+

ADFC legt Konzept vor

Ein Radschnellweg für München?

München - In Göttingen, im Ruhrgebiet und in den Niederlanden gibt es sie bereits. Geht es nach dem ADFC, soll auch in München ein Radschnellweg angelegt werden. Der Fahrradclub hat ein Konzept vorgelegt.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sieht in Radschnellwegen eine ideale Alternative zum Auto. Bei der für München vorgeschlagenen Route würden in einem Korridor von einem Kilometer links und rechts des Schnellwegs über 150 000 Menschen leben. Rund 90 000 würden im Umfeld studieren oder arbeiten, etwa am Klinikum Schwabing oder bei BMW. Ein schnelle Radlroute würde viele zum Umstieg aufs Fahrrad bewegen, glaubt der ADFC – was eine Entlastung von Verkehr und Umwelt brächte. Auch für den am Rande seiner Kapazitäten fahrenden Öffentlichen Nahverkehr wäre eine Radl-Autobahn hilfreich.

Die vom ADFC ausgearbeitete Route hat eine Länge von acht Kilometern (siehe Grafik). Der blau markierte Radschnellweg würde an der Rathenaustraße im Harthof beginnen und zweieinhalb Kilometer auf der alten Trambahntrasse verlaufen. Unter dem Frankfurter Ring durch und über den Petuelring. Danach geht’s auf neuer Trasse in der Mitte der Belgradstraße bis zum Scheidplatz. Dort könnte ein Teil der heutigen Busspur genutzt werden, dafür bräuchte es jedoch eine Änderung bei der Linienführung. Vom Scheidplatz aus führt die Schnelltrasse unterhalb des Luitpoldparks zur Borschtallee und nutzt hier die bestehende Fahrradstraße. Sie überquert die Karl-Theodor-Straße, verläuft über die Erich-Kästner- und Clemensstraße und biegt in die Hiltenspergerstraße ein. An deren Ende geht es links in die Görresstraße, dann rechts in die Augustenstraße. Über Heß- und Luisenstraße führt die Route direkt vor dem Hauptbahnhof. Weil in beide Richtungen gefahren werden darf, gibt es auf der Radlstraße Gegenverkehr.

Entscheidend für den Erfolg eines Radschnellwegs ist: Es muss ein sicheres, zügiges, gleichmäßiges und komfortables Radeln möglich sein. Dafür bräuchte es an einigen Stellen Veränderungen. Es geht um Markierungen, Fahrbahnverlegungen und -verschwenkungen, Abgrenzungen, Ampel-Anlagen und die Beseitigung von Kopfsteinpflastern.

Der ADFC geht insgesamt von einem Investitionsvolumen von etwa einer Million Euro aus. Beleuchtung, Wegweisung, Zählstellen, Trinkbrunnen und Luftpumpstationen noch nicht mitgerechnet.

Auf jeden Fall müssen die Trassen möglichst unabhängig vom übrigen Verkehr sein. Ganz wichtig: Der Radverkehr sollte komplett vorfahrtsberechtigt oder mit Grüner Welle ausgestattet sein. Dabei sollte man mit etwa 25 bis 35 Stundenkilometern radeln können. Auf längeren Strecken, so der ADFC, seien nämlich vor allem Besitzer von Fahrrädern mit elektrischer Unterstützung, so genannten Pedelecs, unterwegs. Auch in München gibt es davon immer mehr. In ihnen sieht der ADFC das größte Potential, schließlich würden derzeit noch weit mehr als die Hälfte aller Münchner Strecken von bis zu zehn Kilometern mit dem Auto zurücklegen – und stünden dann meist im Stau.

Damit auch Normal-Radler auf der Schnelltrasse fahren können, müssen die Wege breit sein. Der ADFC spricht von durchgängig vier Metern sowie großen Kurvenradien, um die Zahl der Brems- und Beschleunigungsvorgänge so gering wie möglich zu halten.

Genau hier sieht die Stadt ein Problem. Diesen Platz habe man innerstädtisch kaum mehr, Karla Schilde, Sprecherin des Planungsreferats. Und wo es die Breite gäbe, etwa auf alten Bahndämmen, sei die Verbindung wenig attraktiv oder schwierig mit bestehenden Radstrecken zu verknüpfen. Man kenne die Vorschläge und stehe bereits im Austausch mit dem ADFC.

Die Rathaus-Grünen hingegen fordern schon die schnelle Umsetzung des ADFC-Konzepts. Ein Radlschnellweg sei nicht nur eine moderne Verbindung ins Zentrum, sondern auch Werbung für München, findet Stadtrat Paul Bickelbacher. Der ADFC formuliert es so: Mehr Radler machten München urbaner, attraktiver, lebenswerter, gemütlicher.

Carmen Ick-Dietl

Auch interessant

Kommentare