Räder, Räder, Räder: Dieses Bild von der Sendlinger Straße entstand nicht etwa an einem Samstag, sondern am Montag dieser Woche. Foto: Citypartner
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Räder, Räder, Räder: Dieses Bild von der Sendlinger Straße entstand nicht etwa an einem Samstag, sondern am Montag dieser Woche.

Einzelhändler schlagen Alarm

Radl-Mauern vor den Schaufenstern

München - Die Einzelhändler an der Sendlinger Straße schlagen Alarm: Sie klagen über ein Radl-Chaos. Die Stadt spielt den Ball zurück: Die Geschäfte könnten sich finanziell an neuen Radlständern beteiligen.

Inzwischen fallen sogar Personalkosten an. Zum Beispiel samstags, für den Optiker „Schönweitz“ an der Sendlinger Straße. Dann hat der Sicherheitsdienst des Geschäfts eine ungewöhnliche Zusatzaufgabe: „Der schiebt dann die Fahrräder aus dem Weg“, erzählt der Verkäufer Burhan Sarigöl. Er beobachtet die Situation an der Straße genau. Jetzt steht er vor dem Geschäft, zeigt auf das Schaufenster und sagt: „Ständig stellt jemand sein Fahrrad dahin und versperrt die Sicht auf unsere Auslage“.

Das Problem trifft nicht nur den Optiker. Die Händlervereinigung Citypartner schlägt wegen der Zustände an der Sendlinger Straße Alarm. Das Problem: Immer mehr Münchner radeln zum Einkaufen in die Innenstadt. Die Räder stehen dann kreuz und quer - oder, wie bei Optik Schönweitz, direkt vor dem Schaufenster. Die Dienerstraße sei hin zum Marienplatz nur noch eine „Radlmauer“, klagt Citypartner in einer Pressemitteilung. Der Geschäftsführer des Vereins, Wolfgang Fischer, sagt, die Innenstadt mutiere zum „Hindernisparcours und Drahteselmüllplatz. Und das gerade jetzt, da die City als Schaufenster Münchens täglich zigtausend Besucher aus aller Herren Länder anzieht.“

Das Problem bestreiten auch erklärte Unterstützer einer radlgeprägten Innenstadt nicht. „Dass es zu Konflikten kommt, ist selbstverständlich“, sagt etwa die grüne OB-Kandidatin Sabine Nallinger. „München ist nun einmal eine Radlerstadt.“ Jetzt sei es wichtig, mehr Abstellmöglichkeiten zu schaffen. Nallinger setzt auf das Konzept, die Radfahrer verstärkt in die Seitenstraßen zu locken. „Dort können wir auch in der Nähe der Einkaufsstraßen noch Parkplätze wegnehmen. Da sollen anständige Radständer hin.“ Nallinger glaubt, dass die Kunden dann auch einige Meter bis zu den Geschäften laufen würden. Derzeit prüft die Stadt etwa, ob neue Radlständer an den Marienhof gebaut werden sollen.

Die grüne OB-Kandidatin sagt, das Problem sei, dass der Stadtrat sich nicht getraut habe, mehr Parkplätze abzubauen. Citypartner-Boss Fischer vermutet, dass das Geld falsch eingesetzt wird. „Gerade läuft diese Radl-Marketingkampagne“, schimpft er. „Das Geld sollte jetzt möglichst schnell in die Infrastruktur für Fahrradabstellplätze umgeleitet werden!“

Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) kann die Kritik nicht verstehen. „Es geht ja nicht um Geld, das nicht da wäre“, sagt er. „Das Problem ist der Platz, der fehlt.“ Er betont, dass die Stadt weiterhin viele Radler-Stellplätze schafft, alleine an zentralen Plätzen seien es heuer schon 400 gewesen. Der Aufschrei der Händler wundert ihn schon ein wenig. „Vielleicht sollte man mal anregen, dass sie gemeinsam mit der Stadt in neue Radl-Stellplätze investieren“, sagt Monatzeder. „Es sind ja schließlich ihre Kunden, die so kommen.“

Brillen-Verkäufer Sarigöl zumindest glaubt nicht, dass es meistens die eigenen Kunden sind, die den Blick ins Schaufenster verparken. „Die stellen ihre Räder hier ab“, so hat er es beobachtet, „und gehen dann stundenlang woanders shoppen.“

Von Felix Müller und Angelo Rychel

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