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PS-Festival in der vorletzten Runde?

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München - Am Wochenende pilgerten Motorsport-Fans zur DTM. Die Anwohner sind genervt - und der Olympiapark-Chef ist nicht ganz zufrieden. War das die vorletzte Runde des PS-Festivals?

Donnerschläge krachen durchs olympische Oval. Jede Fehlzündung, ein kleines Gewitter. Benzin verbrennt im Endrohr, Feuerzungen schießen aus dem Auspuff, wenn die DTM-Boliden bremsen. Tief am Boden kauernd zirkeln die gerade mal 1100 Kilo leichten Straßenmonster um den winkligen Stadion-Kurs. Dann die kurze Gerade. Die Vierliter-V8-Motoren saugen gierig nach Luft, brüllen, kreischen, knallen, entfesseln 500 PS. So klingt Motorsport.

Und so klingt Protest: „Auch bei der diesjährigen DTM im Olympiastadion wird es wegen der enormen Emissions- und Lärmbelastungen zu massiven Beschwerden von Anwohnern aus dem dicht bebauten Wohnumfeld kommen“, ärgert sich Grünen-Stadtrat Florian Vogel. Angesichts der „zweifelhaften Wirtschaftlichkeit“ der Veranstaltung sei ein Ende des „fragwürdigen Motorspektakels“ geboten. Vogel fordert Oberbürgermeister Christian Ude auf, sich dafür stark zu machen, dass die bis 2013 laufenden Verträge zwischen Olympiapark und DTM nicht verlängert werden. Auch der örtliche Bezirksausschuss hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Die „Einwohner-Interessensgemeinschaft Olympiadorf“ droht zudem, sie werde eine Vertragsverlängerung nicht hinnehmen und „eine Aktion“ starten, sollten auch nach 2013 DTM-Rennen im Olympiapark stattfinden.

Des einen Leid ist des anderen Gänsehaut. Krach gehört zum Motorsport wie Böller zu Silvester. Knallende Zündungen zaubern ein verklärtes Grinsen auf zehntausende Gesichter. „Man muss die Kritik ernst nehmen“, sagt BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. „Man muss aber auch auf die Netto-Zeit schauen, wie lange die Autos laut sind.“ Die Siegerwagen seien gerade mal 60 Kilometer unterwegs. Wahr ist allerdings auch, dass die 22 Fahrer bereits vor dem Wettkampftag zahlreiche Trainingsrunden gedreht haben - und dass es auch zwischen den Rennen nicht gerade leise zugeht. Zum Rahmenprogramm gehören Motorrad-Rennen und Stuntshows. Das Röhren ist kilometerweit zu hören - nur DJ Paul Kalkbrenner ist lauter. Ob es nach dem Jahr 2013 noch Rennen im Stadion geben wird, dazu will sich Marquardt lieber nicht äußern.

Die Begeisterung für das PS-Festival scheint ohnehin etwas nachgelassen zu haben. Heuer meldet der Veranstalter 45 000 Besucher, im vergangenen Jahr waren es - bei deutlich besserem Wetter - 54 000. Das Fahrerlager unterhalb des Stadions wirkte ausgedünnt im Vergleich zum Vorjahr: Weniger Sportwagen, weniger Zelte, weniger Besucher. Dabei zeigt sich die Deutsche Tourenwagen-Masters gerade hier von ihrer Schokoladen-, pardon, Benzinseite. Viel näher als an normalen Rennstrecken rückt die DTM hier an ihre Fans heran. So nah, dass die Mechaniker offene Motoren unter Decken verstecken und Hobbyfotografen ermahnen, nicht in die Cockpits hinein zu knipsen. Man weiß nie, wo Spione lauern.

Unter einem Zeltdach heizen BMW-Mechaniker die Kohlefaser-Bremsen ihres M3 auf 300 Grad hoch. Der 614 Meter lange Kurs ist einfach zu kurz, die Stopper kommen nicht von allein auf Betriebstemperatur. „Wir müssen ein bisschen improvisieren“, sagt einer der Schrauber. „Ein Zelt ist etwas anderes als eine richtige Box.“ Er fachsimpelt noch ein wenig über Differentialsperren und Zylinderbankwinkel, setzt die Haube wieder auf den M3 und zieht anschließend die Decke heraus. Am Nürburgring, in Hockenheim, in der Lausitz: So viel Tuchfühlung wäre dort undenkbar. „Mitten im Olympiastadion anzutreten, das ist einmalig“, schwärmt BMW-Pilot Bruno Spengler. Bis 2013 ist es zumindest dreimalig.

Ob es danach weitergeht, bleibt offen. Der Olympiapark will sich zur Rentabilität erst nach dem Rennen 2013 äußern. Die Marke von 50 000 Zuschauern gilt jedoch als kritisch, damit sich der Aufwand lohnt. Parkchef Ralph Huber sagte zur tz: „Wenn das Event keine Aufwertung durch irgendeine Form der Punktevergabe erfährt, wird es die DTM 2014 in München nicht mehr geben.“ Im kleinen Oval um die Meisterschaft fahren - die Piloten halten das für keine gute Idee.

Von Thomas Schmidt

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