einige Kunden forderten vergeblich ihr Geld zurück und zeigten den Erfinder an.

Es dürfte sich um die Spitze des Eisbergs handeln, denn laut den Verteidigernfühlen sich viele Interessenten nicht geschädigt, sie wollten die Entwicklung „noch ein paar Jahre abwarten“. Richter Joachim Eckert redete dem Angeklagten ins Gewissen: „Die Idee mag revolutionär sein. Eine andere Geschichte ist es aber, an die Öffentlichkeit zu gehen und etwas darzustellen, was unter Umständen nicht der Wahrheit entspricht, wenn zum Beispiel behauptet wird, 60 Motoren würden bereits laufen, in Spanien habe die Produktion begonnen“.

Geladen sind 70 Zeugen aus dem In- und Ausland, Anwalt Christph Knerr: „Es können auch mehr werden.“ Das richterliche Angebot einer Strafe von höchstens vier Jahren und neun Monaten im Falle eines Geständnisses lehnte der Angeklagte mit energischem Kopfschütteln ab.

Michael B. ist wegen einer anderen Sache aus Deutschland ausgewiesen worden. Seine Wahlheimat Schweiz lieferte ihn wegen der Betrugsermittlungen an Deutschland aus. Nach der Vebüßugn seiner Strafe droht ihm die Abschiebung nach Südafrika. Dorthin will der Angeklagte auf keinen Fall, den Grund - eine möglicherweise drohende Strafverfolgung - kann man nur vermuten. Der Prozess dauert an.

Sarah List

Rubriklistenbild: © dpa

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