Spezlwirtschaft?

Rathaus-Koalition versorgt Stadträte mit Geschäftsführer-Jobs

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München - Die beiden Stadträte Christian Amlong (SPD) und Max Straßer (CSU) übernehmen hoch dotierte Posten bei GWG und Gewofag. Die Opposition spricht von einem Kuhhandel und Spezlwirtschaft. 

Der Wohnungsbau ist die größte Herausforderung in der Stadt. Die Rolle der beiden kommunalen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag ist deshalb so wichtig wie nie zuvor. Künftig wird die Politik noch größeren Einfluss auf die Gesellschaften haben, denn mit Max Straßer (CSU) und Christian Amlong (SPD) rücken zwei Stadträte der Großen Koalition in die Chefetage auf. Straßer wird Gewofag-Boss neben Klaus-Michael Dengler, Amlong übernimmt bei der Gewofag. Oppositionspolitiker sprechen von einem politischen Kuhhandel und werfen der Koalition Postengeschacher vor.

Bei der GWG scheiden zum Jahresende beide Geschäftsführer aus, bei der Gewofag einer der beiden. Ende Juli, nach mehreren Vorstellungsrunden, kamen jeweils die Aufsichtsräte der Unternehmen zusammen, um aus dem Feld der Bewerber die geeignetsten Kandidaten zu bestimmen. Und, oh Wunder, die Wahl fiel tatsächlich auf die beiden Stadträte der Koalition. Amlong wird bei der GWG künftig mit einer Architektin aus Regensburg zusammenarbeiten, die ebenfalls in die Geschäftsführung berufen wurde und dort den technischen Bereich verantwortet.

Im April war bekannt geworden, dass die beiden Juristen Amlong und Straßer sich für die Posten bei den Wohnungsbauunternehmen interessieren. Vor allem die Personalie Straßer war kritisch gesehen worden. Dieser habe im Stadtrat „keine fachliche Kompetenz“ unter Beweis gestellt, schimpfte etwa FDP-Stadtrat Michael Mattar. CSU-Fraktionschef Hans Podiuk wies damals jeglichen Verdacht der Spezlwirtschaft zurück und betonte, die Kandidaten müssten „durch das Fegefeuer der Bewerbung“ gehen. Teilnehmerkreisen zufolge handelte es sich bei den Bewerbungsrunden aber eher um Strohfeuer, denn profilierte Konkurrenz mussten Amlong und Straßer nicht fürchten. „Richtig gute Leute wollten sich nicht verbrennen. Es war ja von Beginn an klar, wer den Posten bekommt“, sagt ein Aufsichtsrat. Die Vorstellung von Amlong sei aber sehr überzeugend gewesen, wenngleich es sich bei dem Verfahren um eine Farce gehandelt habe. Kritisch wird in der Opposition vor allem gesehen, dass bei der Gewofag die technische Seite nicht mehr besetzt ist, sondern zwei Juristen das Sagen haben: Klaus-Michael Dengler und eben Max Straßer. „Es wird in Zukunft um innovativen Wohnungsbau und neue Formen des Wohnens gehen, da sehe ich die erforderliche Qualität ohne technischen Geschäftsführer nicht mehr gewährleistet“, sagt ein Aufsichtsrat. Anders verhält es sich bei der GWG, wo künftig das Know-how einer Architektin an oberster Stelle in Entscheidungsprozesse einfließen wird.

Derzeit verhandeln die beiden Wohnungsbaugesellschaften noch mit ihren drei designierten Geschäftsführern die Verträge. Die Vergütung liegt dem Vernehmen nach jeweils deutlich im sechsstelligen Euro-Bereich.

Rubriklistenbild: © Bodmer Oliver

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