Versteckt sein Gesicht hinter einem Aktenordner: David S. soll seine Mutter ermordet haben und steht deshalb vor Gericht.
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Versteckt sein Gesicht hinter einem Aktenordner: David S. soll seine Mutter ermordet haben und steht deshalb vor Gericht.

Offenbar Streit an seinem Geburtstag

Azubi soll seine Mutter erwürgt haben - vor Gericht schildert er alles ganz anders

  • Andreas Thieme
    vonAndreas Thieme
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David S. steht vor Gericht. Er soll seine Mutter erwürgt haben. Weil sie ihm nicht zum Geburtstag gratuliert hat. Doch der Friseur-Azubi ist sich keiner Schuld mehr bewusst.

München - Die Worte kommen nur schwer über seine Lippen. „Ich habe meine Mama über alles geliebt“, sagt David S. (25) unter Tränen. „Sie war die wichtigste Person in meinem Leben, ich habe mich immer um sie gekümmert.“ Doch am 15. Oktober 2017 soll er die pflegebedürftige Seniorin erwürgt haben - weil er ihren Zustand angeblich nicht mehr ertragen konnte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Friseur-Azubi nun heimtückischen Mord vor! Aus Wut soll er am 15. Oktober 2017, seinem eigenen Geburtstag, auf Kerstin S. eingeprügelt haben. Zum Streit kam es, weil sie ihm nicht gratuliert hatte. In ihrer Wohnung in der Schleißheimer Straße eskalierte die Situation: Laut Anklage trat David S. seine Mutter, bis sie zu Boden fiel. Dann soll er sich auf sie auf ihre Brust gesetzt haben - und würgte sie drei Minuten lang, bis sie sich nicht mehr rührte.

Freund sollte Mutter wiederbeleben

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich so etwas getan habe“, jammert David S. vor Gericht. Ihm fehlen teilweise Erinnerungen - weil er etliche Drogen nahm. Nach der mutmaßlichen Tat rief er noch einen Freund an, der Kerstin S. versuchte wiederzubeleben. Doch der Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen. Und alarmierte danach sofort die Polizei: Denn die Leiche der Seniorin wies neben starken Würgemalen am Hals auch zahlreiche Prellungen am Schädel sowie einen Bruch des Brustwirbels auf.

„Das sind Verletzungen, die sich nicht durch Erste Hilfe erklären lassen“, sagt Richter Norbert Riedmann. Rund eine Stunde lang befragt er David S., der im Kinderheim aufwuchs. Die Mutter war später seine stärkste Bezugsperson. „Mein Anker“, sagt David S. „Ich habe mich auch um ihren Haushalt gekümmert und sie finanziell versorgt.“ Doch Freunde beschreiben die Beziehung als Hassliebe - denn Kerstin S. war Alkoholikerin, stark übergewichtig und verließ ihre Wohnung nicht mehr. Ihren Sohn beschimpfte sie oft. Er wiederum „war wütend, weil sich seine Mutter so gehen ließ“, sagt Verteidigerin Birgit Schwerdt. Einige Male soll es in der Vergangenheit bereits zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen sein.

„Plötzlich fiel sie vom Sofa und lief blau an“

So auch am Tattag, den der Azubi anders schildert. „Wir stritten, dann fiel sie plötzlich vom Sofa und lief blau an.“ Über ihren Tod sei er entsetzt gewesen. „Ich wollte es nicht glauben und fühlte mich schuldig.“ Auch der Polizei sagte er mehrfach: „Es ist alles meine Schuld.“ Vor Gericht streitet er die Tat aber ab und sagt: „Ich bin kein Gewalttäter.“

David S. droht nun lebenslange Haft. Noch bis zum 18. September verhandelt das Landgericht den Mordfall. Möglich ist auch eine Verurteilung wegen Totschlags.

Andreas Thieme

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