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Ohne Glimmstängel kommt Wenzel Vaclav Cerveny aus – seine Lokale aber litten unter dem Rauchverbot.

Es fehlen nur noch 5000 Unterschriften

Ex-Wirt will Volksbegehren gegen das Rauchverbot

München - Knapp drei Jahre nach dem Rauchverbot kämpft ein Ex-Wirt wieder für das Rauchen in Gaststätten. Für ein Volksbegehren hat er schon 20.000 Unterschriften gesammelt, 5000 fehlen noch. Er selbst raucht nicht – fordert aber „Wahlfreiheit“.

Man kann schon ein Déjà-vu-Erlebnis haben, wenn man dieser Tage durch die Innenstadt spaziert. Denn unter Umständen steht da der Wohnwagen von Wenzel Vaclav Cerveny, behangen mit Plakaten und großem „JA!“-Schriftzug. Allerdings heißt es diesmal nicht „Ja! zum Rauchverbot“ – sondern Ja zu Raucherclubs.

Zwei Ziele hat Cerveny: Einerseits will er die Raucherclubs wieder einführen, also die Raucherlaubnis für kleine Kneipen, die nur Personen ab 18 Jahren zugänglich und deutlich als Raucherclubs gekennzeichnet sind. Außerdem fordert der 52-Jährige die Wiedereinführung der sogenannten „Innovationsklausel“. Die besagt, dass das Rauchen in Gaststätten erlaubt ist, wenn eine Filteranlage kontinuierlich für frische Luft im Inneren sorgt.

Denn so eine Anlage hatte Cerveny auch selbst in seinem „Café Crepes“ in Ebersberg. Der Wirt, selbst Nichtraucher, störte sich irgendwann an der beißenden Luft in seinem Raucherlokal. Für 30.000 Euro baute er deshalb eine Filteranlage ein. „Danach war die Luft in der Kneipe besser als draußen“, sagt er. Das habe ihm auch ein TÜV-Gutachten bescheinigt.

70 Prozent Umsatzeinbußen nach Einführung des Rauchverbots

Doch mit dem Rauchverbot von 2010 fiel auch die Innovationsklausel, die solche „gefilterten“ Gaststätten erlaubte. Cerveny hatte Umsatzeinbußen von 70 Prozent, auch in einer anderen Kneipe in Vaterstetten. Schließlich hängte er das Wirtsdasein an den Nagel und hatte nur noch ein Ziel: Das Rauchverbot rückgängig zu machen.

Er startete das Volksbegehren, veranstaltete Demonstrationen, trat in die Bayernpartei ein. Mit einem eigens zugelegten Wohnwagen tourte er durch das Land und baute ein Netzwerk aus Wirten und Gästen auf. Mittlerweile hat er 100 Menschen für sein „Volksbegehren-Team“ rekrutiert, 16 davon kandidieren bei der Landtagswahl für die Bayernpartei.

"Die Hälfte der Unterschriften kommen von Nichtrauchern"

Wer sind die Menschen, die sich jetzt wieder gegen das Rauchverbot auflehnen? Ruinierte Wirte, renitente Raucher? Laut Cerveny ist alles dabei. „Die Hälfte der Unterschriften kommen von Nichtrauchern“, sagt er. Die beschweren sich über den Lärm, den die Raucher vor den Kneipen verursachen. Andererseits gebe es auch Raucher, die nicht unterschreiben. „Die finden es gut, dass sie weniger rauchen, wenn sie deshalb vor die Tür müssen“, erzählt Cerveny.

Bis Mitte August will Cerveny die 25.000 Unterschriften beisammen haben. Dann reicht er sie ein, etwa vier Wochen vor der Landtagswahl. Sein Kalkül: Es soll gar nicht erst zu der zweiwöchigen Unterschriftenphase in den Rathäusern kommen müssen, die es auch beim Volksbegehren gegen die Studiengebühren gab. Denn vorher kann der Landtag den Vorschlag auch direkt ins Gesetz übernehmen.

Damit das klappt, will Cerveny mit der Bayernpartei im September einen bombastischen Wahlerfolg einfahren: Mehr als 10 Prozent könnten drin sein, schätzt Cerveny. „Wir werden der Überraschungsstar bei der Landtagswahl“, kündigt er an. Zum Vergleich: Bei der Landtagswahl 2008 kam die Bayernpartei auf 1,1 Prozent.

Moritz Homann

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