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Das rasante Leben des Michi Beck

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Leben auf der Überholspur: Wirt Michael Beck (†) vor dem „Bratwurst Glöckl“ auf der Wiesn.
Leben auf der Überholspur: Wirt Michael Beck (†) vor dem „Bratwurst Glöckl“ auf der Wiesn. © Marcus Schlaf/Archiv

München - Michael Beck ist nicht mehr aus dem Koma aufgewacht. Sechs Wochen nach seinem Selbstmordversuch stirbt der Promi-Wirt in Manila (Philippinen). In seinem Tod spiegelt sich sein ganzes Leben wider, ein Leben auf der Überholspur.

Michael Beck hat wie kaum ein anderer seine Heimatstadt München verkörpert: 130 Kilogramm, ein barockes Zwei-Meter-Mannsbild, dessen Urgroßvater bereits an der Isar Gäste begrüßte. Drei Wirtschaften nannte der „Bratwurst-König“ sein Eigen, ein Wiesn-Zelt sowie einen Hang zum rasanten Lebensstil: Champagner-Partys im P 1, ein Ferrari, Wodka flaschenweise, Bordellbesuche – in Becks massigem Körper hatten der rustikale Schankwirt und der liebevolle Familienmensch ebenso Platz wie der zockende Schickeria-Stenz.

Die Geschichte des "Bratwurst Glöckl"

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Gestorben ist der Mann, den in München alle nur den Michi nannten, mit 47 Jahren in Manila auf den Philippinen, weit weg von seiner Heimat. Allem Anschein nach wollte sich Beck am 16. Februar erhängen und fiel ins Koma, aus dem er nicht wieder erwachte. Über die Gründe für den Selbstmordversuch ist viel spekuliert worden: Die Insolvenz seines ambitionierten Lokals „Thaifoon“ im Jahr 2006 war nur der Schlusspunkt einer Reihe von Pleiten – so musste er das familieneigene „Bratwurst Glöckl“ am Dom an die Augustiner Brauerei verkaufen. Vor zwei Jahren setzte er sich nach Manila ab. Ende 2008 ließ er sich schließlich nach 17 Jahren Ehe von seiner Frau Nadja scheiden, die von den Philippinen stammt. Die beiden haben drei Kinder. Wie Münchens Boulevard-Blätter berichteten, hatte sie ihn im November wohl wegen eines Mitarbeiters von Becks Metzgerei „Mickey’s Delicatessen“ auf den Philippinen verlassen.

Unbekanntes Pflaster war Asien für Beck nie – denn auch wenn er ein Urmünchner war, so zog es ihn doch schon früh in die Welt hinaus. Mit sechs Jahren zapfte der Michi sein erstes Bier im Bratwurst-Glöckl, das damals noch seinem Vater Gerhard gehörte. Der Sohn passte auf, dass den alten Schankkellnern nicht die Zigarren ausgingen und holte Bier aus dem Keller, während seine Schwester Christine am Rost die Bratwürste drehte. Mit 16 begann er die Metzger-, später die Kochlehre, wurde Metzgermeister und bekam mit 25 Jahren das Angebot, ein bayerisches Lokal in Peking zu eröffnen. Er bekochte die Chinesen mit Schweinshaxen und arbeitete später in Hong Kong für Hotelketten wie Hilton als Manager. Damals lernte er in Manila seine spätere Frau kennen.

Ende der 80er rief ihn München zurück: Seine Tante hatte ihm und seiner Schwester ihren Anteil am „Bratwurst Glöckl“ vererbt. „Leicht ist mir dieser Schritt nicht gefallen“, sagte Beck damals. „Aber ich wollte die Familientradition weiterführen.“ Anfangs lief alles am Schnürchen: 1994 zeichnete ihn die Hotel- und Gaststättenmesse Hogatee als „Wirt des Jahres“ aus, 2000 beerbte Beck mit seinem „Bratwurst Glöckl“-Zelt die Wurstbraterei Sieber auf dem Oktoberfest – eine Goldgrube.

Doch hing Beck immer wieder Träumereien nach, aus denen nichts wurde: Wirt bei den Kaltenberger Ritterspielen wollte er werden, beim Tollwood oder auf Schloss Seefeld – nichts davon klappte. 2004 träumte er von einem asiatischen Spezialitäten-Restaurant mit authentischer Küche und echter antiker Kunst aus Asien – für das Restaurant am Frauenplatz 7 musste er 44 000 Euro im Monat Pacht bezahlen. Der Glanz eines rauschenden Schicki-Micki-Festes zur Eröffnung konnte nicht lange trügen: Kein Jahr später war er pleite.

Zum Ruin trug bei, dass Beck auch privat kein Maß kannte: Mit ein paar Freunden hatte er sich eine Box in der Allianz Arena reserviert, er besaß einen Fuhrpark mit Bentley, pflegte Kontakte zu Zuhältern, feierte exzessiv, nächtelang. Mancher kannte ihn als aufbrausend und einige, die ihn kannten, nennen ihn schlichtweg einen Proleten. Viele aber sagen: „Vom Michi konntest Du alles haben.“

Sein Vater allerdings, der ihm das Bratwurst Glöckl überschrieben hatte, lebt heute von Hartz IV. Der Sohn hatte ihm eine monatliche Leibrente versprochen – jetzt ist das Familienerbe weg und Gerhard Beck wohnt mittellos in Planegg. Mit seinem Sohn hatte er gebrochen. Als er nach Michis Selbstmordversuch gefragt wurde, wie es diesem geht, betonte er, er wisse von nichts.

Lange schien es, als sei Beck, den der Staatsanwalt in München wegen Unregelmäßigkeiten bei der Insolvenz suchte, in Manila auf die Füße gefallen: Sein „Mickey’s Delicatessen“ war ein Renner, er verkaufte täglich 80 Kilo Bratwürste, beschäftigte 80 Mitarbeiter, wollte expandieren. Doch bald war auch hier von Schulden und Alkohol die Rede. „Er war ein extremer Gefühlsmensch“, sagt ein Bekannter. Beck habe wohl das Aus seiner Ehe nicht verkraftet. Ein Traum zu viel, so scheint es, der geplatzt ist.

von Johannes Löhr

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