Prozess gegen Schweizer Schüler: Vater bricht zusammen

München - Der Prozess gegen die Schweizer Schüler, die sich derzeit unter anderem wegen versuchten Mordes verantworten müssen, hat dem Vater eines Angeklagten zugesetzt: Er brach zusammen.

Seit nun bald fünf Monaten verhandelt das Landgericht gegen die Schweizer Schüler Mike, Ivan und Benjamin wegen des Gewaltexzesses am Sendlinger Tor. Die Eltern der drei damals 16 Jahre alten Angeklagten nehmen an den nicht-öffentlichen Sitzungen regelmäßig teil. „Ihre Belastung ist irrsinnig“, sagte Justizsprecherin Margarete Nötzel gestern am Rande der Verhandlung. „Es ist nicht nur die dauernde Anreise, sondern vor allem die Ungewissheit.“ Mikes Vater brach unter dem Druck gestern kurzzeitig zusammen.

Ein Landgerichtsarzt stärkte seinen Kreislauf, andere Angehörige nutzten die Pause für kurze Gespräche mit ihren Söhnen unter dem wachsamen Blick der Vollzugsbeamten. Die drei Schüler einer Berufsaufbauschule in Küsnacht sind wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sie sollen Ende Juni 2009 auf einer Klassenfahrt nach dem Genuss von Alkohol und Drogen im Nussbaumpark, am Sendlinger Tor und auf der Sonnenstraße fünf Passanten schwer misshandelt haben. Zwei wurden lebensgefährlich verletzt, das Gesicht eines 47-jährigen Versicherungskaufmanns aus Ratingen in Nordrhein-Westfalen war fast vollständig zertrümmert, wurde bei mehreren Operationen einigermaßen wieder hergestellt.

Gegenüber der Polizei haben Benjamin und Ivan am Folgetag Angaben gemacht, zu den damaligen mehrstündigen Verhören wurden gestern entgegen den Anträgen der Verteidigung die Vernehmungsbeamten befragt. Laut Nötzel haben sich die beiden über ihre Rolle und die der Mitangeklagten geäußert, „sie waren dabei“. Mehr wollte die Sprecherin nicht preisgeben. Mike hat schon damals geschwiegen, im Prozess haben es ihm die anderen gleich getan.

Das Gericht ist mit der Beweisaufnahme fast fertig. Am Freitag soll noch ein Sachverständiger für Biomechanik gehört werden. Von ihm erhofft sich die Jugendstrafkammer Aufschluss über die Krafteinwirkung, die nötig war, um die dokumentierten Verletzungen zu verursachen. Die Verteidigung hat allerdings „noch zwei bis drei Beweisanträge“ im Köcher, wie Anwalt Christian Finke ankündigte.

Davon wird abhängen, ob der vorläufig bis 6. August befristete Zeitplan eingehalten werden kann.

Sarah List

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