Pfarrer Joseph Pandiappallil gehört einem indischen Orden an, der weltweit tätig ist. So kam er nach München.

"Hier gab es nie rassistische Anfeindungen"

Nach Zorneding: Pfarrer aus Harlaching erzählt

München - Nach dem Rücktritt des Pfarrer svon Zorneding spricht der indische Pfarrer Joseph Pandiappallil aus Harlaching über seine Erfahrungen in seiner Gemeinde.

Joseph Pandiappallil klingt betroffen. Betroffen von den schrecklichen Vorfällen in Zorneding. Doch nicht nur er, sondern ganz Deutschland ist davon erschüttert. Allerdings ist Pandiappallil selbst auch ein ausländischer Pfarrer in München. Vielleicht kann er sich deshalb nochmal etwas besser in die Lage des Zornedinger Pfarrers Olivier Ndjimbi-Tshiende versetzen. Dieser hatte mehrfach rassistische Morddrohungen erhalten. Mittlerweile ist er zurückgetreten. Doch handelt es sich dabei um einen Einzelfall – oder gibt es auch in anderen Pfarreien rassistische Anfeindungen?

Jeder Dritte Pfarrer hat ausländische Wurzeln

Die Erzdiözese München und Freising hat 624 aktive Priester. Davon haben 231 einen ausländischen Geburtsort und 212 sprechen Deutsch nur als Fremdsprache. Das ist immerhin mehr als jeder Dritte. Möglichkeiten zur Diskriminierung gäbe es also genug in München und Umgebung.

Auch die Pfarrei „Heilige Familie“ hat mehrere Priester, die eine andere Hautfarbe haben als die Mehrheit ihrer Gemeindemitglieder. Pater Dr. Dr. Joseph Pandiappallil ist einer von ihnen. Er stammt aus Südindien, wo er zum Priester wurde. „Als Mitglied eines Ordens, der weltweit tätig ist, wurde ich irgendwann gefragt, ob ich bereit wäre, eine Stelle in Deutschland anzunehmen“, sagt er. Er nahm an. Nun ist er seit 1993 im Land. Erst in Freiburg, dann in Aubing und seit 2008 in Harlaching: als Pfarrer in der katholischen Pfarrei „Heilige Familie“ und deren Tochterpfarrei „Maria Immaculata“.

Zorneding hoffentlich in Einzelfall

In der Gemeinde gefällt es ihm gut. „Ich wurde wirklich sehr tolerant aufgenommen“, sagt Pandiappallil. Allerdings wisse man ja nie, was die Menschen wirklich im Herzen hätten. Aber bis jetzt hätten sie ihn nie etwas Negatives spüren lassen. „Mir ist hier auch noch nie etwas zu Ohren gekommen, was vergleichbar mit den Ereignissen in Zorneding wäre.“ Auch rassistische Kommentare oder Anfeindungen habe es nie gegeben. Der Pfarrer denkt und hofft deswegen, dass es sich beim Zornedinger Kollegen eher um einen Einzelfall handelt.

„Natürlich gibt es überall auf der Welt verschiedene Menschen mit verschiedenen Meinungen. Und das wiederum führt überall zu Problemen verschiedenster Art. Und Radikale gibt es eben leider auch überall“, erklärt er. In Indien beispielsweise gebe es sehr viele Kulturen und Religionen. Deshalb kommt es laut Pandiappallil auch dort immer wieder zu Problemen: „auch ohne rassistischen Hintergrund, der mit Hautfarbe oder Nationalität zu tun hätte“.

Man müsse eben versuchen, für jedes dieser Probleme eine Lösung zu finden – und das sei auch mit Aufgabe der Kirche. „Bisher hatte ich noch nicht geplant, die Vorfälle in meiner Predigt zu thematisieren. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass es der Gemeinde gut tut oder jemand auf mich zukommt, dann würde ich selbstverständlich darüber reden.“

Fabian Weberstetter

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